EZB-Update: Die Zinspause der Europäischen Zentralbank im Dezember war erwartet, doch der Ausblick auf den 5. Februar bleibt spannend.
Die Kauflaune der Deutschen war zum Jahresende im Keller, die Sparneigung erreichte den höchsten Stand seit 2008.
Die Rückkehr der EH-55-Förderung mit Zinsen unter drei Prozent könnte einen entscheidenden Impuls für Bauleute liefern.

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2025 landete bei vielen Familien, na klar, der Klassiker auf dem Tisch: Kartoffelsalat und Würstchen. Jedes Jahr gewährt uns dieses Phänomen einen etwas „anderen“ Blick auf eines unserer wiederkehrenden Themen: die Inflation.
Und hier gibt es tatsächlich eine gute Nachricht zum Jahresstart: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) war der Klassiker 2025 günstiger als im Vorjahr. Während wir uns bei vielen Alltagsprodukten über Preissteigerungen ärgern mussten, sank der Preis für den traditionellen Kartoffelsalat für vier Personen auf durchschnittlich 7,10 Euro – das sind gerade mal 1,77 Euro pro Kopf.
Dies steht in einem interessanten Kontrast zur allgemeinen Preisentwicklung. Denn während der Kartoffelsalat günstiger wurde, verharrte die offizielle Inflationsrate in Deutschland im November 2025 (veröffentlicht Mitte Dezember) bei 2,3 Prozent. Besonders Dienstleistungen wirken weiterhin preistreibend, während Energie und Nahrungsmittel insgesamt dämpfend auf die Teuerungsrate wirkten. Der „Kartoffelsalat-Index“ zeigt uns also: Der Blick auf den eigenen Teller kann sich positiv vom großen statistischen Durchschnitt abheben.
Nicht ganz so günstig wie der Kartoffelsalat präsentieren sich die Rahmenbedingungen für Kredite. Das liegt maßgeblich an der Europäischen Zentralbank (EZB). Auf ihrer letzten Sitzung des Jahres am 18. Dezember 2025 haben die Notenbanker:innen entschieden, die Füße stillzuhalten. Der Einlagensatz, der maßgeblich für die Zinslandschaft ist, bleibt unverändert bei 2,0 Prozent. Warum diese Zurückhaltung? Die EZB blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Zwar hat sie ihre Wachstumsprognose für 2026 leicht auf 1,2 Prozent angehoben, doch die Inflation bleibt hartnäckig. Für 2026 rechnen die Währungshütenden nun mit einer Teuerungsrate von 1,9 Prozent. Das klingt moderat, liegt aber so nah am 2-Prozent-Ziel, dass Christine Lagarde und ihr Team kein Risiko eingehen wollen.
Der Blick richtet sich nun gespannt auf die EZB-Zentrale in Frankfurt: Die nächste geldpolitische Sitzung findet am 5. Februar 2026 statt. Wer hier auf ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk in Form einer Zinssenkung hofft, dürfte enttäuscht werden. Marktbeobachtende gehen davon aus, dass die EZB ihren Kurs der „ruhigen Hand“ fortsetzt. Fachleute wie Michael Heise von HQ Trust erwarten sogar ein Stillhalten bei den Leitzinsen bis weit ins Jahr 2026 hinein. Die Botschaft an Immobilienkaufsuchende ist klar: Das aktuelle Zinsniveau ist kein kurzfristiger Ausrutscher, sondern das Fundament, auf dem man 2026 bauen sollte.
Dass die Zinsen nicht fallen, drückt auch auf die Stimmung im Land. Der Start ins Jahr 2026 ist von tiefer Verunsicherung geprägt. Das Konsumklima im Jahresausblick 2026, gemessen von der GfK und dem Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM), ist spürbar eingebrochen. Der Index fiel um 3,5 Zähler auf -26,9 Punkte – ein Wert, der zuletzt im April 2024 ähnlich schlecht war. Die Gründe sind vielfältig: Die Einkommenserwartungen der Deutschen sind den dritten Monat in Folge gesunken, was direkt mit der Angst vor realen Kaufkraftverlusten zusammenhängt. Doch die alarmierendste Zahl ist die Sparneigung: Sie ist auf 18,7 Punkte geklettert – den höchsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. „Eine wieder stärkere Verunsicherung durch steigende Inflationsängste sowie die kontroversen Diskussionen um die Zukunft der Rentenversicherung haben sicherlich zu diesem 17-Jahres-Hoch des Sparindikators beigetragen“, erklärt Rolf Bürkl, Konsumforscher beim NIM.
