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Referenzzinssatz



Der Referenzzinssatz ist insbesondere bei variabel verzinslichen Darlehen eine wichtige Kennzahl. Denn wenn sich der Referenzzinssatz verändert, dann verändern sich auch die Kreditkosten von Kreditnehmern. Wir zeigen daher, was der Referenzzinssatz ist und wie er berechnet wird. Außerdem erklären wir, wo und wie er bekannt gegeben wird, was passiert, wenn er sich ändert, und wie er sich auf Ihr Darlehen auswirkt.

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Was bedeutet der Referenzzinssatz?


Grundsätzlich ist der Referenzzinssatz die Bezugsgröße oder Basis bei einem Bankdarlehen mit variablem Zins für die regelmäßigen Zinszahlungen des Kreditnehmers. Die Bank selber bestimmt diesen Zins nicht, sondern übernimmt oft den Dreimonats-EURIBOR als den entsprechenden Referenzzinssatz.



Hinweis von ImmobilienScout24: Was ist der Euribor?

In Deutschland wird der EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) seit 1999 mit der Buchgeld-Einführung des Euro als Referenzzinssatz verwendet. Der EURIBOR ist ein Durchschnittswert aus Geldangebot und Geldnachfrage im Interbankenmarkt des Euro-Währungsraumes. Er spiegelt die aktuellen Marktzinsen wider, so wie sie von den größten europäischen Banken untereinander auch verrechnet werden. Gerade im Immobilienmarkt wird der EURIBOR als Referenzzinssatz für Hypothekendarlehen verwendet. Allerdings ist der Referenzzinssatz nicht der Zins, den die Kreditnehmer letztendlich an die Bank zahlen. Hinzu kommen noch die eigenen Kosten der Bank (Risiko, Eigenkapital, Betriebs- und Sachkosten usw.) sowie ein Gewinnaufschlag (Marge). Erst die Summe daraus sind die tatsächlich zu zahlenden Zinsen.


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Beispiel Kalkulation mit Referenzzinssatz


       
 
3-Monats-EURIBOR (ohne Zinsbegrenzung bei 0,00%)  
- 0,321%
Fester Aufschlag (Bankkosten inkl. Marge)    
+1,840%
Zinssatz variables Darlehen
+1,519%


Hinweis:

Anpassungen des Darlehenszinssatz können je nach Darlehensvertrag jeden Monat, alle drei oder auch sechs Monate nach einer Änderung des EURIBOR erfolgen. Die Termine dafür, zum Beispiel der erste Tag eines Quartals, werden im Vertrag geregelt. Es empfiehlt sich also, gelegentlich den EURIBOR-Referenzzinssatz zu beobachten. Außerdem erheben Banken für variable Darlehen Bearbeitungsgebühren. Diese Kosten verteilen sich auf die Laufzeit des Darlehens.

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Wie wird der Referenzzinssatz berechnet?


Das Europäische Geldmarkt Institut (EMMI = European Money Markets Institute) berechnet täglich mit einem bestimmten Verfahren den EURIBOR-Referenzzinssatz. Dabei wird von einer Auswahlgruppe (Panel) der 20 derzeit größten europäischen Banken der durchschnittliche Zinssatz ermittelt, zu dem sie sich untereinander in Euro Geld leihen.

Von den gemeldeten Werten werden dann die jeweils 15 Prozent höchsten sowie niedrigsten nicht berücksichtigt. Aus den restlichen setzt das EMMI an jedem Arbeitstag gegen 11:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) die EURIBOR-Werte für unterschiedliche Laufzeiten fest.


Die Veröffentlichung der festgesetzten Werte (Fixings) erfolgt auf der Website des EMMI jeweils für die Laufzeiten:  

  • eine Woche
  • zwei Wochen
  • ein Monat
  • zwei Monate
  • sechs Monate
  • neun Monate
  • zwölf Monate

In der ausgewählten Gruppe von Banken zur Festsetzung des EURIBOR sind ausschließlich solche Institute mit erstklassiger Kreditwürdigkeit (Rating) enthalten. Die Banken nehmen freiwillig teil und sind von einem Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung ausgewählt worden.


Tipp von ImmobilienScout24:

Wenn es bei einem variablen Darlehen um die Laufzeiten des EURIBOR geht, sind die kürzeren für den Bankkunden die günstigeren. Wer die Wahl zwischen 3-Monats- und 6-Monats-EURIBOR als Referenzzinssatz hat, sollte sich in jedem Fall für die kürzere Laufzeit entscheiden. Hier sind die Zinsen niedriger.


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Wie beeinflusst die EZB den Referenzzinssatz?


Der EURIBOR wird im Wesentlichen durch den Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) bestimmt. Seit März 2016 verharrt der Leitzins der EZB auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent (Stand Juli 2018). Allerdings müssen Geschäftsbanken, wenn Sie bei der Zentralbank Geld parken, sogar Strafzinsen von 0,4 Prozent zahlen. In außergewöhnlichen Marktphasen, wie zum Beispiel während der Finanzmarktkrise im Jahr 2008, kann es aber vorkommen, dass der Referenzzinssatz stark vom EZB-Leitzins abweicht.

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Was tun, wenn der Referenzzinssatz steigt?


Sehr oft sind variable Immobiliendarlehen mit dem EURIBOR gekoppelt. Da die Leitzinsen der EZB auf historischem Tiefststand sind und die EURIBOR-Referenzzinssätze sogar negativ notieren, sind für die Zukunft eigentlich nur steigende Zinssätze zu erwarten. Das ist für ein variables Darlehen natürlich eine ungünstige Entwicklung: Der Kredit könnte somit teurer werden. Selbst wenn Banken zahlreiche variable Zinssätze mit Obergrenzen anbieten, sind negative Effekte auf das vorhandene Kapital des Darlehensnehmers möglich.



Tipp von ImmobilienScout24:

Wird ein variables Darlehen an den EURIBOR-Referenzzinssatz gekoppelt, ist es derzeit (Stand 2018) eher für kurzfristige Finanzierungen mit höherer Flexibilität empfehlenswert. Langfristige Projekte sollten dagegen mit Darlehen zu festen Zinsen und langen Laufzeiten (über 15 Jahre) finanziert werden. So sichern sich Kreditnehmer langfristig die aktuell niedrigen Zinsen.



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