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Anschlussfinanzierung: Jetzt günstige Zinsen sichern

Eine Baufinanzierung kann einen Zeitraum von bis zu 35 Jahren umfassen. Die erste Zinsbindungsfrist endet meist nach zehn oder 15 Jahren. Warum die Aussichten auf günstige Zinsen jetzt noch gut sind, wann sich der Wechsel lohnt und was bei der Anschlussfinanzierung sonst noch zu berücksichtigen ist, erfahren Sie hier.

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Das Wichtigste in Kürze

 

  • Je früher Sie sich mit der Anschlussfinanzierung beschäftigen, desto wahrscheinlicher ist es, gute Konditionen zu finden.
  • Schon wenige Prozentpunkte Unterschied machen bei der Anschlussfinanzierung viel aus. Daher sollten Sie stets Angebote vergleichen.
  • Steigen die Zinsen in Zukunft tendenziell, können Sie sich mit einem Forward-Darlehen die aktuellen, günstigen Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern.

 

Gleich zum Wunschthema:

 

 

▷ Anschlussfinanzierung: Wann sollte ich mich kümmern?

 

Ab wann Sie die Anschlussfinanzierung für Ihre Immobilie planen sollten, ist leicht zu beantworten: Frühestens fünf Jahre und spätestens sechs Monate vor Ablauf der Zinsbindungsfrist.

Nur wer sich rechtzeitig um die Anschlussfinanzierung des Baukredits kümmert, kann bares Geld sparen! Generell stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten für die Anschlussfinanzierung Ihres Immobilienkredits zur Auswahl:

  1. Prolongation (Anschlussfinanzierung mit derselben Bank)
  2. Umschuldung (Anschlussfinanzierung bei einer anderen Bank)
  3. Forward-Darlehen (Frühzeitige Zinssicherung bei einer anderen Bank)

 

Wann ist der richtige Zeitpunkt für welche Anschlussfinanzierungs-Variante?

 

Unsere Darstellung verschafft Ihnen einen Überblick, zu welchem Zeitpunkt Sie sich mit welcher Finanzierungsvariante beschäftigen sollten:

wann-ist-welche-Anschlussfinanzierung-guenstig Wann welche Anschlussfinanzierung nutzen?

 

 

▷ Leitzins-Entwicklung der letzten Jahre

 

Seit März 2016 liegt der Leitzins für den Europäischen Währungsraum bei 0,000 Prozent.

Dies hat zur Folge, dass unter anderem Anschlussfinanzierungen zinsgünstiger geworden sind, da die Kreditinstitute den derzeit niedrigen Zins mit kleinen Aufschlägen an ihre Kunden weitergeben können.

Zinsänderungen der EZB der letzten Jahre:

Zinsentwicklung

 

Wer sich für seine Anschlussfinanzierung also beste Zinsen sichern will, sollte nicht zu lange warten. Seit dem historischen Zinstief im Jahr 2016 sind die Bauzinsen insgesamt nur leicht angestiegen. Dies hängt zum großen Teil damit zusammen, dass der Leitzins der EZB bis jetzt unverändert geblieben ist.

Zinsänderungen der EZB im Überblick:

Änderungsdatum

Prozentsatz des Leitzinses

10. März 2016

0,000 %

4. September 2014

0,050 %

5. Juni 2014

0,150 %

7. November 2013

0,250 %

2. Mai 2013

0,500 %

5. Juli 2012

0,750 %

8. Dezember 2011

1,000 %

3. November 2011

1,250 %

7. Juli 2011

1,500 %

 

 

Wovon hängen die Zinsen für Anschlussdarlehen noch ab?

 

Wenn Sie Ihre Anschlussfinanzierung beispielsweise drei Jahre vor Ablauf der Zinsbindung planen, ist es wichtig zu wissen, wie das derzeitige Zinsniveau ist. Grundsätzlich hängt der Zinssatz für das Anschlussdarlehen auch immer von weiteren Faktoren ab wie zum Beispiel:

 

  • Bonität des Darlehensnehmers
  • Schufa-Score
  • Beleihungsauslauf (Verhältnis zwischen Darlehenssumme und Beleihungswert)
  • Höhe des Anschlussdarlehens
  • Regionale Besonderheiten
  • Geschäftspolitik des Kreditinstituts
  • Laufzeit der Zinsbindung

 

Aussagekräftige Zinswerte für Anschlussfinanzierungen lassen sich dennoch angeben. Im Einzelfall weichen diese entweder etwas nach oben oder nach unten ab.

