Immobilien überbewertet, Kredite niedrig


Das kann sich hören lassen! Unser Zinskommentar als Podcast


Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Annäherung der USA und Chinas auf dem G20-Gipfel sorgte für gute Stimmung an der Börse
  • Bundesbank und Europäischen Zentralbank warnen vor einer Überbewertung der Immobilienpreise
  • Alle Zinsen des ImmobilienScout24-Zinsbarometers blieben im November stabil oder sind sogar gesunken

Für Deutschland begann der G20-Gipfel in Buenos Aires mit einer filmreifen Einleitung. Die offensichtlich fehleranfällige Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ streikte und Angela Merkel kam zu spät. Stattdessen: Übernachtung in Bonn und Weiterflug mit einer Linienmaschine nach Argentinien. Ihr Ehemann musste dann leider zu Hause bleiben. Und als sie dann am letzten Abend des Gipfels – das Flugpersonal musste noch eine Ruhepause machen – in Recoleta spazieren gehen wollte, führte ihr spontaner Steakhouse-Besuch zu einem Menschenauflauf und frenetischen „Angela, Angela“ Rufen. Sie hat es sicherlich genossen. Das Ergebnis des Gipfels: ein Minimalkonsens. Aber immerhin: Die langsame Annäherung der beiden Streithähne USA und China im Handelskonflikt sorgt für Hoffnung – und anziehende Börsenkurse. 


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Fed agiert vorsichtiger


Wenn es um Leitzinsänderungen geht, will man bei der Fed zukünftig etwas vorsichtiger sein. Das suggerieren die Protokolle der Novembersitzung der Fed. Es wurden in letzter Zeit immer wieder Stimmen laut, dass die Zinsanpassungen der Notenbank die amerikanische Wirtschaft ausbremsen würden. Fed-Chef Jerome Powell wiegelt jedoch ab: Die stufenweisen Zinserhöhungen seien so angelegt, dass Gefahren und Chancen in Balance blieben. Aktuell liegt der Leitzins zwischen 2,0 und 2,25 Prozent, gemäß der Fed auf einem guten Niveau, um die Wirtschaft weder zu bremsen, noch unverhältnismäßig zu befeuern. Drei Leitzinserhöhungen waren es 2018, eine weitere soll im Dezember noch folgen. Die für 2019 geplanten Zinsschritte könnten indes auf nur einen zusammenschrumpfen, vermuten Experten.


Zinsentwicklung


Die EZB bleibt ruhig


Bei der Europäischen Zentralbank bleibt alles ruhig. Es wird erwartet, dass Mario Draghi in der nächsten Sitzung am 13. Dezember den eingeschlagenen Kurs bestätigen wird: „Ich erwarte, dass die EZB in ihrer Sitzung am 13. Dezember den Ausstieg aus dem Anleihenaufkaufprogramm zum Jahreswechsel bestätigen wird,“ sagt Michael Neumann von der Dr. Klein Privatkunden AG. Ob dann auch der für das nächste Jahr vorausgesagte erste Zinsschritt folgen wird, darüber ist sich der Experte nicht sicher: „Die Entscheidung der Geldpolitiker wird davon abhängen, wie sich Inflation und Wachstumsaussichten im kommenden Jahr entwickeln.“

Überhitzte Immobilienpreise


Wenn die Immobilienkredite niedrig sind, sind Bauherren bereit, auch höhere Preise zu zahlen. So ist es in der EU seit einigen Jahren. Was aber, wenn die Immobilien weniger wert sind, als für sie gezahlt wird? Dann entwickelt sich langsam die befürchtete Immobilienblase. Die Währungshüter der EZB äußerten sich in ihrem neuesten Bericht vorsichtig besorgt, auch wenn nur von einer „leichten Überbewertung“ die Rede ist. Noch sehe die Bank die Wirtschaft im Euro-Raum im Aufschwung, allerdings hätten sich auch einige Gefahrenherde für das Finanzsystem entwickelt. Dazu gehöre der Handelskonflikt der USA, Turbulenzen in einigen Schwellenländern und die Probleme der überzogenen Haushaltspläne der italienischen Regierung.

