Gewerbelexikon

Gutachter

Ein Gutachter, auch als Sachverständiger bezeichnet, ist eine natürliche Person, die sich auf einem bestimmten Gebiet eine explizite Sachkunde und umfangreiches Fachwissen angeeignet hat und der deshalb die nötige Expertise auf diesem Fachgebiet zugesprochen wird. Zwar werden die Begriffe Gutachter und Sachverständiger vielfach synonym verwendet. Allerdings hat sich im Gerichts- und Behördenwesen der Begriff des Sachverständigen durchgesetzt, da sich Gerichte und Behörden zumeist auf Gesetzestexte berufen, in denen vorrangig die Bezeichnung des Sachverständigen zu finden ist. Bei Privatpersonen hat sich hingegen die Bezeichnung Gutachter etabliert. Gutachter und Sachverständige haben demzufolge die gleichen Aufgaben, werden jedoch mitunter unterschiedlich bezeichnet.

Aufgaben eines Gutachters

Zu den Hauptaufgaben eines Gutachters bzw. Sachverständigen zählt vor allem die Erstellung qualifizierter Gutachten auf dem Gebiet, auf dem sie über die erforderliche Sachkunde verfügen. Dies ist insbesondere in den Fällen erforderlich, wenn es gilt, einen Sachverhalt eindeutig zu klären. Dabei können nicht nur Behörden und Gerichte einen Gutachter zurate ziehen, sondern auch Privatpersonen können einen Sachverständigen beauftragen, um strittige Punkte klären zu lassen. So sollte beispielsweise vor dem Erwerb einer Bestandsimmobilie das Objekt durch einen unabhängigen Baugutachter auf schwerwiegende Mängel wie verrottete Außenabdichtungen, Schimmel, defekte Rohre oder durchfeuchtete Dämmstoffe überprüft werden. Dies gilt umso mehr, je älter die betreffende Immobilie ist. Denn ein Nichtfachmann kann selbst nach mehrmaligen Besichtigungen den Zustand der Immobilie nicht umfassend beurteilen und dementsprechend nicht entscheiden, ob der verlangte Preis gerechtfertigt ist oder nicht.

Arten von Gutachtern

Da die Bezeichnung Gutachter bzw. Sachverständiger nicht rechtlich geschützt ist, kann sich grundsätzlich jeder so bezeichnen. Dennoch haben sich verschiedene Arten von Gutachtern etabliert. So gibt es den freien Gutachter, der sich selbst zum Sachverständigen ernannt hat. Darüber hinaus gibt es jedoch auch EU-zertifizierte, staatlich anerkannte und verbandsanerkannte Gutachter. Welcher Gutachter für einen konkreten Einzelfall geeignet ist, ist abhängig vom jeweiligen Fachwissen und dem Erfahrungswert des Gutachters. Soll beispielsweise die Qualität handwerklicher Tätigkeiten beurteilt werden, kann auch ein Handwerksmeister als Gutachter beauftragt werden, sofern dieser über das notwendige Fachwissen und die erforderliche Berufserfahrung verfügt. In einem Strafverfahren hingegen sollte ein Gutachter herangezogen werden, der ein entsprechendes Studium absolviert hat und dadurch den Sachverhalt umfassend beurteilen kann.

Die Ausbildung eines Gutachters

Neben dem Fachwissen und der Erfahrung eines Gutachters spielen noch andere Faktoren eine Rolle, die jemanden dazu berechtigen, sich als Gutachter zu bezeichnen: Er muss in der Lage sein, Gutachten korrekt zu erstellen und diese unter Umständen später mündlich zu verteidigen. Konkret bedeutet dies, dass Gutachter einerseits Sachverhalte korrekt beurteilen müssen und sie andererseits auch so verfassen können, dass jeder Laie in der Lage ist, sie zu verstehen. Jedes erstellte Gutachten muss diesen Anspruch erfüllen, tut es dies nicht, ist es erstens wertlos und zweitens muss es nicht bezahlt werden. Heutzutage gibt es spezielle Ausbildungseinrichtungen für Gutachter, die dafür sorgen, dass sie fachliche und methodische Grundlagen lernen. Insbesondere auf die sprachliche Gewandtheit wird in den Ausbildungseinrichtungen für Sachverständige großen Wert gelegt.

In der Bundesrepublik gibt es nur wenige Bereiche, in denen Sachverständige vollständig anerkannt werden. Dazu gehören beispielsweise Sachverständige für den Erd- und Grundbau, Sachverständige für die Prüfung des Brandschutzes sowie Sachverständige für einen Schall- und Wärmeschutz.