Die Inflation holt tief Luft: Der Iran-Krieg und rasant steigende Energiepreise treiben die Teuerungsraten weltweit nach oben und wecken ungemütliche Ängste vor einer Stagflation.
Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen angesichts der unsicheren Lage stabil. Vorerst!
Entgegen der allgemeinen Krisenstimmung zeigt unser Zinsbarometer ein gespaltenes Bild. Während kurze Laufzeiten teurer werden, geben die Zinsen für langfristige Darlehen sogar leicht nach.

...oder bequem unterwegs als Podcast hören:
Eigentlich hatte sich der Immobilienmarkt auf eine Phase der Beruhigung eingestellt, doch dann kam alles anders. Der Krieg im Iran und der dadurch ausgelöste Ölpreissprung setzen der Wirtschaft im Euro-Raum bereits messbar zu.
Plötzlich macht ein ungemütliches Wort die Runde: Stagflation. Das bedeutet, die Wirtschaft wächst nicht (Stagnation), während gleichzeitig die Preise steigen (Inflation) — also gleich zwei „Bad News“ auf einen Schlag. Steigende Energiepreise trieben die Vorleistungskosten auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Weil Investoren nun langfristig hohe Energiepreise fürchten und einen Inflationsschub erwarten, verlangen sie höhere Risikoaufschläge. Die Renditen für Staatsanleihen steigen, und in deren Windschatten klettern auch die Bauzinsen nach oben. Oliver Kohnen, Co Geschäftsführer des Baufinanzierungsvermittlers Baufi24, fasst es treffend zusammen: „Aus einer Phase zunehmender Berechenbarkeit ist binnen weniger Tage wieder ein Krisenszenario geworden.“
Wer in diesen Tagen auf die Europäische Zentralbank (EZB) als Retterin in der Not hofft, muss starke Nerven haben. Die Notenbanker:innen ließen die Leitzinsen im März zwar vorerst unverändert, doch der Ton in Frankfurt ändert sich merklich. EZB-Chefin Christine Lagarde verschärfte ihre Warnungen und sieht angesichts der Lage „Gründe zur Wachsamkeit“. Für Finanzprofis ist dieses Vokabular alles andere als zufällig. Piet Haines Christiansen von der Danske Bank bringt es auf den Punkt: „Wenn die EZB in der Vergangenheit das Wort ‚wachsam‘ verwendete, signalisierte das eine Zinserhöhung in den kommenden Sitzungen“. Die EZB beobachtet nun mit Argusaugen, ob die Unternehmen die gestiegenen Energiekosten an ihre Kundschaft weitergeben.
Um zu verstehen, warum die Währungshütenden in Frankfurt gerade so unruhig auf ihren Stühlen hin und her rutschen, lohnt ein Blick auf die jüngsten Inflationsdaten. Auf den ersten Blick sahen die Zahlen für Februar 2026 nämlich noch trügerisch harmlos aus: In Deutschland lag die offizielle Teuerungsrate bei vergleichsweise moderaten 1,9 Prozent. In der gesamten Eurozone bot sich ein ganz ähnliches Bild, hier lag die Inflation im Februar ebenfalls bei 1,9 Prozent. Doch das war wohl nur die Ruhe vor dem Sturm. Durch den drastischen Ölpreissprung in Folge des Iran-Krieges sowie anhaltend hohe Kosten im Dienstleistungssektor rechnen Fachleute für den März bereits mit einem sprunghaften Anstieg: in Deutschland auf voraussichtlich 2,7 Prozent (so die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes vom 30. März) und in der Eurozone womöglich sogar auf über 3 Prozent.
Noch etwas angespannter ist die Lage jenseits des Atlantiks. In den USA kletterte die Inflationsrate im Februar 2026 auf 2,4 Prozent. Die Ursachen dafür sind vielschichtig: Neben dem globalen Energieschock treiben dort ein extrem robuster Arbeitsmarkt mit starken Lohnsteigerungen und die hartnäckigen Nachwehen protektionistischer Handelspolitiken (Stichwort: Zölle) die Preise spürbar nach oben. Das Schreckgespenst der Inflation ist keineswegs besiegt, sondern holt gerade nur tief Luft.
Das ImmoScout24-Zinschart zeigt dir interaktiv den aktuellen Stand der Sollzinsen an. Damit siehst du auf einen Blick, zu welchem Zinssatz du aktuell durchschnittlich finanzieren könntest, aufgeteilt nach Zinsbindungsfristen. Außerdem zeigen wir dir die Zinsentwicklung des letzten Jahres im Überblick. Einfach mit der Maus über die Graphen fahren oder mit dem Finger antippen, schon siehst du den jeweiligen Zinssatz!
