Gewerbelexikon

Bereitstellungszinsen

Geldgeber verlangen Bereitstellungszinsen, wenn das Darlehen nicht innerhalb einer bestimmten Frist abgerufen wird. Die Zeitspannen, innerhalb derer die Bereitstellungszinsen fällig werden, variieren sehr. Einige Kreditgeber verlangen sie bereits nach einem Monat, andere gedulden sich bis zu neun Monaten.

Da Bereitstellungszinsen nicht in die Effektivzinsberechnung eingehen, können sie besonders für Bauherren, die ihr Darlehen nach Baufortschritt abrufen, teuer werden. Deshalb sollte der Kreditnehmer die Fälligkeit (möglichst spät nach Darlehenszusage) und Höhe dieser zusätzlichen Kosten rechtzeitig verhandeln. Die Höhe der Bereitstellungszinsen kann bis zu 0,25% der Darlehenssumme pro Monat betragen.

Warum erheben Banken Bereitstellungszinsen?

Erteilen Banken eine Kreditzusage, der zugesagte Kreditbetrag wird allerdings erst später oder in Teilbeträgen vom Darlehensnehmer abgerufen, erheben Banken für den noch nicht abgerufenen Kreditbetrag Bereitstellungszinsen. Begründet werden diese Kosten damit, dass Banken den jeweiligen Betrag nicht mehr anderweitig anlegen können, sobald sie eine Kreditzusage erteilt haben. Zugleich erhalten sie keine Sollzinsen vom Kreditnehmer. Und je größer der Zeitraum zwischen Kreditzusage und Auszahlung ist, desto größer ist der Zinsverlust für die Banken, da sie in dieser Zeit keine Einnahmen mit dem bereitgestellten Geld erwirtschaften. Allerdings verlangen Banken in der Regel erst nach drei bis sechs Monaten, der sogenannten „bereitstellungsfreien Zeit“, Bereitstellungszinsen für den noch nicht abgerufenen Darlehensbetrag.

In welchen Fällen sind Bereitstellungszinsen zu zahlen?

Beim Kauf einer Immobilie ist der gesamte Kaufpreis zumeist kurz nach Abschluss des Kreditvertrags zu zahlen. In einigen Fällen benötigen Kreditnehmer den Nettodarlehensbetrag jedoch nicht in einer Summe, sondern peu à peu in Teilbeträgen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Gewerbeimmobilie von einem Bauträger erworben wird und der Kaufbetrag in Abhängigkeit vom Baufortschritt in Teilbeträgen in Rechnung gestellt wird. Aber auch wenn eine Gewerbe- oder gemischt genutzte Immobilie gebaut wird, rufen Bauherren den zugesagten Kreditbetrag häufig in Teilbeträgen ab, und zwar nach Fertigstellung der einzelnen Bauabschnitte sowie zur Endabnahme. In diesen Fällen sollten Bereitstellungszinsen als nicht zu unterschätzender Kostenfaktor in die Kalkulation der Immobilienfinanzierung einbezogen werden. Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass Bauherren und Immobilienkäufer häufig nicht die Verantwortung für die Verzögerungen bei der Kreditauszahlung tragen. Vielmehr sind diese darauf zurückzuführen, dass die zuständigen Ämter mehrere Wochen für die Eintragung des neuen Eigentümers ins Grundbuch benötigen. Dies ist jedoch eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der Notar den Kaufpreis fällig stellen kann. Und bei Neubauten wird der Kredit in Abhängigkeit von den Handwerkerleistungen beansprucht.

Bereitstellungszinsen führen zu doppelter Zinsberechnung

In vielen Fällen kann es so passieren, dass die Banken in der Bauphase doppelte Zinsen kassieren. Auf der einen Seite erheben sie für den noch nicht abgerufenen Kreditbetrag Bereitstellungszinsen. Auf der anderen Seite werden für die bereits ausgezahlten Darlehensbetrag die vereinbarten Bauzinsen berechnet. Mit der Wahl der richtigen Immobilienfinanzierung lassen sich daher während der Bauphase erhebliche Einsparpotenziale realisieren.

Wie wirken sich die Bereitstellungszinsen auf die Höhe der Finanzierungskosten aus?

Für die Bereitstellung des Kreditbetrags verlangen viele Banken monatlich 0,25 Prozent Zinsen. Bei einem ausstehenden Darlehensbetrag von 100.000 Euro werden so monatlich 250 Euro fällig. Betragen die Bereitstellungszinsen hingegen nur 0,15 Prozent, sind monatlich nur 150 Euro zu zahlen. Wird der Kredit beispielsweise erst nach zwölf Monaten abgerufen, ergeben sich so teils gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten. Die Höhe der Bereitstellungszinsen wirkt sich dementsprechend erheblich auf die Gesamtkosten der Immobilienfinanzierung aus. Aber auch im Hinblick auf die bereitstellungsfreie Zeit gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Banken. Während einige Institute bereits nach drei Monaten Bereitstellungszinsen erheben, gewähren andere Banken eine bereitstellungsfreie Zeit von bis zu einem Jahr. Je früher Bereitstellungszinsen fällig werden, desto teurer höher fallen die gesamten Kosten der Immobilienfinanzierung aus. Verzögert sich die Bauphase, können so schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen. Hinzu kommt, dass bei einigen Banken für jede einzelne Teilauszahlung des Darlehens Zuschläge zwischen 50 und 100 Euro fällig werden.