Wo die Menschen am längsten leben

Höchste Lebenserwartung in Freiburg und Starnberg

Die Lebensqualität beeinflusst den Zuzug in bestimmte Regionen. Nun hat ein Institut untersucht, wie sich die Lebenserwartung nach Städten unterscheidet.


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Die Lebenserwartung in Deutschland betrug im Jahr 2014 für neugeborene Mädchen 83 Jahre und für neugeborene Jungen 78,2 Jahre. Wo aber werden die Menschen am ältesten? Eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn zeigt, dass die regionalen Unterschiede groß sind.

Wo die Deutschen besonders lang leben


Aussicht auf ein besonders langes Leben haben Neugeborene statistisch gesehen eher in Süddeutschland. Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald haben neugeborene Mädchen mit 85 Jahren die höchste Lebenserwartung. Allerdings gibt es eine ostdeutsche Stadt, die den zweiten Platz einnimmt: Dresden. In Elbflorenz geborene Mädchen haben mit 84,9 Jahren eine sehr hohe Lebenserwartung. Besonders hoch sind die Werte auch in Tübingen, München und Ludwigsburg (jeweils 84,8). Es folgen der Rems-Murr-Kreis, Reutlingen (jeweils 84,6 Jahre), Stuttgart, Böblingen, Heidelberg und Fürstenfeldbruck (jeweils 84,5 Jahre). Auch im Bodenseekreis, in Münster, im Landkreis München und Esslingen haben neugeborene Mädchen mit einer Lebenserwartung von 84,4 Jahren gute Aussichten, alt zu werden.

Neugeborene Jungen weisen im Landkreis Starnberg (81,7 Jahre) die höchste Lebenserwartung auf. Es folgen die Landkreise München (81,4), Böblingen (81,2) und der Ebersberg (81,0). Deutlich über der durchschnittlichen Lebenserwartung der Deutschen liegen auch der Hochtaunuskreis (80,9), der Enzkreis (80,7), die kreisfreien Städte Heidelberg und München, sowie der Bodenseekreis, Esslingen und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald (jeweils 80,6 Jahre).



Wo die Lebenserwartung am niedrigsten ist


Die niedrigsten Werte für neugeborene Mädchen weisen dagegen die Statistiken für Pirmasens (77,7), Emden (79,1) und Suhl (79,6) auf. Auch in Weiden in der Oberpfalz (79,7), in Straubing (79,8) und Zweibrücken sowie dem Kyffhäuserkreis (jeweils 79,9) liegt ihre Lebenserwartung bei weniger als 80 Jahren und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Auch neugeborene Jungen haben in diesen Regionen eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung. Am niedrigsten ist sie in Pirmasens (73,6), Emden (74,1), Eisenach (74,3) und Hof sowie in Bremerhaven (jeweils 74,4). Auch im Kyffhäuserkreis (74,7), in Straubing (74,8), dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und dem Salzlandkreis (jeweils 74,9) liegt die Lebenserwartung der männlichen Babys bei unter 75 Jahren.



Wo die Lebenserwartung in den vergangenen zwanzig Jahren am stärksten gestiegen ist


Die Unterschiede zwischen Ost und West haben wiederum stark abgenommen. Lag die Lebenserwartung in Ostdeutschland im Jahr 1995 rund zwei Jahre unter der in Westdeutschland, waren es 2014 nur knapp neun Monate. Am deutlichsten hat sich in Eisenach die Lebenserwartung neugeborener Mädchen verbessert (seit etwa 20 Jahren um 5,9 Jahre). Aber auch in Meißen (5,8 Jahre), Rostock (5,6 Jahre), der Mecklenburgischen Seenplatte sowie in Dresden (jeweils 5,4 Jahre) und in Leipzig (5,3 Jahre) ist die Lebenserwartung für Mädchen deutlich gestiegen.

Bei neugeborenen Jungen hat die Lebenserwartung in vielen ostdeutschen Regionen in diesem Zeitraum sogar noch stärker zugenommen. Den größten Anstieg gab es im Landkreis Rostock (8,6), gefolgt von den Landkreisen Nordwestmecklenburg (8,3), Havelland, Ludwigslust-Parchim (jeweils 8,2) sowie der Mecklenburgischen Seenplatte (8,1). Trotz dieser Annäherungen sind die Ost-West-Unterschiede bei Männern immer noch relativ groß: Statistisch gesehen werden westdeutsche Männer etwa 15 Monate älter als ostdeutsche. Bei Frauen liegt der Unterschied bei rund einem Monat.



Gründe für die unterschiedliche Lebenserwartung und Folgen


Nicht für alle Menschen steigt allein mit einem besseren Gesundheitssystem und dem medizinischen Fortschritt die Chance auf ein längeres Leben. Analysen des BBSR zeigen, dass sich die Lebenserwartung regional ähnlich verteilt wie wichtige  sozioökonomischer Faktoren. So begünstigen zum Beispiel Bildungschancen (gemessen am Anteil von Schulabgängern mit allgemeiner Hochschulreife), qualifizierte Beschäftigung (gemessen am Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss, in der Kreativwirtschaft und in wissensintensiven Dienstleistungen) sowie eine geringe ökonomische Belastungen die Lebenserwartung. Soziale Benachteiligung hingegen (gemessen an der Schuldnerquote und Personen in Bedarfsgemeinschaften) verringert sie. Die Lebenserwartung ist in den Regionen höher, in denen der Anteil sozial und ökonomisch schwacher Bevölkerungsgruppen gering und der Arbeitsmarkt günstig und attraktiv für hoch qualifizierte und kreative Arbeitnehmer ist. Dieser Zusammenhang ist bei Männern deutlicher ausgeprägt als bei Frauen. Junge und qualifizierte Menschen ziehen in wirtschaftlich attraktive Regionen. Dies wirkt sich offenbar auch auf die Lebenserwartung der Menschen vor Ort aus.

Die sozioökonomische Faktoren und die Lebenserwartung spiegeln sich auch in den regionalen Wohnungsmärkten wider. Für Anleger ist daher die regionale Lebenserwartung auch ein Indikator, ob sich das Investment in Wohnimmobilien langfristig auch tendenziell eher gut oder schlecht entwickelt. Dies spiegelt sich allerdings auch im Preisniveau wider: Immobilien in Schwarmstädten sind deutlich teurer als in Abwanderungsregionen. Wer als Anleger in Abwanderungsregionen mit unterdurchschnittlicher Lebenserwartung investiert, wird für dieses höhere Anlagerisiko daher auf eine entsprechende höhere Mietrendite achten müssen.


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