importantpoints
Das Wichtigste in Kürze
  • EZB drückt die Pause-Taste: Die Leitzinsen bleiben bei 2,0 Prozent, während die Inflation dank eines starken Euro weiter sinkt.

  • Bei den Bauzinsen in unserem Zinsbarometer ging es im Februar einen guten Ruck nach unten.

  • Paradoxe Lage am Bau: Während die Baugenehmigungen erstmals wieder steigen, warnt die Branche vor einem Einbruch bei den tatsächlichen Fertigstellungen im Jahr 2026.



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Die Währungshütenden der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich in ihrer Zinssitzung am 5. Februar entschieden, die Füße erneut stillzuhalten. Der wichtigste Leitzins verharrt bei glatten 2,0 Prozent. Die Botschaft aus Frankfurt ist klar: Wir atmen weiter durch. Die Entscheidungstragenden lassen sich nicht in die Karten schauen und betonen weiterhin, dass es keinen festgeschriebenen „Zinspfad“ nach unten gebe.

Der Euro schlägt die Inflation

Dabei sieht es an der Preisfront eigentlich ganz gut aus für alle, die genervt von teuren Supermarkteinkäufen sind. Die Inflation in der Euro‑Zone ist im Januar 2026 auf 1,7 Prozent gesunken – der niedrigste Stand seit Herbst 2024. EZB-Chefin Christine Lagarde machte gleich einen Hauptverantwortlichen für diese Entspannung aus: den Euro. Unsere Währung hat deutlich an Stärke gewonnen und notiert im Jahresvergleich rund 15 Prozent höher. Das macht Importe billiger und dämpft die Preise.

Doch was Verbrauchende an der Zapfsäule oder im Urlaub freut, bereitet der exportorientierten deutschen Wirtschaft Kopfzerbrechen. Ein starker Euro macht unsere Autos und Maschinen im Ausland teurer. Lena Dräger, Ökonomin am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), bestätigt diesen Effekt: Der starke Wechselkurs drücke die Inflation zwar unter das Ziel der EZB, bremse aber gleichzeitig die Exporteure. Es ist also ein zweischneidiges Schwert, das die EZB hier steuern muss.


Bockiges Kind

Was den Kampf gegen Trumps Zölle anging, machte eine aktuelle Meldung kurzzeitig Hoffnung: Der US-Supreme Court hat die von Präsident Donald Trump verhängten Pauschalzölle als verfassungswidrig gekippt. Doch das Aufatmen der hiesigen Exportwirtschaft währte nur kurz. Bereits einen Tag später reagierte Trump wie ein trotziges Kind auf das Urteil und kündigte an, stattdessen neue, sogar höhere Zölle von 15 Prozent auf Basis anderer Befugnisse durchzusetzen. Für die durch den starken Euro ohnehin belasteten europäischen Exporteure bleibt die Sorge vor einem Preisschock im US-Handel damit akut bestehen.




Heute kann sich dein Traum vom Eigenheim erfüllen.





Machtkampf in den USA und Lagardes Erbe

Zwar präsentiert sich die US-Wirtschaft laut aktuellen Daten robust, doch politisch fliegen die Fetzen: US-Präsident Donald Trump liefert sich einen andauernden Machtkampf mit Fed-Chef Jerome Powell. Trump pocht auf mehr Einfluss und auf niedrigere Zinsen. Wie mehrere Medien wiederholt berichten, plant er bereits einen Wechsel an der Fed-Spitze und hat den ehemaligen Fed-Gouverneur und Finanzexperten Kevin Warsh am 30. Januar 2026 offiziell als neuen Fed-Chef nominiert. Ein solcher Umbruch im Cockpit der mächtigsten Notenbank der Welt würde erhebliche Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten hervorrufen, betonen Beobachtende.

