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Anschlussfinanzierung mit Riester


Wohn-Riester für die Anschlussfinanzierung nutzen

Die Riester-Rente ist nicht nur als zusätzliche Absicherung für das Alter in Form von monatlichen Auszahlungen geeignet.

Aktuelle und zukünftige Immobilienbesitzer können von speziellen Wohn-Riester-Verträgen und den damit zusammenhängenden Darlehen profitieren.

Wie Sie Wohn-Riester zur Anschlussfinanzierung nutzen können, wer förderungsberechtigt ist und welche Vor- und Nachteile diese Form des Anschlussdarlehens hat, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

 

Gleich zum Wunschthema:

 

 

Anschlussfinanzierung berechnen

 

Wer ist zur Nutzung von Wohn-Riester für das Anschlussdarlehen berechtigt?

 

Grundsätzlich ist jeder Angestellte, der in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, berechtigt, die Wohn-Riester-Förderung in Anspruch zu nehmen. Dazu zählen unter anderem auch:

 

  • Auszubildende (diese können sogar einen einmaligen Bonus von 200 Euro erhalten)
  • Selbstständige, die zur Einzahlung in die gesetzte Rentenversicherung verpflichtet sind (zum Beispiel Freiberufler, die über die KSK versichert sind, Hebammen oder Handwerker)
  • Beamte und Richter
  • Empfänger einer Erwerbsminderungs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente
  • Arbeitslose, die ALG I oder II erhalten
  • Erziehende Elternteile in den ersten drei Jahren nach der Geburt
  • Teilnehmer am Bundesfreiwilligendienst
     

All diese Personengruppen können die staatliche Förderung im Rahmen eines Wohn-Riester-Vertrags für die Anschlussfinanzierung nutzen, wenn die notwendigen Bedingungen erfüllt werden.

Aufgrund der Förderregelungen ist Wohn-Riester besonders für Familien mit Kindern und geringem Einkommen gut geeignet. Gutverdienende Single hingegen profitieren von der steuerlichen Erleichterung, die mit der Einzahlung in den Sparvertrag einhergeht.


Tipp:

Wer selbst nicht zulagenberechtigt ist, kann den Wohn-Riester-Vertrag mithilfe seines berechtigten Ehepartners abschließen. Sie müssen dann lediglich den jährlichen Sockelbeitrag von 60 Euro in einen gesonderten Riester-Vertrag einzahlen, damit die volle Zulage vom Staat gezahlt wird.

 

 

Wie viel muss ich investieren, um vom Wohn-Riester zu profitieren?

 

Wie viel jeden Monat gespart werden muss, damit Sie die vollen staatlichen Zuschüsse erhalten und so bestmöglich vom Wohn-Riester profitieren können, hängt von der Höhe Ihres Einkommens ab. Wer mindestens 4 Prozent seines Bruttoeinkommens in den Sparvertrag einzahlt, erhält die Maximalzulage.

Je nach Familiensituation, können Sie so mehrere hundert Euro an staatlichen Zuschüssen pro Monat erhalten:

  • Für jeden förderungsberechtigten Erwachsenen gibt es 175 Euro im Jahr (Grundzulage)
  • Kinder, die vor 2008 geboren wurden, ergeben einen Anspruch von 185 Euro jährlich.
  • Für Kinder, die nach 2008 geboren sind, gibt es pro Jahr 300 Euro dazu.
     

Rechenbeispiel Wohn-Riester:

 

  • Vater: Angestellter mit einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro

  • Mutter: Nicht erwerbstätig

  • Kind 1: geboren 2006

  • Kind 2: geboren 2010

Bruttoeinkommen 50.000 Euro
Gesamtsparleistung (4% des Einkommens) 2.000 Euro
Grundzulage 175 Euro
Kinderzulage 485 Euro
Gesamtsparleistung abzüglich Zulagen 1340 Euro
Monatlicher Eigenbetrag 111,66 Euro

Statt jeden Monat also knapp 167 Euro in den Riester-Vertrag einzahlen zu müssen, sind dank der staatlichen Zulagen nur knapp 112 Euro nötig, um am Ende der Laufzeit das gleiche Sparguthaben angesammelt zu haben. Diese Summe muss also jeden Monat zusätzlich zur Rate des laufenden Immobilienkredits aufgebracht werden können, um die Anschlussfinanzierung mit Riester zu sichern.

 

 

Wie kann ich ein Wohn-Riester-Darlehen für meine Anschlussfinanzierung nutzen?

 

Um die Anschlussfinanzierung über Wohn-Riester durchzuführen, müssen Sie den entsprechenden Sparvertrag bereits zu Beginn der Baufinanzierung abschließen. Denn erst nach einer vertraglich festgelegten Ansparphase erhalten Sie einen Darlehensanspruch zu einem vorab vereinbarten festen Zinssatz.

Beispiel:

Bei einer Laufzeit von beispielsweise 10 Jahren kann so ein Anspruch von 70.000 Euro angesammelt werden: 21.000 Euro angespartes Guthaben plus Zulagen, was 30 Prozent der Gesamtsumme ausmacht, sowie 49.000 Euro als optionales Wohn-Riester-Bauspardarlehen.

Diese Summe kann dann genutzt werden, um eine Anschlussfinanzierung in Form einer Umschuldung durchzuführen. Sollte die Summe nicht ausreichen, kann das Riester-Darlehen auch mit einem weiteren Annuitätendarlehen oder einem KfW-Darlehen kombiniert werden, um die Restschuld abzuzahlen.

