Immobilienmarkt

Steigende Preise durch Baukindergeld?

Die Immobilienweisen prophezeien in ihrem Frühjahrsgutachten 2019, dass die Miet- und Kaufpreise auch in diesem Jahr weiter steigen werden. Als Preistreiber wurden das Baukindergeld und ein vom Bundestag beschlossener befristeter Steuerbonus identifiziert.



Das Baukindergeld gibt es rückwirkend seit dem 1. Januar 2018 für Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Gezahlt werden über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 12.000 Euro pro Kind. Politisches Ziel ist es, Alleinerziehenden und Familien in Zeiten stark steigender Bau- und Immobilienpreise beim Kauf oder Bau von selbst genutztem Wohneigentum zu unterstützen. Knapp 70.000 Förderzusagen wurden bereits erteilt.

Preistreiber Baukindergeld und Steuerbonus

Aus Sicht der Immobilienbranche macht aber gerade das Baukindergeld Häuser, Wohnungen und Grundstücke teurer. Denn viele Verkäufer schlagen die Prämie auf den Verkaufspreis auf. Darüber informierte der Zentrale Immobilien-Ausschuss kürzlich in Berlin. Zudem profitieren von dem Zuschuss vor allem Familien, die diese Form der Unterstützung nicht unbedingt brauchen. Während für Haushalte mit geringeren Einkommen die eigentlichen Probleme weiterhin bestehen: geringes Kapital gepaart mit hohen Erwerbsnebenkosten.

Der bis 2021 befristete Steuerbonus scheint ähnliches zu bewirken; vorgesehen sind zusätzlich zur normalen Abschreibung für vier Jahre eine Sonderabschreibung von jährlich fünf Prozent. Ziel ist es, den Bau von bezahlbaren Mietwohnungen stärker zu fördern. Experten äußern allerdings Zweifel, ob damit der Bau von Mietwohnungen stark beschleunigt werden kann. Denn keiner kann mit Bestimmtheit sagen, dass günstigeres Bauen auch wirklich zu günstigeren Mieten führen wird. Vielmehr befürchten sie, dass die steuerlich motivierte höhere Nachfrage nach Bauleistung auf knappe Baukapazitäten treffen wird und als Folge die Baupreise steigen.


Erschöpfte Kapazitäten in der Bauwirtschaft

Ein Vergleich der Entwicklung von Baugenehmigungen und Fertigstellungen zeigt, dass Industrie und Bauhandwerk mit dem Bauen nicht nachkommen. Dem Frühjahrsgutachten zufolge gibt es bundesweit inzwischen einen sogenannten Bauüberhang von mehr als 653.000 Wohnungen. Es wurden also weitaus mehr Baugenehmigungen erteilt als von der Wirtschaft tatsächlich genutzt wurden. In dem Gutachten heißt es: „Angesichts des weiter steigenden Überhangs verfestigt sich der Eindruck, dass die Kapazitäten der Bauwirtschaft nahezu erschöpft sind.“

Befristete Maßnahmen werden vermutlich nicht zu einer maßgeblichen Kapazitätsausweitung in der Bauwirtschaft führen. Wenn die Zeit der Förderung rasch wieder vorbei sein wird, regt das Firmen nicht an viele neue Mitarbeiter einzustellen, die sie nur kurzfristig beschäftigen können. So wird laut Frühjahrsgutachten 2019 vor allem in Ballungsräumen der Preisdruck hoch bleiben.

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