Auch in Frankfurt werden allmählich die Weichen für die Zukunft gestellt. Ein sofortiger Wechsel steht zwar nicht an, aber die Diskussion über das Erbe von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und eine mögliche Nachfolge hat bereits begonnen. Wer in ihre Fußstapfen treten wird und ob damit ein Strategiewechsel einhergeht, ist noch offen. Die Kandidaten stehen aber schon Schlange…



Das ImmoScout24-Zinschart zeigt dir interaktiv den aktuellen Stand der Sollzinsen an. Damit siehst du auf einen Blick, zu welchem Zinssatz du aktuell durchschnittlich finanzieren könntest, aufgeteilt nach Zinsbindungsfristen. Außerdem zeigen wir dir die Zinsentwicklung des letzten Jahres im Überblick. Einfach mit der Maus über die Graphen fahren oder mit dem Finger antippen, schon siehst du den jeweiligen Zinssatz!


Bauzinsen: Keine Panik, aber auch keine Schnäppchen

Was bedeutet das nun für alle, die über kurz oder lang eine Baufinanzierung benötigen? Zunächst: Keine Panik. Fachleute beobachten eine klassische Seitwärtsbewegung. Der Trend bei den Bauzinsen zeigt laut aktuellen Analysen leicht nach oben. Kurzfristig ging es aber sogar nach unten, wie unser Zinsbarometer zeigt. Die Banken sind trotzdem eher knauserig. Max Herbst von der FMH-Finanzberatung erklärt, die Institute hätten kaum noch Spielraum für Zinssenkungen. Die Margen sind eng, und die Risikovorsorge der Banken bleibt hoch.

Auch das aktuelle Interhyp-Bauzins-Trendbarometer stützt diese nüchterne Sicht. Für die kommenden Wochen prognostizieren die befragten Kreditinstitute einstimmig eine Seitwärtsbewegung bei durchschnittlich 3,7 Prozent für zehnjährige Darlehen. Mittel- bis langfristig sei das Bild laut Analyse jedoch volatil: Rund zwei Drittel der Fachleute rechneten auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten mit einer Rückkehr zur Vier-Prozent-Marke oder sogar darüber. Als Treiber sehen die Analysten staatliche Konjunkturprogramme in den USA, Deutschland und Japan, die zu steigenden Staatsschulden und damit zu höheren Renditen führen dürften. Es lohne sich daher für Kaufinteressierte das derzeitige Zinsniveau zu sichern: Wer jetzt handele, könne im Vergleich zu einem späteren Zinssatz von vier Prozent über die gesamte Laufzeit schnell mehrere Tausend Euro sparen.



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Expeditionen in den Förderdschungel

Um den berüchtigten deutschen Förder-Dschungel zu lichten, plant die staatliche Förderbank KfW einen radikalen Schritt zur besseren Übersicht: Das Angebot für Wohngebäude solle fairer und effektiver werden, erklärte KfW-Chef Stefan Wintels. Dazu will die Bank ihre bisher mehr als zehn Förderprogramme auf nur noch zwei zusammenführen – eines für den Neubau und eines für die Sanierung im Bestand. An den eigentlichen Rahmenbedingungen und Konditionen ändert sich dadurch jedoch nichts, was am Markt durchaus für Unmut sorgt.

Denn genau bei den Konditionen liegt oft der Haken: Fachleute kritisieren, dass die Förderungen für viele potenziell Interessierte schlicht unattraktiv seien. Familien, die bauen wollen, müssen nicht nur strenge energetische Vorgaben erfüllen, sondern dürfen auch ein bestimmtes Einkommenslimit nicht überschreiten. Wer bereits eine Immobilie besitzt, fällt oft komplett durchs Raster. Das Bundesbauministerium hält dagegen: Man wolle mit diesen strengen Grenzen gezielt Familien mit geringerem Einkommen den Traum vom Eigenheim ermöglichen.