Diese Zurückhaltung könnte auch den Immobilienmarkt betreffen. Wer darauf spekuliert, dass die Immobilienpreise aufgrund der gedrückten Stimmung weiter fallen, irrt allerdings. „Bereits seit einigen Monaten befinden sich die Preise in der Tendenz im Aufwärtstrend – und diese Entwicklung dürfte 2026 anhalten“, analysiert Interhyp-Vorständin Mirjam Mohr. Die Zeiten der großen Preisnachlässe sind vorbei. Da auch die Mieten weiter steigen, bleibt der Druck auf den Markt hoch. Die Kombination aus stabilen bis leicht steigendes Zinsen und anziehenden Kaufpreisen verschlechtert die Leistbarkeit zusehends. Die Devise lautet also: Wenn das Objekt passt, nicht zögern! Abwarten könnte 2026 zu einer teuren Strategie werden.
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Einen echten Lichtblick gibt es allerdings für alle, die bauen wollen. Nachdem 2025 wohl als Jahr der Negativrekorde bei den Wohnungsfertigstellungen in die Geschichte eingehen wird, hat die Politik reagiert. Seit Mitte Dezember ist die Förderung für den Effizienzhaus-Standard 55 (EH 55) zurück – und die Konditionen lassen durchaus aufhorchen. Je nach Laufzeit und Zinsbindung liegen die effektiven Sätze der KfW zwischen 1,94 und 2,84 Prozent.
Aygül Özkan vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) bezeichnet das als „echten Hebel für die Branche und einen Gamechanger für Bauherren und Investoren“. Zusammen mit den insgesamt 800 Millionen Euro, die in dieses Programm investiert werden, könnte 2026 das Jahr werden, in dem sich der Neubau langsam aus der Talsohle kämpft.
Eigentlich hofften Immobilienkaufsuchende im vergangenen Jahr auf Entspannung. Doch 2025 machten die Zinsen keine Pause, stattdessen gab es eher Sprünge. Der Blick auf den Jahreschart unseres Zinsbarometers zeigt keine Talfahrt, sondern eine bockige Fieberkurve, die am Ende höher kletterte, als vielen lieb war. Das Jahr begann trügerisch ruhig. Doch schon ab Ende Februar zogen die Zinsen an. Ein Blick auf den Chart zeigt eine markante Spitze im März. Während die Europäische Zentralbank (EZB) noch abwartete, preisten die Märkte bereits neue Unsicherheiten ein. Der erhoffte „Rates-Down“-Effekt (also der Effekt einer Zinssenkung) verpuffte, bevor er richtig begonnen hatte. Im Juni setzte die EZB schließlich ein Zeichen und senkte den Leitzins auf 2,0 Prozent. Doch wer nun auf purzelnde Bauzinsen hoffte, wurde enttäuscht. Die Märkte reagierten mit einem Schulterzucken. Der Chart zeigt für die Sommermonate eine klassische Seitwärtsbewegung: Mal ging es 0,1 Prozentpunkte rauf, mal runter – aber der große Durchbruch nach unten blieb aus. Die Banken gaben die günstigeren Refinanzierungskosten kaum weiter, die Risikoprämien blieben hoch.
Das ImmoScout24-Zinschart zeigt dir interaktiv den aktuellen Stand der Sollzinsen an. Damit siehst du auf einen Blick, zu welchem Zinssatz du aktuell durchschnittlich finanzieren könntest, aufgeteilt nach Zinsbindungsfristen. Außerdem zeigen wir dir die Zinsentwicklung des letzten Jahres im Überblick. Einfach mit der Maus über die Graphen fahren oder mit dem Finger antippen, schon siehst du den jeweiligen Zinssatz!
Die eigentliche Überraschung hob sich das Jahr 2025 für den Schluss auf. Nach einem Hoch Ende August ging es erst einmal wieder nach unten, und im Dezember kletterten die Zinsen erneut. Während die Inflation im Euroraum bei 2,1 Prozent verharrte, stieg sie in Deutschland im November überraschend auf 2,6 Prozent an. Für 15-jährige Zinsbindungen mussten Kreditnehmende im Dezember im Schnitt rund 0,30 Prozentpunkte mehr zahlen als im Sommer und 0,60 Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn
Unterm Strich kann man sagen: 2025 war kein Jahr für Zocker. Wer auf „noch günstigere“ Konditionen wartete, zahlte am Ende drauf. Die Lehre für 2026: Das Niveau von 3,5 bis 4,0 Prozent scheint das neue „Normal“ zu sein. Für 2026 bleibt die Zinsentwicklung spannend.
| Zinsbindung | Ende 2024 | Ende 2025 | Veränderung in Prozentpunkten |
| 5 Jahre | 3,40% | 3,68% | +0,28% |
| 10 Jahre | 3,36% | 3,75% | +0,39% |
| 15 Jahre | 3,56% | 4,12% | +0,56% |
| 20 Jahre | 3,58% | 4,15% | +0,57% |
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War der Zinsrückgang im Dezember nur ein kurzes Weihnachtsgeschenk? Es sieht ganz danach aus. Zum Jahresstart ist die gemütliche Atempause vorbei, und die Konditionen ziehen deutlich an. Wer gehofft hatte, dass die Kurve weiter nach unten zeigt, wird im Januar eines Besseren belehrt: Es geht über alle Laufzeiten hinweg bergauf – bei den langen Zinsbindungen sogar wieder über die psychologisch wichtige Vier-Prozent-Marke.
