Arbeitgeberdarlehen

So sinnvoll ist der Kredit vom Chef

Sie sind auf der Suche nach einer zinsgünstigeren Alternative zum herkömmlichen Kredit? In diesem Fall könnte das Arbeitgeberdarlehen genau das Richtige für Sie sein!

Was ist ein Arbeitgeberdarlehen?


Bei dieser Art von Unternehmenskredit schließen Sie mit Ihrem Arbeitgeber einen Vertrag ab, der beiden Seiten zahlreiche Vorteile bringen kann. Gerade im Finanzsektor und im Öffentlichen Dienst, aber auch in anderen Berufszweigen, wird diese Kreditart angeboten. Insbesondere bei größeren Beträgen, wie beispielsweise einem Hauskauf oder einer Baufinanzierung, kann es sehr lohnenswert für Sie sein, bei Ihrem Arbeitgeber nach einem solchen Darlehen zu fragen.

Es gibt ebenso die Möglichkeit eines Zinszuschusses seitens des Arbeitgebers. Hierbei handelt es sich um keinen herkömmlichen Kredit, sondern um eine Entlastung des Arbeitnehmers von den Zinsen, die jedoch selbstverständlich versteuert werden müsste. Die geringeren Zinsen sind jedoch nicht der einzige Vorteil eines solchen Darlehens. Ein Arbeitgeberdarlehen bringt beiden Parteien Vorteile. Allerdings sollten Sie sich dennoch auch zu anderen Kreditmöglichkeiten beraten lassen und alle Alternativen miteinander vergleichen.

 

Welche Vorteile hat das Arbeitgeberdarlehen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Selbstverständlich wird ein solches Darlehen nicht wahl- und grundlos an alle Arbeitnehmer verteilt. Die Gewährung eines Arbeitgeberdarlehens zeugt von Respekt und Wertschätzung Ihrer Arbeit und nicht jeder Arbeitnehmer kommt in den Genuss eines solchen Angebotes. Die Firma kann es beispielsweise ablehnen, einem Arbeitnehmer einen solchen Kredit zu gewähren, wenn Lohnpfändungen angeordnet oder negative Schufaeinträge vorhanden sind.

Allerdings darf ein Unternehmen einen solchen Arbeitgeberkredit nicht zu unterschiedlichen Konditionen für die Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Es ist beispielsweise nicht zulässig, dass eine Vollzeitkraft bessere Bedingungen als eine Teilzeitkraft erhält. Dies wird im TzBfG (Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge) unter dem Absatz „Diskriminierungsverbot“ deutlich.

Folgende Vorteile birgt ein Arbeitgeberdarlehen verglichen mit einem herkömmlichen Bankkredit:
 

Der Arbeitnehmer:

  • profitiert meist von niedrigeren Zinsen.
  • erfährt Wertschätzung vom Arbeitgeber durch Gewährung eines lukrativen Darlehens.

Der Arbeitgeber:

  • bindet den Arbeitnehmer langfristig an die Firma.
  • steigert seine Beliebtheit bei den Angestellten.

 

Was bringt das Arbeitgeberdarlehen bei einer Baufinanzierung?

Die meisten Arbeitgeberdarlehen sind zweckgebunden. Das heißt, dass Sie als Arbeitnehmer einen Kredit für die Anschaffung einer bestimmten Sache erhalten. Hierbei gibt es eine Ausnahme, denn der Arbeitgeber darf Ihnen kein Darlehen aushändigen, um Lagerbestände der Firma aufzufüllen. Allerdings ist es möglich, ein Darlehen zu erhalten, um in die Firma zu investieren, falls diese an die Börse gehen sollte. In diesem Fall ist der Arbeitgeber vor Gewährung des Darlehens jedoch verpflichtet, Sie über die Risiken von solchen Investitionen aufzuklären.

Tipp: Gerade bei größeren Krediten wie Baufinanzierungen lohnt es sich, bei dem Arbeitgeber nach einem gesonderten Darlehen zu fragen. Denn bei einem internen Unternehmensdarlehen sind die Zinsen meist um einiges niedriger als bei herkömmlichen Bankkrediten, wodurch Sie im Endeffekt einen vergleichsweise geringeren Betrag zurückzahlen müssen.

Sie sollten jedoch darauf achten, dass geldwerte Vorteile beim Finanzamt versteuert werden müssen, da es sonst zu Verständigungsproblemen kommen kann. Bei einer Nichtversteuerung könnte das Finanzamt annehmen, dass das Darlehen – oder vielmehr der Zinsvorteil des Darlehens im Vergleich zum Bankkredit – zum Arbeitsentgelt gehört. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Ist der Kreditbetrag geringer als 2.600 Euro, kann der Arbeitgeber diesen als zinsloses Darlehen auszahlen, beispielsweise als Gehaltvorschuss.

Hinweis: Ob und wie Sie das Arbeitgeberdarlehen in der Einkommensteuererklärung angeben müssen, kann im Zweifelsfall nur der Steuerberater klären.

 

Wie hoch sind die Zinsen eines Arbeitgeberdarlehens?

Die Zinsen eines Arbeitgeberdarlehens orientieren sich am marktüblichen Effektivzinssatz und können vom Arbeitgeber im Falle einer Darlehensgewährung um vier Prozentpunkte herabgesenkt werden.