Trotz der Kritik an den Hürden zieht die KfW für das abgelaufene Jahr eine positive Bilanz. Zwar sei das gesamte Fördergeschäft im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 113 auf 98 Milliarden Euro gesunken, doch allein im Wohnbereich seien rund 750.000 Wohneinheiten unterstützt worden. Als besonders erfolgreich habe sich laut Wintels die Heizungsförderung erwiesen: Wer alte Öl‑ oder Gasheizungen austausche, könne sich im Idealfall bis zu 70 Prozent der Kosten erstatten lassen.

Bessere Stimmung, weniger fertige Häuser

Und noch eine gute Nachricht: Der Negativtrend bei den Baugenehmigungen scheint endlich gebrochen. Für das Gesamtjahr 2025 meldet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) insgesamt 238.500 genehmigte Wohnungen – ein sattes Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem schwachen Vorjahr. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern verzeichnet der Verband sogar einen Anstieg von knapp 13 Prozent. Das ist ein erstes zartes Pflänzchen der Hoffnung und zeigt laut ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa, dass Projektentwickler und private Bauleute wieder Vertrauen fassen. Friedrich Heinemann vom ZEW in Mannheim bestätigt, dass sich die Konjunkturerwartungen deutlich verbessert hätten.

Doch Vorsicht vor zu viel Euphorie: Genehmigte Häuser sind noch lange keine gebauten Häuser. Auch Pakleppa warnt davor, sich vom Plus blenden zu lassen: Es fehlen weiterhin jährlich mindestens 100.000 Wohnungen, was den Druck auf die städtischen Wohnungsmärkte enorm hoch hält. Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), gießt ebenfalls Wasser in den Wein. Er warnt, dass die Zahl der tatsächlichen Wohnungsfertigstellungen im Jahr 2026 sogar noch weiter sinken könne. Der Grund: Die jetzt genehmigten Projekte brauchen Zeit – laut Pakleppa dauere es oft zwei bis drei Jahre, bis eine genehmigte Wohnung bezugsfertig sei. Und die Bauvorhaben, die vor zwei Jahren wegen hoher Kosten gestoppt wurden, fehlen jetzt in der Statistik.

Dazu kommt, dass die Baupreise zwar nicht mehr explodieren, aber auch nicht signifikant sinken. Die Lücke zwischen „Ich darf bauen“ und „Ich kann es mir leisten zu bauen“ klafft weiterhin weit auseinander. Während das Konsumklima dank sinkender Inflation und steigender Löhne wieder anzieht und die Menschen mehr Lust haben, Geld auszugeben, bleibt die Investition in eine Immobilie ein finanzieller Kraftakt.




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ImmoScout24-Zinsbarometer

Entwicklung der Bauzinsen grafisch dargestellt mit farbigen Balken. Zahlen sind im folgenden Text zum Zinsbarometer enthalten. Entwicklung der Bauzinsen grafisch dargestellt mit farbigen Balken. Zahlen sind im folgenden Text zum Zinsbarometer enthalten.

Das aktuelle Zinsbarometer bringt frischen Wind für Immobilienkaufende: Die hartnäckige Vier-Prozent‑Marke bröckelt spürbar. Das meiste davon passierte jedoch erst am 21. Februar, also gegen Ende des Monats. Während wir im Vormonat noch ein echtes Wechselbad der Gefühle erlebten, zeigt der Trend nun bei fast allen Laufzeiten nach unten – mit einer kleinen Ausnahme.

Für Darlehen mit fünf Jahren Zinsbindung muss man wieder etwas weniger tief in die Tasche greifen. Der Zinssatz fällt deutlich auf 3,60 Prozent (Vormonat: 3,75 Prozent). Der Klassiker, die zehnjährige Zinsbindung, tanzt hingegen minimal aus der Reihe und stagniert nahezu bei 3,80 Prozent (Vormonat: 3,79 Prozent). Die Banken preisen hier offenbar weiterhin eine gewisse Vorsicht bei den mittelfristigen Perspektiven ein.