Anschlussfinanzierung: Zinsen-Übersicht

Laufzeit der Zinsbindung

Juli 2019

August 2019

Anschlussfinanzierung für 5 Jahre

bis zu 0,79 %

bis zu 0,74 %

Anschlussfinanzierung für 10 Jahre

bis zu 0,98 %

bis zu 0,85 %

Anschlussfinanzierung für 20 Jahre

bis zu 1,56 %

bis zu 1,46 %

 

 

Wie entwickeln sich die Zinsen für Anschlussfinanzierungen?

 

Für die Anschlussfinanzierung ist die Entwicklung des allgemeinen Zinsniveaus sehr wichtig. Steigen oder sinken die Darlehenszinsen? Oder bewegen die Zinsen sich kontinuierlich in einem bestimmten Prozentbereich? Für die Anschlussfinanzierung sind diese Beobachtungen von entscheidender Bedeutung, denn schon wenige Prozentpunkte können im Endeffekt zu teils erheblichen Mehrkosten führen.

 

Zwei Faustformeln lassen sich ableiten:

1.    Sinken die Zinsen, sind kürzere Zinsbindungen zu wählen.

2.    Steigen die Zinsen, sind längere Zinsbindungen sinnvoll.

 

Die meisten Beobachter gehen derzeit davon aus, dass das allgemeine Zinsniveau kurzfristig niedrig bleibt. Mittel- und langfristig jedoch soll das allgemeine Zinsniveau wieder steigen.

Wichtig: Ob Sie Ihre Anschlussfinanzierung jetzt sichern oder zu einem späteren Zeitpunkt, sollte daher erst nach reiflicher Überlegung entschieden werden!

 

 

▷ Prolongation oder Umschuldung?

Sie müssen eine Anschlussfinanzierung planen, da eine Restschuld aus der Erstfinanzierung besteht? Dabei ist es erst einmal egal, für welche der Arten von Anschlussfinanzierungen Sie sich entscheiden.

Ihr Fokus sollte vielmehr darauf liegen, möglichst gute Konditionen für das Anschlussdarlehen zu erzielen – auch wenn es bedeutet, dass Sie die Bank wechseln müssen.

1. Prolongation: Gleiche Bank, neue Konditionen

Die am häufigsten genutzte Variante der Anschlussfinanzierung ist die sogenannte Prolongation: eine Verlängerung des Vertrages bei derselben Bank.
Spätestens drei Monate vor Ende der Zinsbindung ist der Kreditgeber verpflichtet, Ihnen mitzuteilen, zu welchen Konditionen er das Darlehen verlängert und in welchem Umfang er beispielsweise Sondertilgungen ermöglicht.

Oft bieten Banken ihren Kunden eine Baukredit-Anschlussfinanzierung zu denselben Konditionen wie bei der Erstfinanzierung an.

Akzeptieren Sie aber nicht jedes Angebot zur Anschlussfinanzierung kommentarlos. Schließlich können Sie beträchtliche Geldsummen einsparen.


Als grobe Orientierung hilft diese Faustformel:

Bietet Ihnen eine Bank einen um mindestens 0,2 Prozent niedrigeren Zinssatz für die Anschlussfinanzierung an als Ihr bisheriger Finanzgeber, sollten Sie über das andere Angebot der weiteren Finanzierung nachdenken.

2. Umschuldung - keine Scheu vor einer Anschlussfinanzierung mit der neuen Bank

paar-bei-bankberatung

Umschuldung mit neuer Bank

Sie schrecken vor der zeitraubenden Zusammenstellung der benötigten Unterlagen zurück oder fürchten, dass die neue Bank ihre Immobilie schlechter bewertet? In den meisten Fällen bedeutet eine Umschuldung günstigere Konditionen. 

Meist ist eine Gutachterprüfung für die neue Bank aber so aufwendig, dass selten ein neues Gutachten erstellt wird. Somit ist die Anschlussfinanzierung für den Kreditnehmer wiederum mit weniger Aufwand verbunden als gedacht. 

 

Die Kosten, die bei der Grundbuchumschreibung anfallen, liegen im Schnitt bei:

  • 400 bis 500 Euro bei einem Umschuldungsbetrag von 100.000 Euro. 
  • Eine um 0,5 Prozentpunkte günstigere Immobilien-Anschlussfinanzierung (über die gleiche Summe) ermöglicht bei zehn Jahren Laufzeit eine Zinsersparnis von 5000 Euro.

