Immobilien und Brexit

Deutsche Bauherren profitieren vom Brexit-Chaos

Während britische Eigenheimbesitzer immer weniger Kaufinteressenten finden, können sich deutsche Hausbauer über niedrige Zinssätze für Hypothekendarlehen freuen.


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Noch weiß niemand so genau, was nach dem 29. März 2019 geschehen wird, wenn Großbritannien der Europäischen Union den Rücken gekehrt hat. Wird es bis dahin noch eine Zustimmung zu dem von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen geben? Oder folgt ein harter Brexit, eine ungeordnete Trennung, bei der die Zollschranken zwischen der Insel und der europäischen Staatengemeinschaft sofort herunterfallen könnten? – Eins zeichnet sich jedoch schon jetzt ab: Besitzer von Eigenheimen und Eigentumswohnungen gehören zu den Verlierern der bevorstehenden Trennung. Denn die Immobilienpreise sind auf der Insel bereits deutlich gesunken.

Zinssätze für deutsche Hypothekendarlehen sinken

Freuen können sich Häuslebauer in Deutschland. Denn die Querelen um den Brexit sowie Handelskonflikte und eine Verschärfung der Staatsschuldenkrise in Italien haben in den vergangenen Wochen Investoren an den Kapitalmärkten verstärkt in deutsche Bundesanleihen und Pfandbriefe flüchten lassen. Das wiederum ließ die Hypothekenkredite günstiger werden. So sind – nach Berechnungen des Immobilienkreditvermittlers Interhyp – die Zinssätze für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit in Deutschland seit Ende Oktober von 1,55 Prozent auf nur noch 1,38 Prozent gesunken.

Seit sich im britischen Parlament massiver Widerstand gegen den Austrittsvertrag abzeichnete, wurden Immobiliendarlehen in Deutschland um rund elf Prozent billiger.


Sinkende Nachfrage nach britischen Immobilien

Eigenheimbesitzern in Großbritannien hingegen stehen harte Zeiten bevor. Eine Studie der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), einem Verband von Immobilienprofis, zur Stimmungslage am britischen Wohnimmobilienmarkt zeigt, dass die Zahl der Kaufinteressenten immer stärker zurückgeht. Damit geraten die Immobilienpreise weiter unter Druck.


Gewerbeimmobilienmarkt – Gewinner und Verlierer

Seit im Sommer 2016 eine knappe Mehrheit von 51,9 Prozent der teilnehmenden Briten für den Austritt aus der EU gestimmt hat, haben sich die Gewerbeimmobilienmärkte auf der Insel komplett unterschiedlich entwickelt. Vermieter von Ladengeschäften bekommen die wachsenden Leerstände in Einkaufsstraßen und Shoppingcentern zu spüren. Immer mehr Einzelhändler haben durch den bevorstehenden Brexit ihr Geschäft bereits aufgeben müssen. Das britische Pfund fiel seit Juni 2016 um 12,5 Prozent gegenüber dem Euro und um 12,3 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Die Preise importierter Waren schossen entsprechend in die Höhe und die britischen Verbraucher mussten ihren Konsum stark reduzieren.

Anders sieht es bei der Vermietung von Büroflächen aus. Die Abwertung des Pfunds führte hier dazu, dass viele Firmen ihre nach Osteuropa und Asien ausgelagerten Back-Office-Tätigkeiten wieder nach Großbritannien zurückholten. In- und ausländische Investoren erwarben daher weiterhin in Größenordnungen britische Büroimmobilien.


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