Ein echtes Ausrufezeichen setzt die Entwicklung bei der 15-jährigen Laufzeit: Hier geht es entgegen dem bisherigen Trend unter die magische Grenze auf 3,96 Prozent (Vormonat: 4,04 Prozent). Wer maximale Sicherheit sucht, kommt also spürbar günstiger weg als noch vor einem Monat und spart sich den extremen Sicherheitsaufschlag. Auch bei den 20-Jahres-Krediten gibt das Niveau deutlich nach und sinkt auf 4,04 Prozent (Vormonat: 4,17 Prozent). Fazit: Langfristige Planungssicherheit wird wieder ein gutes Stück bezahlbarer.


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Alles über Aktuelle Bauzinsen

Alles, was du zum Thema Zinsen wissen musst: Wir unterstützen dich mit informativen Beiträgen, cleveren Rechnern und Podcasts zum aktuellen Zinsgeschehen. Das wird dir helfen, gute Entscheidungen zu treffen.

 

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Miniglossar - wichtige Fachbegriffe in diesem Artikel

Geldpolitik: Darunter versteht man alle Maßnahmen eines Staates, die Geldversorgung und Kreditangebote der Banken zu regulieren, um wirtschaftspolitische Zwecke zu erfüllen. Dahinter steht das Ziel, den Wert des Geldes einer Volkswirtschaft stabil zu halten.

Kerninflation: Ein volkswirtschaftliches Konzept, das bestimmte Güter aus der Berechnung der Inflationsrate ausklammert. Dabei handelt es sich meist um die Preisschwankungen für Lebensmittel und Produkte aus dem Energiesektor, die saisonal schwanken, aber deren Preisänderungen nicht auf die Volkswirtschaft selbst zurückzuführen sind. 

Leitzinsen: Diese von der Zentralbank eines Landes festgelegten Zinsen geben an, zu welchen Konditionen sich Kreditinstitute bei der Noten- bzw. Zentralbank Geld leihen können. Sie sind ein wichtiges Steuerungsmittel der Geldpolitik. 

Rezession: Eine Phase im Konjunkturzyklus (daneben gibt es noch Aufschwung, Boom und Depression). Man spricht üblicherweise von einer Rezession, wenn sich die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen abschwächt oder zumindest gleichbleibt. 

Ratingagenturen: Dies sind Unternehmen, welche die Kreditwürdigkeit anderer Unternehmen und Staaten bewerten. Ist die Wahrscheinlichkeit von Kreditrückzahlungen hoch, erhalten die betreffenden Unternehmen/Staaten ein gutes Rating. Das höchste wird als „Triple A“, also AAA bezeichnet. Zu den bekanntesten Ratingagenturen gehören „Standard & Poor's“, „Moody's“ und „Fitch“. 

Seitwärtsbewegung: Von Seitwärtsbewegungen spricht man, wenn sich der Kurs oder die Zinsen weder nach oben noch nach unten bewegen, sondern sich gleichmäßig entwickeln.  

Volatilität: Wenn etwas als volatil bezeichnet wird, bedeutet dies, dass es einer hohen Unsicherheit, Instabilität oder Schwankung unterliegt. In Bezug auf Finanzmärkte kann Volatilität auf schnelle und große Preisschwankungen von Aktien, Währungen, Rohstoffen oder auch Zinsen hinweisen. 

 

*Hinweis: Bei den Zinsen handelt es sich um Durchschnittswerte der bei ImmoScout24 gelisteten Baufinanzierer zum angegebenen Stichtag. Für die Kalkulation wurden folgende Modelldaten verwendet: Angestellte:r, Darlehenssumme: 200.000 Euro, Beleihungsauslauf: 80 Prozent, Tilgungsrate: 3 Prozent.  

Die hier enthaltenen Informationen sind unverbindliche Auskünfte (Irrtum vorbehalten).





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