Je höher das Darlehen ist, desto eher lohnt sich der Wechsel.

 

Wer weiß, dass seine Finanzierung erst in ein paar Monaten ausläuft, kann sich mit einem Forward-Darlehen günstigere Zinsen sichern.  Aktuelle Zinsen für die Anschlussfinanzierung können bis zu 60 Monate vor Ablauf der ersten Finanzierung gesichert werden.


Tipp von ImmobilienScout24:

Wussten Sie, dass Sie zehn Jahre nach Auszahlung des Immobiliendarlehens ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht besitzen, ohne dass eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig wird? Falls Sie also ein besseres Angebot mit günstigeren Konditionen gefunden haben, können Sie Ihren bestehenden Darlehensvertrag kündigen und eine Umschuldung durchführen!

 

 

▷ Ist eine Anschlussfinanzierung bei der KfW möglich?

 

Ob und inwiefern Sie eine Anschlussfinanzierung bei der KfW abschließen können, ist abhängig von der Kreditsituation, in der Sie sich befinden. Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Ausgangssituationen unterscheiden:

  1. Sie haben eine übliche Baufinanzierung bei Ihrer Hausbank oder einen anderen Kreditinstitut laufen, dessen Anschlussfinanzierung in den nächsten Monaten ansteht und Sie überlegen, ob Sie diese bei der KfW abschließen können. In diesem Fall wird aber eine Anschlussfinanzierung bei der KfW nicht zu realisieren sein, da Darlehen der KfW nicht für eine Umschuldung vorgesehen sind.

  2. Sie verfügen derzeit über ein KfW-Darlehen und dessen Zinsbindung läuft in absehbarer Zeit aus. Die Vertragslaufzeit geht jedoch über die auslaufende Zinsbindung hinaus. Hier sind Sie dann sogar verpflichtet, die neuen Zinskonditionen, die Ihnen die KfW anbietet, zu übernehmen. Im Normalfall haben Sie dann die Wahl zwischen einer fünf- oder zehnjährigen Zinsbindung. Dieses Vorgehen ähnelt einer Prolongation, wobei es sich im engeren Sinne gar nicht um eine Anschlussfinanzierung handelt, da kein neuer Darlehensvertrag geschlossen wird.

  3. Wenn Zinsbindung und Vertragslaufzeit des KfW-Darlehens enden, ist keine Anschlussfinanzierung bei der KfW möglich. Diese müssten Sie dann bei einem Kreditinstitut Ihrer Wahl abschließen, womöglich auch zu schlechteren Zinskonditionen. Daher lohnt es sich in diesem Zuge schon frühzeitig Angebote einzuholen und zu vergleichen, um eine möglichst zinsgünstige Anschlussfinanzierung zu finden und abzuschließen.

 

 

▷ Ab wann lohnt sich ein Forward-Darlehen ?

 

Wenn Sie für die Anschlussfinanzierung Ihrer Immobilie auf ein Forward-Darlehen setzen, ist die Zinsentwicklung von besonderer Bedeutung. Ist absehbar, dass das allgemeine Zinsniveau sinkt, sollten Sie eventuell noch ein wenig Geduld haben – sofern dies in Anbetracht der auslaufenden Zinsbindungsfrist möglich ist. Zeigt die Tendenz jedoch, dass die Zinsen für die Anschlussfinanzierung steigen werden, ergibt ein Forward-Darlehen zum jetzigen Zeitpunkt durchaus Sinn.


Sie sollten beachten, dass Sie bei einem Forward-Darlehen die vereinbarten Zinsen auch tatsächlich übernehmen müssen. Falls nach der Auszahlung des Forward-Darlehens doch noch günstigere Zinsen für eine Anschlussfinanzierung zu haben sind, müssen Sie dennoch den vertraglich vereinbarten Zinssatz des Forward-Darlehens übernehmen.

Damit Ihnen genau das nicht passiert, sollten Sie die Zinsentwicklung auf dem Zinsmarkt stets im Auge behalten, um das Risiko zu minimieren.

