Risse in der Bausubstanz

Harmlos oder gefährlich?

Der Blick gleitet über die Wände des Eigenheims und plötzlich bleibt er hängen. Was ist das denn, ein Riss! Schnell weggucken, zum Spachtel greifen oder den Bauträger verklagen? Jeder reagiert anders. In jedem Fall beschleicht Immobilieneigentümer ein ungutes Gefühl.



Risse haben ganz unterschiedliche Ursachen. Auf Sand- und Kiesböden setzen sich Neubauten schon nach einigen Monaten; auf Ton- und Lehmböden dauert der Vorgang wesentlich länger. Aber auch ein veränderter Grundwasserspiegel oder Erschütterungen können Risse im Haus verursachen.

Haarrisse prüfen

Sogenannte Haarrisse treten oft schon kurz nach der Fertigstellung eines Gebäudes auf. Es handelt sich hierbei um Spannungs- oder Setzungsrisse, die entstehen, wenn der Putz austrocknet. Auch Spannungen zwischen Bauteilen können Risse verursachen. Haarrisse sind meist harmlos. Sie verändern sich in der Regel über Jahrzehnte nicht und stören allenfalls die Optik. Die kleinen, feinen Risse im Putz dürfen allerdings nicht breiter als 0,2 Millimeter sein. Alles, was darüber geht, muss näher betrachtet werden.

Wer also Risse entdeckt, die breiter als 0,2 Millimeter sind, sollte einen Fachmann hinzuziehen, der den Riss gründlich untersucht. Dazu wird der Experte den Putz an der Schadensstelle abklopfen und zunächst einmal prüfen, ob der Riss durch die betroffene Konstruktion hindurchgeht. Das könnte auf gefährliche statische Probleme deuten.

Gipsmarken zur Kontrolle setzen

Es kann aber auch sein, dass der Riss über eine bestimmte Zeit beobachtet werden muss. Wird er breiter oder bleibt er konstant? Der Fachmann setzt dazu eine Gipsmarke auf den Riss. So kann er feststellen, in welche Richtung die Entwicklung geht und ob eine bereits durchgeführte Maßnahme erfolgreich war.

Denn der Gips reagiert sofort auf jede Veränderung des Risses. Die Markierung würde reißen und damit anzeigen, dass die Ursache des Problems noch nicht behoben ist. Bleibt die Gipsmarke aber vier Wochen und länger unversehrt, ist die Bewegung im Haus mit großer Wahrscheinlichkeit gestoppt.

Kleine Schäden schnell beheben

Haarrisse in der Wohnung lassen sich relativ einfach beheben, indem sie überspachtelt werden. Stärkere Risse sollten zunächst mit einem Spachtel ausgeweitet werden, grundiert und dann mit einer Putzschicht versehen. Darauf wird dann ein Gewebe gelegt, das den Putz überbrückt. Schließlich wird noch einmal Putz draufgespachtelt und abschließend das Ganze abgeschliffen.

Risse in der Außenfassade sollten möglichst rasch saniert werden, damit kein Wasser eindringen kann. Andernfalls könnte im Winter bei Frost der Putz aufplatzen.

Vorbeugen ist besser als heilen

Schützen vor Rissen kann sich der Bauherr nur durch Sorgfalt bei der Planung. So weist ein Baugrundgutachten frühzeitig auf mögliche Probleme im Untergrund hin, die zur Bildung von Rissen führen können. Und noch ein Tipp: Werden in der Oberflächenbeschichtung verschiedene Materialien verwendet, sollte unbedingt eine Fuge als Sollbruchstelle eingeplant werden.

Diese Artikel könnten Sie interessieren: