Bereitstellungszins

Der Bereitstellungszins (auch Bereithaltungszins oder Bereithaltungsprovision) ist eine Gebühr, die ein Kreditgeber auf den noch nicht abgerufenen Teil eines Darlehens aufschlagen kann, weil in dieser Zeit keine Gewinne mit dem bereitgestellten Geld erwirtschaftet werden können. Der Bereitstellungszins wird zumeist bei Baukrediten zur Finanzierung einer neuen Immobilie erhoben.

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Warum werden Bereitstellungszinsen fällig?

Zumeist wird ein Hausbau nicht erst bei der Fertigstellung, sondern in einzelnen Etappen in Rechnung gestellt. Anders als beim Kauf einer gebrauchten Immobilie müssen verschiedene Dienstleister wie Bauunternehmen oder Handwerker zu unterschiedlichen Zeiten bezahlt werden. Ein Kreditnehmer benötigt dementsprechend zunächst nicht die gesamte Kreditsumme, sondern nur Teile des Darlehens. Hierdurch fallen jedoch weniger Zinsen als beim Abruf der gesamten Kreditsumme an. Der Kreditgeber muss die noch nicht abgerufenen Teile des Darlehens für den Kreditnehmer bereithalten und kann die Beträge nicht anderweitig vergeben. Durch den Zuschlag des Bereitstellungszinses kann der Kreditnehmer diese Verluste ausgleichen. Bereitstellungszinsen werden außerdem häufig dann aufgeschlagen, wenn der Bau einer Immobilie nicht fristgerecht fertiggestellt werden kann. Ein Kreditgeber lässt sich in diesem Fall dafür entschädigen, dass er die Kreditsumme länger als vereinbart für den Kreditnehmer zum Abruf bereithält.

Ab wann fällt der Bereitstellungszins an?

Ob der Bereitstellungszins überhaupt erhoben wird, ist nicht festgelegt und hängt von den Konditionen des Baukredits ab. Die Zinsen fallen ab Auszahlungsreife des Darlehens an und werden für den Zeitraum bis zum vollständigen Abruf der Kreditsumme berechnet. In der Regel gewährt der Kreditgeber jedoch einen festgelegten Zeitraum, in dem noch kein Bereitstellungszins aufgeschlagen wird. Diese bereitstellungszinsfreie Zeit variiert je nach Kreditbetrag und beläuft sich auf einem Monat bis hin zu zwei Jahren. Manche Kreditinstitute verlängern die bereitstellungszinsfreie Zeit gegen einen Aufpreis, andere weichen nicht von der vorgegebenen Zeitspanne ab. Ist es bis zum vereinbarten Zeitpunkt jedoch zu keiner Inanspruchnahme gekommen, stellen die Geldgeber Bereitstellungszinsen von ca. 0,25 Prozent monatlich in Rechnung, jedoch variiert auch hier der Prozentsatz. Der Bereitstellungszins kann umgangen werden, wenn mit dem Kreditgeber beispielsweise vereinbart wird, dass die Summe des Darlehens bei Auszahlungsreife vollständig ausgezahlt und auf ein Festgeldkonto transferiert wird.

Welche Berechnungsgrundlage liegt vor?

Die Höhe des Bereitstellungszinses wird üblicherweise über zwei verschiedene Methoden bestimmt. Entweder wird der Zins auf Grundlage des noch nicht abgerufenen Teils des Darlehens berechnet oder auf Grundlage der gesamten Kreditsumme erhoben. In der Regel entspricht der Zinssatz in etwa zwei bis drei Prozent des noch nicht abgerufenen Kredits und wird monatlich verbucht.

Beispielrechnung von Bereitstellungszinsen

Das Kreditinstitut hat eine bereitstellungszinsfreie Zeit von drei Monaten. Der Kunde nimmt zum 1. August einen Kredit über 200.000 Euro auf, also werden ihm bis zum 1. November keine Bereitstellungszinsen berechnet. Ab dem 1. November ist er jedoch dazu verpflichtet, Bereitstellungszinsen in der von der Bank festgesetzten Höhe (meist zwischen 0,15 und 0,35 Prozent) an die Bank zu zahlen. Die Bereitstellungszinsen müssen bei einem anstehenden Immobilienkauf in die Gesamtrechnung mit aufgenommen werden. Zögern sich die Verhandlungen bei einem Immobilienerwerb oder die Fertigstellung eines Neubaus hinaus, können die Bereitstellungszinsen ein vorerst profitables Geschäft entsprechend negativ beeinflussen.

Sollte der Bereitstellungszins vor Baukredit-Abschluss berücksichtigt werden?

Auf jeden Fall sollten die Konditionen eines Kreditvertrags vor Abschluss beurteilt werden. Auch die Höhe des Zinssatzes des Bereitstellungszinses sowie der Zeitraum der bereitstellungszinsfreien Zeit sollten berücksichtigt werden. Dabei ist zu beachten, dass der Bereitstellungszins üblicherweise nicht in den effektiven Jahreszins eingerechnet wird. Für den Kreditnehmer stellen Bereitstellungszinsen somit Mehrkosten dar, die bei der Finanzierung einer Immobilie und vor dem Abschluss eines Baukredits berücksichtigt werden müssen. In vielen Fällen sind Kreditgeber jedoch kulant in Bezug auf den Bereitstellungszins und die Dauer der bereitstellungszinsfreien Zeit, was dem Kreditnehmer einen gewissen Verhandlungsspielraum ermöglicht.

Kann eine steuerliche Absetzung stattfinden?

Bereitstellungszinsen können Kreditnehmer nur dann steuerlich absetzen, wenn die Immobilie nach dem Bau nicht selbst bewohnt, sondern vermietet wird. Ist das der Fall, können die Bereitstellungszinsen als Herstellungskosten abgeschrieben werden. Auf keinen Fall dürfen die Bereitstellungszinsen rückwirkend als Werbekosten abgesetzt werden.

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