Für Darlehen mit fünf Jahren Zinsbindung verteuert sich der Einstieg spürbar: Der Zinssatz klettert um 0,14 Prozentpunkte von 3,56 Prozent auf 3,68 Prozent.
Auch beim Klassiker, der zehnjährigen Zinsbindung, ist der Abwärtstrend beendet. Hier stehen aktuell 3,74 Prozent auf dem Zettel (Vormonat: 3,59 Prozent) – ein deutlicher Sprung nach oben.
Besonders heftig trifft es alle, die langfristig Sicherheit suchen: Die 15-jährigen Laufzeiten machen einen kräftigen Satz nach oben und durchbrechen die 4-Prozent-Schallmauer. Sie steigen um 0,30 Prozentpunkte und landen bei 4,12 Prozent (Vormonat: 3,82 Prozent).
Auch die 20-Jahres-Kredite liegen nun wieder deutlich über der Vier-Prozent-Linie und steigen auf 4,15 Prozent (Vormonat: 3,97 Prozent).
Das Barometer bestätigt damit eindrucksvoll die Warnungen der Fachleute: Die Zeit der Schnäppchen scheint vorerst vorbei, und die Volatilität ist mit Wucht zurückgekehrt.
Alles, was du zum Thema Zinsen wissen musst: Wir unterstützen dich mit informativen Beiträgen, cleveren Rechnern und Podcasts zum aktuellen Zinsgeschehen. Das wird dir helfen, gute Entscheidungen zu treffen.
Geldpolitik: Darunter versteht man alle Maßnahmen eines Staates, die Geldversorgung und Kreditangebote der Banken zu regulieren, um wirtschaftspolitische Zwecke zu erfüllen. Dahinter steht das Ziel, den Wert des Geldes einer Volkswirtschaft stabil zu halten.
Kerninflation: Ein volkswirtschaftliches Konzept, das bestimmte Güter aus der Berechnung der Inflationsrate ausklammert. Dabei handelt es sich meist um die Preisschwankungen für Lebensmittel und Produkte aus dem Energiesektor, die saisonal schwanken, aber deren Preisänderungen nicht auf die Volkswirtschaft selbst zurückzuführen sind.
Leitzinsen: Diese von der Zentralbank eines Landes festgelegten Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei der Noten- bzw. Zentralbank Geld leihen können. Sie sind ein wichtiges Steuerungsmittel der Geldpolitik.
Rezession: Eine Phase im Konjunkturzyklus (daneben gibt es noch Aufschwung, Boom und Depression). Man spricht üblicherweise von einer Rezession, wenn sich die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen abschwächt oder zumindest gleichbleibt.
Ratingagenturen: Dies sind Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit anderer Unternehmen und Staaten bewerten. Ist die Wahrscheinlichkeit von Kreditrückzahlungen hoch, erhalten die betreffenden Unternehmen/Staaten ein gutes Rating. Das höchste wird als „Triple A“, also AAA bezeichnet. Zu den bekanntesten Ratingagenturen gehören „Standard & Poor's“, „Moody's“ und „Fitch“.
Seitwärtsbewegung: Von Seitwärtsbewegungen spricht man, wenn sich der Kurs oder die Zinsen weder nach oben noch nach unten bewegen, sondern sich gleichmäßig entwickeln.
Volatilität: Wenn etwas als volatil bezeichnet wird, bedeutet dies, dass es einer hohen Unsicherheit, Instabilität oder Schwankung unterliegt. In Bezug auf Finanzmärkte kann Volatilität auf schnelle und große Preisschwankungen von Aktien, Währungen, Rohstoffen oder auch Zinsen hinweisen.
*Hinweis: Bei den Zinsen handelt es sich um Durchschnittswerte der bei ImmoScout24 gelisteten Baufinanzierer zum angegebenen Stichtag. Für die Kalkulation wurden folgende Modelldaten verwendet: Angestellte:r, Darlehenssumme: 200.000 Euro, Beleihungsauslauf: 80 Prozent, Tilgungsrate: 3 Prozent.
Die hier enthaltenen Informationen sind unverbindliche Auskünfte (Irrtum vorbehalten).
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