Zu beachten: Wenn Sie ein Forward-Darlehen mit einem bestimmten Zinssatz abgeschlossen haben und die bereitstellungszinsfreie Zeit beispielsweise sechs Monate beträgt, die Auszahlung des Forward-Darlehen aber erst in zwölf Monaten erfolgt, erhebt die Bank für die restlichen sechs Monate einen Zinsaufschlag pro Monat auf den vereinbarten Zinssatz. Dieser Aufschlag liegt meist bei 0,01 bis 0,03 Prozent. Dies sollten Sie bei einem Anschlussfinanzierungs-Vergleich immer berücksichtigen!

Ab wann ist ein Forward Darlehen möglich?

Übliche Vorlaufzeiten bei Forward-Darlehen sind drei Jahre bis hin zu einem halben Jahr vor Ablauf der Zinsbindungsfrist.

Bevor Sie jedoch ein solches Darlehen in Anspruch nehmen können, müssen Sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Wenn die Zinsbindung der aktuellen Baufinanzierung beispielsweise noch über sieben Jahre beträgt, ist ein Forward-Darlehen in der Regel nicht möglich.

Die Zeit zwischen Vertragsabschluss eines Forward-Darlehens und Ablauf der Zinsbindungsfrist der aktuellen Finanzierung wird auch Forward-Phase genannt.

In Einzelfällen kann diese Vorlaufzeit für ein Forward-Darlehen fünf Jahre betragen. Dies ist aber nicht der Regelfall.

 

 

▷ Anschlussfinanzierung: Warum ein Vergleich unumgänglich ist!

 

Warum Sie sich die Zeit für einen Anschlussfinanzierungsvergleich nehmen sollten, zeigt die folgende Beispielrechnung mit einem Anschlussfinanzierungs-Vergleichsrechner sehr deutlich:

 

Sollzins 2,40 %

Sollzins 2,60 %

Darlehensbetrag

200.000 €

200.000 €

Zinsbindung

10 Jahre

10 Jahre

Anfänglicher Tilgungssatz

2,00 %

2,00 %

Restschuld nach Zinsbindung

154.842,58 €

154.374,56 €

Getilgter Betrag

45.157,42 €

45.625,44 €

Zinszahlungen gesamt

42.842,58 €

46.374,56 €

Wer für seine Anschlussfinanzierung Zinsen vergleicht, spart bares Geld: Der Unterschied des Sollzinssatzes von 0,2 Prozent ergibt in diesem Beispiel eine Zinsersparnis von 3.531,98 Euro!

Wie finde ich die günstigste Anschlussfinanzierung?

 

Damit sich Kreditnehmer günstige Bauzinsen für die Anschlussfinanzierung sichern können, sollten sie sich möglichst frühzeitig mit der Suche nach Alternativen befassen. Rund sechs bis zwölf Monate vor dem Ablauf des aktuellen Kredits gilt es, sich einen Überblick über die aktuellen Zinsen für die Anschlussfinanzierung zu verschaffen. Maßgeblich für die Anschlussfinanzierungs-Zinsen ist dabei die Entwicklung der allgemeinen Marktzinsen:

 

  • Zinsentwicklung positiv = Anschlussfinanzierung wird teurer als bisheriges Darlehen
  • Zinsentwicklung negativ = Anschlussfinanzierung wird günstiger als bisheriges Darlehen

 

Wichtig: Ist abzusehen, dass das allgemeine Zinsniveau in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird, sollten sich Kreditnehmer schon die heutigen Zinsen sichern – die Anschlussfinanzierung wird sonst noch teurer. Wenn allerdings von einem weiteren Absinken ausgegangen wird, kann auch erst rund zwei bis drei Monate vor dem Ende des Kreditvertrags der Zinssatz der Anschlussfinanzierung verhandelt werden.


Tipp von ImmobilienScout24:

Die Anschlussfinanzierung nach Widerruf lohnt sich nur dann, wenn das allgemeine Marktniveau seit dem Zeitpunkt des Darlehensabschlusses gesunken ist.

 

 

▷ Sondertilgungen clever nutzen

 

Ungeachtet dessen, für welche Art der Anschlussfinanzierung Sie sich entscheiden, ist es ratsam zu berechnen, ob eine Anschlussfinanzierung mit Sondertilgungen zu geringeren Zinskosten nach Ablauf der Zinsbindungsfrist führt.

Nehmen Sie sich unbedingt die Zeit, um für Ihre Anschlussfinanzierung einen Tilgungsplan zu erstellen. Probieren Sie verschiedene Varianten aus und suchen Sie eine Variante, die Sie sicher bewältigen können.