Vorsicht ist geboten, wenn der Arbeitgeber, aus welchem Grund auch immer, auf einen Teil der Rückzahlung des Darlehens oder der Zinsen verzichtet. In diesem Fall gilt dieser Betrag als Arbeitslohn und muss dementsprechend als Einmalzahlung versteuert werden.

Es ist ebenfalls sehr wichtig, dass Sie beim Eingehen eines solchen Vertrages alle wichtigen Details schriftlich festhalten. In einen solchen Vertrag gehören in jedem Fall folgende Ausführungen:

  • persönliche Daten beider Parteien
  • die Kreditart
  • die Laufzeit des Darlehens
  • Dauer der Zinsfestlegung und Höhe der Zinsen
  • Datum, Ort
  • Unterschriften beider Parteien

 

Was ist ein Zinszuschuss?


Bei einem Arbeitgeberdarlehen gewährt Ihnen die Firma einen Kredit mit (meist) vergünstigten Konditionen. Bei einem Zinszuschuss übernimmt der Chef die Zinsen Ihres Kredites teilweise oder ganz. In diesem Fall ist darauf zu achten, dass diese Zinsen als Arbeitslohn mit versteuert werden müssen. Dies muss selbstverständlich beim Finanzamt angegeben werden, da es zum Arbeitsentgelt gehört. Ein Zinszuschuss unterscheidet sich daher von einem Arbeitgeberdarlehen. 

 

Was passiert, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird?

Selbst nach Erhalt eines Arbeitgeberdarlehens kann es sein, dass Sie sich beruflich anders orientieren möchten. Bedenken Sie jedoch, dass der Arbeitgeber die Zinsen anpassen kann, falls Sie das Arbeitsverhältnis auflösen. Hierbei müssen Sie natürlich die gesetzlichen Kündigungsfristen beachten.

Ebenso kann eine Zinsanpassung vorgenommen werden, wenn der Arbeitgeber Ihnen kündigt. Es muss aber nicht sein, dass das Arbeitgeberdarlehen mit dem Arbeitsvertrag zusammen gekündigt wird. Das Darlehen kann weiterlaufen, auch wenn Sie nicht mehr im Unternehmen tätig sind. In diesem Fall ist es ebenfalls sehr wahrscheinlich, dass eine Zinsanpassung vorgenommen wird. Sollte das Arbeitgeberdarlehen mit Arbeitsbeendigung ebenfalls gekündigt werden, beträgt die Kündigungsfrist drei Monate.

 

Arbeitgeberdarlehen bei der Baufinanzierung

Kurz angesprochen worden ist bereits, dass das Arbeitgeberdarlehen oftmals zweckgebunden vergeben wird. Besondere Vorteile bietet der Kredit bei der Baufinanzierung. Natürlich können Sie nicht die komplette Immobilie mit dem Kredit finanzieren, doch zumindest einen Teil. Und: Nehmen Sie zusätzlich einen Bankkredit auf, wird das Arbeitgeberdarlehen unter Umständen wie Eigenkapital gewertet:

  1. Sie nehmen ein Darlehen beim Arbeitgeber in Höhe von 10.000 Euro auf. Zusätzlich bringen Sie selbst 30.000 Euro in die Finanzierung ein.
  2. Bei der Bank geben Sie an, dass bereits 40.000 Euro des Finanzierungsbedarfs gedeckt sind.
  3. Durch die geringere Kreditsumme erhalten Sie bei der Bank bessere Konditionen für das Immobiliendarlehen.

Was Sie beim Arbeitgeberdarlehen beachten müssen

In den meisten Fällen lohnt sich ein Arbeitgeberdarlehen, dennoch sollten Sie die unterschiedlichen Kreditmöglichkeiten sehr genau und gewissenhaft miteinander vergleichen. Hierbei sollten Sie nicht nur auf die Beitragshöhe, sondern auch auf die Dauer, die Zinshöhe und die Dauer der Zinsfestlegung achten. Konsultieren Sie, wenn möglich, einen unabhängigen Finanzberater und sprechen Sie mit diesem die unterschiedlichen Möglichkeiten und Kreditkonditionen durch. Durch das Einholen einer dritten, unparteiischen Meinung werden oftmals mögliche zuvor übersehene Details verdeutlicht.

Falls ein Arbeitgeberdarlehen in Ihrem Betrieb nicht möglich sein sollte, bestände immer noch die Möglichkeit eines Zinszuschusses. Da diese Alternative keinem richtigen Kredit gleichkommt, wird Ihr Arbeitgeber dieser vielleicht eher zustimmen. Durch einen Zinszuschuss hätten Sie weniger oder sogar überhaupt keine Zinsen zu bezahlen. Zwar müssen Sie den Zuschuss als geldwerten Vorteil versteuern, unterm Strich rentiert sich die Lösung aber in der Regel. Ziehen Sie alle Möglichkeiten in Erwägung und überlegen Sie sich gut, welche Finanzierungsmethode die beste für Sie ist.

 

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Vergleichen lohnt sich. Das gilt insbesondere für die Finanzierung einer Immobilie.