Die geopolitische Gemengelage drückt auch massiv auf die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März spürbar, was vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen war. Lars von Lackum, der Chef des zweitgrößten deutschen Wohnungskonzerns LEG Immobilien, bezeichnet die aktuelle Lage rund um den Iran-Krieg als „ein Schlag in die Magengrube“. Als wäre das nicht schon genug Gegenwind für alle Kaufinteressierten, verschärfen die Banken derzeit auch noch die Kreditvergabe. Dirk Wohltorf, Immobilienmakler und Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), berichtet von extrem vorsichtigen Geldhäusern: „Die Banken suchen aktuell oft nicht nach Lösungen, sondern nach Problemen“. Laut Wohltorf sei der bürokratische Aufwand für einen einfachen Kreditantrag noch nie so hoch gewesen wie heute. Wer also Geld von der Bank will, muss seine Hausaufgaben jetzt besonders gründlich machen.
Du möchtest deine Immobilie bewerten lassen?
Erstelle in nur drei Minuten eine Immobilienbewertung, die auf echten Daten basiert. Das Ergebnis erhältst du kostenlos als PDF.
Doch selbst wenn die Zinsen steigen und die Banken Druck machen: Das eigentliche Nadelöhr auf dem Weg zur eigenen Immobilie ist ein anderes. Die größte Herausforderung bei der Finanzierung sei fehlendes Eigenkapital, erklärt Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse. Das Problem: Hohe Mieten und die allgemeine Teuerung fressen das Geld auf, das junge Menschen eigentlich zum Sparen bräuchten. Die eiserne Regel der Finanzfachleute bleibt unverändert: „Wir raten zu 20 Prozent Eigenkapital, zuzüglich Nebenkosten beim Kauf einer Immobilie“, betont Robin Knies von der Stiftung Warentest. Von waghalsigen 100 Prozent Finanzierungen ohne jegliches Polster raten Fachleute unisono ab. Wer also in Berlin, München oder Buxtehude kaufen will, muss erst einmal ordentlich sparen, um bei der Bank überhaupt ernst genommen zu werden.
Die große Frage für alle Bauleute und Kaufsuchende lautet: Müssen sie jetzt in Panik verfallen und das erstbeste Haus kaufen, bevor die Zinsen weiter steigen? Die Antwort der Branche ist ein unklares „Jein“. Einerseits gilt: Wer sich die noch günstigen Konditionen sichern will, muss schnell handeln. Da die Zinsangebote der Banken jedoch stark auseinanderklaffen, ist ein zügiger und gründlicher Vergleich bares Geld wert. Andererseits warnen Finanzfachleute: Nie unter Zeitdruck vergleichen und entscheiden! Hüte dich vor Panikkäufen! Sei dir sicher, dass du die Monatsrate tragen kannst und die Immobilie wirklich zu deinem Leben passt. Wenn das Budget durch die neuen Zinsen knapp wird, rät Wüstenrot-Chef Hertweck zu gesundem Pragmatismus: „Meine Empfehlung ist, im Grenzfall die Immobilie, wenn möglich, etwas bescheidener zu wählen.“ Warum? „Denn ein ruhiger Schlaf ist insbesondere in unserer heutigen Zeit ein hohes Gut.“
Um diesen Kommentar nicht nur mit Krisen und strengen Banken zu beenden, lohnt sich ein kurzer Blick aufs große Ganze. Ja, mit dem Iran-Krieg wachsen die Sorgen vor einer neuen Inflationswelle, die man besonders schmerzhaft an der Zapfsäule spürt. Langfristig betrachtet sieht die Welt jedoch nicht ganz so düster aus. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Trotz der Teuerungswellen der vergangenen Jahre leben die Menschen in Deutschland heute deutlich komfortabler als zu Beginn der 1990er-Jahre. Musste man 1991 für ein einfaches TV-Gerät noch über 78 Stunden arbeiten, bekommt man heute für 19 Stunden und 30 Minuten einen Smart-TV – das sind fast zwei Arbeitswochen weniger als vor 35 Jahren. Immerhin ein kleiner Trost, wenn man gegen das „Alles wird teurer“-Lamento ankämpfen möchte. Auch der Blick auf das Zinsbarometer zeigt: Noch ist keine Panik angesagt.
Wie viel Haus kann ich mir leisten?
Vor dem Immobilienkauf stehen alle Kaufinteressenten vor der Frage: "Wie teuer darf meine Immobilie sein?" Ermittle jetzt kostenlos deinen finanziellen Spielraum.
Das aktuelle Zinsbarometer bringt angesichts der unruhigen Weltlage eine kleine Überraschung für Immobilienkäuferinnen und -käufer: Die Zinskurve verhält sich ziemlich eigensinnig. Während wir im Vormonat noch fast flächendeckende Zinsgeschenke beobachten konnten, zeigt der Trend nun ein gemischtes Bild – der geopolitische Schock wirkt sich vor allem auf die kurzen Laufzeiten aus.