Tipp: Mit Sondertilgung günstiger fahren

Manchmal kann eine Anschlussfinanzierung mit der Möglichkeit von jährlichen Sondertilgungen letztendlich günstiger sein, als ein anderes Angebot mit einem niedrigeren Zinssatz:

 

 

Angebot (mit Sondertilgungen)

Angebot (ohne Sondertilgungen)

Darlehenssumme

100.000,00 €

100.000,00 €

Jährliche Sondertilgungen

1.000,00 €

keine

Sollzinssatz p.a.

1,70 %

1,60 %

Zinsbindung

10 Jahre

10 Jahre

Anfänglicher Tilgungssatz

2,50 %

2,50 %

Restschuld

61.870,78 €

72.908,47 €

Getilgter Betrag

38.129,22 €

27.091,53 €

Zinszahlungen gesamt

13.870,78 €

13.908,47 €

 

 

▷ Ablauf der Zinsbindung- rechtliche Lage

 

In der Praxis werden die Kündigungsfristen der jeweiligen Darlehensverträge häufig in den allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt. Welche konkrete Mindestkündigungsfrist dem Darlehensnehmer eingeräumt werden muss, wurde vom Bundesgerichtshof indes nicht entschieden.

Allerdings sind die Interessen des Kreditnehmers erst dann angemessen berücksichtigt, wenn die zur Verfügung stehende Zeit es diesem auch ermöglicht, auf die geänderten Konditionen zu reagieren und auch ggf. Angebote anderer Kreditgeber zu prüfen (BGH III ZR 281/87).

Dies kann unter Umständen mehrere Monate in Anspruch nehmen.


Tipp:

Es ist ratsam, den Zeitpunkt des Fristablaufs fest in den Kalender einzutragen. Eine neue Bank muss im Gegensatz zum bereits finanzierenden Institut unter anderem die finanziellen Hintergründe und die Bonität des potenziellen Kunden klären und sich ein Bild von der Immobilie machen, um ein verbindliches Angebot abgeben zu können.
Mindestens drei Monate vor Ablauf sollten Sie die finanzierende Bank um ein verbindliches Prolongationsangebot bitten. Damit beugen Sie gegebenenfalls Zeitnot im Hinblick auf die Anschlussfinanzierung vor.
Ohnehin ist Ihre Bank gesetzlich dazu verpflichtet, Ihnen drei Monate vor Ablauf der Zinsbindung ein neues Angebot für die Anschlussfinanzierung vorzulegen.

 

 

▷ Wie funktioniert eine Anschlussfinanzierung bei einer Versicherung?

 

Viele Banken und Versicherer bieten ein Anschlussdarlehen in Kombination mit einer Kapitallebensversicherung an.

Dabei wird meist die Ablaufleistung der Versicherung zur Tilgung eingesetzt und gleichzeitig die Familie des Kreditnehmers im Todesfall abgesichert. Das klingt auf dem Papier interessant, lohnt sich in der Realität aber meistens nicht.

Die Gründe:

 

  • Die kalkulierte Überschussbeteiligung wird nicht garantiert und fällt unter Umständen sehr niedrig aus.
  • Wenn der Bauherr sein Haus verkaufen will oder muss, bekommt er von der Versicherung nur den Rückkaufswert erstattet.
  • Wichtigstes Argument gegen eine Versicherungslösung ist der meist signifikant höhere Effektivzinssatz.

Normalerweise spart der Kreditnehmer Zinsen, wenn er sein Hypothekendarlehen laufend tilgt. Weil diese kontinuierliche Tilgung bei der Versicherungsvariante entfällt, erhöht sich dadurch die Zinsbelastung.

Beispiel: Bei einem Darlehenszins von fünf Prozent und einer Rendite aus der Lebensversicherung von drei Prozent erhöht sich bei einer 20-jährigen Laufzeit der Effektivzins auf hohe 6,13 Prozent.

 

Ausnahmefall: Versicherungen als Baufinanzierer

 

Trotzdem kann es sich lohnen, für das Anschlussdarlehen auch bei einer Versicherung nachzufragen, denn einige Versicherer bieten Darlehen ähnlich einer Bank. Teilweise gibt es sogar Sonderkonditionen oder die Versicherung übernimmt die Kosten für die Grundbuchumschreibung.


Tipp:

Die Risikokomponente, die normalerweise durch eine Kapitallebensversicherung abgedeckt wird, lässt sich viel günstiger über eine Restschuldversicherung erreichen.

