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Anschlussfinanzierung: Wann wird ein Zinsaufschlag fällig?

 

Im Zusammenhang mit der Anschlussfinanzierung ist häufig vom sogenannten Aufschlag oder Zinsaufschlag die Rede. Doch wann wird dieser Aufschlag fällig, wie wird er berechnet und wie beeinflusst er die Kosten des Kredits? In unserem Ratgeber finden Sie alle wichtige Information rund um das Thema Aufschlag bei der Anschlussfinanzierung.

 

Gleich zum Wunschthema:

 


Anschlussfinanzierung berechnen

 

Wann wird bei der Anschlussfinanzierung ein Aufschlag fällig?

 

Ein Zinsaufschlag dient zur Absicherung der Bank.

Ein Aufschlag für die Anschlussfinanzierung wird dann fällig, wenn es sich um ein sogenanntes Forward-Darlehen handelt.

Beim Forward-Darlehen können Sie sich bis zu 60 Monate vor Ablauf der Sollzinsbindung Ihres Immobilienkredits die aktuellen Zinssätze für Ihre Anschlussfinanzierung sichern. Ausgezahlt wird das Darlehen dann, wenn die Laufzeit des ursprünglichen Kredits endet.

Für diese Art der Umschuldung verlangen die Banken allerdings einen Zinsaufschlag, der zum normalen Zinssatz hinzuaddiert wird. Dieser Aufschlag dient zur Absicherung der Bank: Dadurch, dass sie Ihnen das Geld in der Zukunft zu einem festgesetzten Zinssatz zur Verfügung stellt, geht die Bank das Risiko ein, Verluste zu machen – nämlich in dem Fall, wenn das Niveau des Darlehenszins wieder steigt und die Bank diese Zinssteigerung nicht auf Sie als Kunden umlegen kann. Bis zu 12 Monate vor der benötigten Auszahlung können Sie ein Forward-Darlehen abschließen, um von den niedrigen Zinsen zu profitieren.


Tipp: 

Ob sich ein Forward-Darlehen trotz des Aufschlags lohnt, hängt von der Entwicklung des Finanzmarktes und damit der Zinssätze ab. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Zinsen mittelfristig steigen werden und Sie somit auch mit dem Aufschlag weniger zahlen müssen als bei einem später abgeschlossenen Anschlussdarlehen zur Umschuldung, sollten Sie ein Forward-Darlehen in Betracht ziehen.

 

 

Wie wird der Aufschlag bei einem Anschlussdarlehen berechnet?

 

Generell gilt: Je länger die Zeitspanne zwischen Vertragsunterzeichnung und Auszahlung, desto höher der Aufschlag. Bei der Berechnung des Aufschlags gilt die Formel:

Zinsaufschlag pro Monat * Vorlaufzeit in Monaten + vereinbarter Zinssatz

Ein kurzfristigeres Forward-Darlehen, das 12 Monate vor Gebrauch abgeschlossen wird, ist damit oftmals günstiger als eines, das bereits mehrere Jahre vorher abgeschlossen wird – vorausgesetzt, das Zinsniveau sinkt in der Zwischenzeit nicht. Hinzukommt, dass die Banken bei kürzerer Vorlaufzeit den monatlichen Zuschlag oft niedriger ansetzen als bei einer langen Vorlaufzeit. Die Forward-Aufschläge bewegen sich zurzeit in einem Bereich zwischen 0,01 und 0,03% pro Monat.

 

 

Rechenbeispiel: Forward-Darlehen und Aufschlag

 

Annahmen
Laufzeit der Ratenzahlung: 10 Jahre
Beispiel A: Kurze Vorlaufzeit, niedriger Zinsaufschlag
Beispiel B: Lange Vorlaufzeit, niedriger Zinsaufschlag
Beispiel C: Lange Vorlaufzeit, höherer Zinsaufschlag