Auch die Deutsche Bundesbank ist verunsichert


Die EZB warnt nicht als Einzige vor einer Übertreibung am Immobilienmarkt. Auch die Deutsche Bundesbank legt in ihrem, im November veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität den Finger in die Wunde. Da steht geschrieben: „Insbesondere ein Rückgang der aktuell hohen Bewertungen für Immobilien könnte das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen.“ Eine Neubewertung würde also einen drastischen Wertverfall nach sich ziehen. Verschärfend wirkt dabei, dass Wohnungsbaukredite mehr als die Hälfte aller von den Banken ausgegebenen Kredite ausmachen. Die Bundesbank spricht von Überbewertungen in den Städten von 15 oder sogar 30 Prozent. Stresstests würden zeigen, dass „... ein Konjunktureinbruch und fallende Immobilienpreise die Immobilien-Kreditportfolios deutscher Banken teilweise empfindlich treffen könnten".

Berichte zur Finanzstabilität

Die Deutsche Bundesbank ist nach dem „Gesetz zur Überwachung der Finanzstabilität“ dazu verpflichtet, eine Mitverantwortung für die Stabilität des deutschen Finanzsystems zu übernehmen. Sie muss beobachten, bewerten und im Bericht zur Finanzstabilität auf mögliche Gefahren hinweisen. Einmal im Jahr berichtet die Deutsche Bundesbank dem Deutschen Bundestag über die Lage und Entwicklung der Finanzstabilität. Jeweils im November legt sie ihren Finanzstabilitätsbericht vor.


ImmobilienScout24-Zinsbarometer: Entspannung überall


Das ImmobilienScout24-Zinsbarometer* meint es im November gut mit Bauherren: Alle Zinswerte bleiben stabil oder verbilligten sich sogar (siehe Diagramm, Stand 01.12.2018).

Die Kredite mit kurzer fünfjähriger Laufzeit blieben stabil: Sie lagen und liegen bei 1,05 Prozent. Die Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung verbilligten sich um 0,02 Prozentpunkte und liegen aktuell bei 1,32 Prozent. Auch die 15-jährigen Kredite verbilligten sich um 0,04 Prozentpunkte auf 1,66 Prozent. Die Zinsen mit 20-jähriger Zinsbindung verbilligten sich im Laufe des Novembers, kletterten dann aber zum Ende wieder auf 1,92 Prozent – und liegen damit 0,02 Prozentpunkte über dem Wert im November-Zinskommentar.


*Hinweis: Bei den Zinsen handelt es sich um Durchschnittswerte der bei ImmobilienScout24 gelisteten Baufinanzierer zum angegebenen Stichtag. Für die Kalkulation wurden folgende Modelldaten verwendet: Angestellter, Darlehenssumme: 200.000 Euro, Beleihungsauslauf: 80 Prozent, Tilgungsrate: 3 Prozent.  


Hinweis: Blau = Verlinkte Fachbegriffe im Miniglossar am Ende des Artikels

Miniglossar - wichtige Fachbegriffe in diesem Artikel


Anleihenaufkaufprogramm: Seit März 2015 kauft die EZB in großem Umfang europäische Staats- und Unternehmensanleihen. Sie will Banken dazu veranlassen, Darlehen an Unternehmen und Privathaushalte auszugeben, um die Konjunktur anzukurbeln.

Geldpolitik Darunter versteht man alle Maßnahmen eines Staates, die Geldversorgung und Kreditangebote der Banken zu regulieren, um wirtschaftspolitische Zwecke zu erfüllen. Dahinter steht das Ziel, den Wert des Geldes einer Volkswirtschaft stabil zu halten.

Fed: ist die Abkürzung für Federal Reserve. Damit ist die Zentral- oder Notenbank der USA gemeint.

Leitzinsen Diese von der Zentralbank eines Landes festgelegten Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei der Noten- bzw. Zentralbank Geld leihen können. Sie sind ein wichtiges Steuerungsmittel der Geldpolitik.

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