Das Wohn-Riester-Darlehen muss bis zum Renteneintritt komplett zurückbezahlt werden. Die Tilgung setzt sich dabei aus der von Ihnen gezahlten Rate und den weiterlaufenden staatlichen Zuschüssen zusammen, was das Darlehen so attraktiv macht.

 

 

Welche Vorteile hat Riester für die Anschlussfinanzierung?

 

Der größte Vorteil liegt wie bereits erwähnt in der Höhe der staatlichen Zulagen. Gerade Geringverdiener und Familien mit vielen Kindern können dadurch mit einem geringen Eigenanteil ein beachtliches Sparguthaben anhäufen, was ihnen sonst eventuell so nicht möglich wäre.

 
Alleinstehende und kinderlose Besserverdiener bekommen zwar verhältnismäßig geringere Zuschüsse, können aber durch das steuerliche Absetzen der monatlichen Einzahlung als Sonderausgaben zusätzlich sparen. Bis zu 2.100 Euro werden bei der Steuererklärung hier anerkannt. Bei einem Steuersatz von beispielsweise 40 Prozent ergibt sich hier inklusive Zulagen eine Ersparnis von 840 Euro.
 
 
Neben den Vorteilen in der Ansparphase ist auch die Rückzahlphase des Darlehens attraktiv. Die Höhe der Tilgung können Sie hierbei selbst festlegen, mindestens 1 Prozent ist Pflicht. Da die staatlichen Zuschüsse auch während der Rückzahlphase weiterlaufen, können Sie pro Monat mehr tilgen, ohne dass Ihre finanzielle Belastung steigt. So ergibt sich eine geringere Laufzeit und damit insgesamt geringe Zinsen.

 

 

Hat das Anschlussdarlehen mit Riester auch Nachteile?

 

Die tendenzielle geringere Laufzeit lassen sich die Banken gerne mit einem höheren Zinssatz bezahlen. Vergleichen Sie deshalb einen normalen Anschlusskredit genau mit dem Wohn-Riester-Angebot – Zinsunterschiede von 1 Prozent sind keine Seltenheit. In diesem Fall würde sich Wohn-Riester zur Anschlussfinanzierung nur dann lohnen, wenn die staatliche Förderung höher ist als die zusätzliche Belastung durch den höheren Zinssatz.

 

Zudem ergeben sich durch die Beanspruchung des staatlich geförderten Wohn-Riester Einschränkungen hinsichtlich der Nutzung der Immobilie. Sie müssen diese auf jeden Fall selbst nutzen und beziehen. Wer zum Beispiel ein Haus als Investitionsobjekt nutzen möchte und selbst weiterhin in einem anderen Objekt zur Miete wohnt, hat keinen Anspruch auf die staatlichen Zulagen.

 

Bei einem Verkauf des selbstbewohnten Eigenheims haben Sie fünf Jahre Zeit, um sich eine neue Immobilie zu kaufen und den Wohn-Riester-Vertrag entsprechend mitzunehmen. Wer seine Immobilie jedoch verkauft, ohne sich eine neue zuzulegen, muss damit rechnen, dass die sofortige Besteuerung anfällt.

 

Die nachgelagerte Besteuerung und das damit zusammenhängende Wohnförderkonto sind ein weiterer Nachteil, den die Anschlussfinanzierung mit Wohn-Riester haben kann.

 

 

Vor- und Nachteile einer Anschlussfinanzierung mit Wohn-Riester im Überblick

Vorteile

Nachteile

  • Steuerlich absetzbar
  • Staatliche Zuschüsse
  • Schnellere Tilgung bei gleichbleibender Rate,             geringere Laufzeit

 

  • Nur Eigennutzung der Immobilie möglich
  • Einschränkungen beim Verkauf
  • Nachgelagerte Besteuerung
  • Minimal größere finanzielle   Belastung während       der Ansparphase
  • Höherer Zinssatz möglich

 

 

Wie gestaltet sich die nachgelagerte Besteuerung bei Wohn-Riester Verträgen?

 

Anders bei einer klassischen Riester-Rente gibt es beim Wohn-Riester keine monatliche Rentenauszahlung, die normal versteuert werden kann. Deshalb kommt die sogenannte nachgelagerte Besteuerung zum Einsatz.

Dafür wird ein fiktives Wohnförderkonto angelegt, auf dem die jährlichen Beiträge bis maximal 2.100 Euro „angelegt“ und am Jahresende mit 2 Prozent verzinst werden. Spätestens mit 68 muss dieses Konto dann aufgelöst werden und die Steuerzahlungen werden fällig. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. Die sofortige Komplettauflösung des Wohnförderkontos. Dabei gibt es einen Rabatt von 30 Prozent, allerdings werden auch die entsprechenden Steuern auf einen Schlag fällig.

  2. Eine schrittweise Auflösung des Wohnförderkontos. Spätestens bis zum 85. Lebensjahr muss die gesamte Summe versteuert worden sein.

Je nach Einkommenshöhe und Fördersumme können hier mehrere zehntausend Euro fällig werden, die auch auf 18 Jahre verteilt die Rente erheblich schmälern kann.

Es ist also durchaus ratsam, die durch die Zulagen eingesparten Kosten bei der Darlehensrückzahlung anderweitig anzulegen, um bei der Auflösung des Wohnförderkontos die entsprechenden finanziellen Mittel zur Begleichung der Steuerschuld zur Verfügung zu haben.

 


 

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