  Beispiel A Beispiel B Beispiel C
Darlehenshöhe 100.000 Euro 100.000 Euro 100.000 Euro
Aktueller Sollzins des Forward-Darlehens 1,9% 1,9% 1,9%
Sollzinsende des Immobilienkredits/Vorlaufzeit 12 Monate 40 Monate 40 Monate
Zinsaufschlag 0,01% pro Monat 0,01% pro Monat 0,03% pro Monat
Finaler Kundenzins für das Forward-Darlehen 1,9% + 0,12% = 2,02% 1,9% + 0,4% = 2,3% 1,9% + 1,2% = 3,1%
Gesamtkosten Kredit 110.523 Euro 112.035 Euro 116.427 Euro

Der Zinsaufschlag ist jedoch nicht mit einem Bereitstellungszins zu verwechseln: Im Gegensatz zum Bereitstellungszins, der bei klassischen Immobilienkrediten oftmals gezahlt werden muss und in der Zeit von Vertragsabschluss bis Auszahlung fällig wird, tritt der Zinssatz mit Aufschlag erst bei Inanspruchnahme des Kredits in Kraft.

 

 

Was kann ich tun, wenn das Forward-Darlehen zu teuer ist?

 

Forward-Darlehen ohne Aufschlag sind so gut wie nie zu finden. Manche Banken bieten einige aufschlagsfreie Monate an, dabei handelt es sich jedoch zumeist um Aktionsangebote. Dennoch gibt es Möglichkeiten, um ein günstigeres Forward-Darlehen angeboten zu bekommen.

1. Angebote vergleichen

Der erste Schritt auf der Suche nach dem passenden Anschlussdarlehen sollte immer das Einholen und Vergleichen verschiedener Angebote sein. Nicht immer bietet die Hausbank die besten Konditionen und so können Sie mit einem Bankwechsel viel Geld sparen. Fremde Banken ermitteln zum Beispiel den Wert Ihres Hauses neu, was sich aufgrund der steigenden Immobilienpreise positiv auf Ihre Kreditwürdigkeit und damit die Darlehenskonditionen auswirken kann. Ihre Hausbank hingegen hat vielleicht Sonderangebote für treue Kunden und kommt Ihnen entgegen, um Sie nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Achten Sie bei den Angeboten nicht nur auf den Zinssatz und die Zuschläge, sondern auch auf Laufzeit, Tilgung und mögliche Extrakosten für Sondertilgungen oder eine vorzeitige Volltilgung.

2. Kürzere Laufzeit vereinbaren

Sind Ihnen die Zinsen und die dadurch entstehenden Zusatzkosten für das Forward-Darlehen zu hoch, könnte eine Verkürzung der Laufzeit und damit der Zinsbindung helfen. So sind Sie beispielsweise nur fünf statt zehn Jahre an den Vertrag gebunden und können in der nächsten Finanzierungsrunde neu verhandeln. Ob sich die Konditionen in der Zwischenzeit allerdings zu Ihren Gunsten verändert haben, ist ungewiss. Im Zweifelsfall wird der neue Kredit noch teurer.

3. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten suchen

Wer seine Anschlussfinanzierung lange im Voraus planen möchte, aber mit den angebotenem Forward-Darlehen unzufrieden ist, muss deshalb nicht auf eine kurzfristige Finanzierung wie ein klassisches Anschlussdarlehen zur Umschuldung zurückgreifen. Holen Sie sich Angebote für einen Bausparvertrag ein. Dieser sollte allerdings so früh wie möglich abgeschlossen werden, damit das Bauspardarlehen rechtzeitig ausgezahlt werden kann. Während Forward-Darlehen maximal fünf Jahre vor Sollzinsbindung genehmigt werden, sollte ein Bausparvertrag je nach gewünschter Bausparsumme sieben Jahre oder länger laufen.

 

Sie sollten vor Vertragsabschluss genau berechnen, ob Ihnen die Kosten für das Forward-Darlehen zu hoch sind oder nicht. Wenn Sie während der Vorlaufzeit entscheiden, das Darlehen doch nicht wahrnehmen zu wollen, weil Sie ein besseres Finanzierungsangebot gefunden haben, müssen Sie der Bank eine Nichtabnahmeentschädigung zahlen. Diese ist meistens so hoch, dass die Vorteile eines günstigeren Darlehens sofort wieder aufgehoben werden.

 


 

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