 

 

▷ Zehn clevere Tipps für Ihre Anschlussfinanzierung:

 

1. Rechtzeitig vergleichen

 

Fordern Sie von Ihrer Bank spätestens drei Monate vor Ende der Zinsbindung ein Angebot für die Anschlussfinanzierung an. So schaffen Sie sich das nötige Zeitpolster für einen Vergleich mit anderen Finanzierungsangeboten.

2. Wechselgebühren: Lassen Sie sich nicht verunsichern!

 

Wenn Ihr Bankberater Sie vor dem Aufwand und den Kosten eines Wechsels zu einer anderen Bank warnt: Bleiben Sie gelassen – die Gebühren sind gering. Beinhaltet das neue Angebot einen niedrigeren Zinssatz, sollten Sie zumindest über einen Wechsel nachdenken!

3. Nutzen Sie alle verfügbaren Informationsquellen

 

Ein Anschlussdarlehen ist nicht so komplex wie der erste Kredit. Der Beratungsaufwand sinkt, schließlich kennen Sie bereits Ihre Finanzierungssumme, die Höhe der Raten und die Zinsbindungsfrist. Deshalb lohnt sich auch die Suche im Internet: Direktbanken oder Finanzvermittler bieten oft besonders attraktive Konditionen.

4. Forward-Darlehen prüfen

 

Vor allem in einer Niedrigzinsphase lohnt es sich, die Konditionen von heute bereits für ein Anschlussdarlehen in ein bis fünf Jahren festzuschreiben. Wenn Sie glauben, dass die Zinsen steigen, sollten Sie unbedingt die Konditionen eines Forward-Darlehens prüfen.

5. Raten beibehalten und Tilgung erhöhen

 

Wenn Sie die bisherigen Raten problemlos zahlen konnten, sollten Sie die Höhe der monatlichen Rückzahlung auch dann beibehalten, wenn Sie weniger Zinsen zahlen müssen. In diesem Fall erhöht sich die Tilgung: Das spart Kosten bei der Anschlussfinanzierung!

6. Beim Anschlussdarlehen Sondertilgung nutzen

 

Wenn Sie Ihren Finanzierungspartner wechseln, bietet sich Ihnen eine günstige Gelegenheit, eine Sondertilgung zu leisten und nur einen Teil der Restschuld zu finanzieren. Bei gleichbleibender Rate sinken dadurch die Zinsen, und Sie sind schneller schuldenfrei. In diesem Fall müssen Sie auch keine Vorfälligkeitsentschädigung befürchten.

7. Zinsbindung sinnvoll wählen

 

Das Anschlussdarlehen muss nicht das gesamte Restdarlehen abdecken. Sie können problemlos in eine dritte Finanzierungsrunde gehen.

Grundsätzlich gilt:

  1. Sind die Zinsen niedrig, sollten Sie eine lange Zinsbindung wählen, vielleicht sogar bis zur Schuldenfreiheit.
  2. Bei hohen Zinsen bietet sich eine kurze Laufzeit an, wenn Sie etwa auf günstigere Konditionen in wenigen Jahren spekulieren.

8. Keine Angst vor der Neubewertung Ihrer Immobilie

 

Bei einem Beleihungsauslauf von unter 80 Prozent müssen Sie in den seltensten Fällen mit einer grundlegenden Neubewertung Ihrer Immobilie rechnen.

Allerdings kann es sinnvoll sein, wenn Sie eine Neuschätzung selbst initiieren – sofern der Wert der Immobilie gestiegen ist!

9. Günstiger Risikoschutz beim Anschlussdarlehen

 

Für selbstgenutzte Immobilien ist die Kombination aus Darlehen und Kapitallebensversicherung selten sinnvoll. Besser kombinieren Sie ein klassisches Darlehen mit einer günstigen Restschuldversicherung. Manche Versicherungen bieten aber auch günstige Anschlusskredite an.

10. Selbstbewusst nachverhandeln

 

Wenn Sie Vergleichsangebote eingeholt haben und mit der Betreuung durch Ihre alte Bank zufrieden waren, lohnt sich eine zweite Verhandlungsrunde.

Bei langjährigen Kunden, die ihre Raten fristgemäß gezahlt haben, sinkt bei einer Anschlussfinanzierung das Risiko für die Bank - Grund genug, selbstbewusst bessere Konditionen als bei den Vergleichsbanken zu fordern.


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