Für Darlehen mit fünf Jahren Zinsbindung musst du plötzlich wieder spürbar tiefer in die Tasche greifen. Der Zinssatz klettert deutlich auf 3,75 Prozent (Vormonat: 3,60 Prozent) und tanzt damit aus der Reihe. Der Klassiker, die zehnjährige Zinsbindung, sinkt auf 3,73 Prozent (Vormonat: 3,80 Prozent). Wer sich mittelfristig bindet, fährt aktuell also günstiger als bei der kurzen Variante – die Banken preisen hier offenbar langfristig bereits eine konjunkturelle Abkühlung ein.
Ein ähnliches, entspanntes Bild zeigt die Entwicklung bei der 15-jährigen Laufzeit: Hier geht es weiter abwärts auf 3,90 Prozent (Vormonat: 3,96 Prozent). Wer viel Sicherheit sucht, bleibt hier also weiterhin komfortabel unter der Vier-Prozent-Marke. Auch bei den 20-Jahres-Krediten stagniert das Niveau nahezu und gibt minimal nach auf 4,03 Prozent (Vormonat: 4,04 Prozent). Fazit: Wer jetzt kauft und sich langfristige Planungssicherheit wünscht, profitiert trotz der aktuellen Krisenstimmung von erstaunlich robusten und sogar leicht sinkenden Konditionen.
* Hinweis: Bei den Zinsen handelt es sich um Durchschnittswerte der bei ImmoScout24 gelisteten Baufinanzierer zum angegebenen Stichtag. Für die Kalkulation wurden folgende Modelldaten verwendet: Angestellte:r, Darlehenssumme: 200.000 Euro, Beleihungsauslauf: 80 Prozent, Tilgungsrate: 3 Prozent.
Die hier enthaltenen Informationen sind unverbindliche Auskünfte (Irrtum vorbehalten).
Alles, was du zum Thema Zinsen wissen musst: Wir unterstützen dich mit informativen Beiträgen, cleveren Rechnern und Podcasts zum aktuellen Zinsgeschehen. Das wird dir helfen, gute Entscheidungen zu treffen.
Geldpolitik: Darunter versteht man alle Maßnahmen eines Staates, die Geldversorgung und Kreditangebote der Banken zu regulieren, um wirtschaftspolitische Zwecke zu erfüllen. Dahinter steht das Ziel, den Wert des Geldes einer Volkswirtschaft stabil zu halten.
Kerninflation: Ein volkswirtschaftliches Konzept, das bestimmte Güter aus der Berechnung der Inflationsrate ausklammert. Dabei handelt es sich meist um die Preisschwankungen für Lebensmittel und Produkte aus dem Energiesektor, die saisonal schwanken, aber deren Preisänderungen nicht auf die Volkswirtschaft selbst zurückzuführen sind.
Leitzinsen: Diese von der Zentralbank eines Landes festgelegten Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei der Noten- bzw. Zentralbank Geld leihen können. Sie sind ein wichtiges Steuerungsmittel der Geldpolitik.
Rezession: Eine Phase im Konjunkturzyklus (daneben gibt es noch Aufschwung, Boom und Depression). Man spricht üblicherweise von einer Rezession, wenn sich die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen abschwächt oder zumindest gleichbleibt.
Ratingagenturen: Dies sind Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit anderer Unternehmen und Staaten bewerten. Ist die Wahrscheinlichkeit von Kreditrückzahlungen hoch, erhalten die betreffenden Unternehmen/Staaten ein gutes Rating. Das höchste wird als „Triple A“, also AAA bezeichnet. Zu den bekanntesten Ratingagenturen gehören „Standard & Poor's“, „Moody's“ und „Fitch“.
Seitwärtsbewegung: Von Seitwärtsbewegungen spricht man, wenn sich der Kurs oder die Zinsen weder nach oben noch nach unten bewegen, sondern sich gleichmäßig entwickeln.
Volatilität: Wenn etwas als volatil bezeichnet wird, bedeutet dies, dass es einer hohen Unsicherheit, Instabilität oder Schwankung unterliegt. In Bezug auf Finanzmärkte kann Volatilität auf schnelle und große Preisschwankungen von Aktien, Währungen, Rohstoffen oder auch Zinsen hinweisen.
Die ImmoScout24 Redaktion verfasst jeden Beitrag nach strengen Qualitätsrichtlinien und bezieht sich dabei auf seriöse Quellen und Gesetzestexte. Unsere Redakteur:innen haben ein hohes Niveau an Immobilienwissen und informieren dich als Expert:innen mit informativen und vertrauenswürdigen Inhalten. Wir verbessern und optimieren unsere Inhalte kontinuierlich und versuchen, sie so leserfreundlich und verständnisvoll wie möglich für dich aufzubereiten. Unser Anliegen ist es dabei, dir eine erste Orientierung zu bieten. Für persönliche Anfragen deiner rechtlichen oder finanziellen Anliegen empfehlen wir dir, eine:n Rechts-, Steuer-, oder Finanzberater:in hinzuzuziehen.