Wohnungsmarkt

Leicht sinkende Mieten – Trendwende in Sicht?

Erstmals seit 2005 fallen die Mieten bei Neuverträgen. Das zeigt der aktuelle F+B-Wohn-Index Deutschland. Auch der Immobilienindex IMX ® von ImmobilienScout24 zeigt eine Stagnation. Die Mieten sanken nicht nur im deutschen Durchschnitt, sondern teilweise auch in den Metropolen. Legt das Wachstum jetzt eine Pause ein?



Erstmals seit 14 Jahren sanken die Mieten bei Neuverträgen im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorquartal bundesweit um 0,3 Prozent. Das ermittelte das unabhängige Forschungsinstitut F+B, das seit 1996 den F+B-Mietspiegelindex herausgibt. Der Index dokumentiert vergleichbar die nachhaltig erzielbare Miete für den Bestand der Normalwohnungen in allen größeren Städten und Gemeinden, die über einen Mietspiegel verfügen.

Rückläufig waren die Mieten auch in deutschen Metropolen. So fielen in Berlin die Preise um 1,7 Prozent auf 9,30 Euro pro Quadratmeter, in München um 1,3 Prozent auf 16,80 Euro pro Quadratmeter und in Frankfurt sogar um 2,4 Prozent auf 11,60 Euro pro Quadratmeter. Schnäppchenpreise sind die Mieten in den Großstädten natürlich dennoch nicht. Da lohnt es schon eher sich im Umfeld der Großstädte umzusehen, auch hier gab es Mieteinbrüche. So fielen beispielsweise im Münchner Umland, konkret in der Gemeinde Freising, die Neuvertragsmieten um zehn Prozent.

Wohnungsmieten und Neubaukaufpreise stagnieren

Einen ähnlichen Trend kann man auch im Immobilienindex IMX ® von ImmobilienScout24 sehen. Im bundesdeutschen Durchschnitt stagnieren die Angebotsmieten für Bestandswohnungen. Im November 2018 waren sie sogar erstmals seit April 2007 rückläufig. Nach einem leichten Anstieg im Dezember sanken sie im Januar wieder, um seitdem zu stagnieren. Diese Ergebnisse liefert der IMX – der Immobilienindex von ImmobilienScout24. Der IMX schwankt um 141 Indexpunkte und zeigt damit stagnierende Angebotsmieten.


Die Kaufpreise für Bestands-Eigentumswohnungen sind in den vergangenen sechs Monaten hingegen konstant weiter gestiegen. In diesem Zeitraum verteuerten sie sich um durchschnittlich vier Prozent.


 

Ralf Weiz, Geschäftsführer von ImmobilienScout24:

"Die Mieterhöhungen der vergangenen Jahre scheinen jetzt in eine Stagnationsphase überzugehen. Dieser Entwicklung könnte eine Phase weniger stark wachsender Miete einläuten."

Bei Wohneigentum steigen die Preise weiter


Kehrt nach der langen Phase des Anstiegs der Mieten jetzt Ruhe ein, macht das Wachstum der Neuvertragsmieten eine Pause? Für F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner ist das „wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der Wohnungsbaupolitik überhaupt". Festlegen wollen sich die Experten nicht. Zumal ein Rückgang der Mieten auch nicht flächendeckend verzeichnet werden konnte. Vielmehr stiegen an vielen Orten die Mieten im Vergleich zum Vorjahr weiter. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass die Schere zwischen Mieten in unterschiedlicher Lage immer weiter aufgeht. So werden Wohnungen in München je nach Lage zwischen 9,80 Euro und 30 Euro pro Quadratmeter vermietet.

Beim Wohneigentum sind fallende Preise nach wie vor nicht zu erkennen, hier geht der Trend ungebrochen nach oben. Nach Angaben der Marktforscher von F+B verteuerten sich Eigentumswohnungen im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,1 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,8 Prozent. In den vergangenen zehn Jahren sind die Preise für Eigentumswohnungen um 72 Prozent gestiegen; bei Neuvermietungen hingegen um 20,5 Prozent. Die Bestandsmieten wuchsen sogar nur halb so stark.

Marktbeobachter, aber auch die Bundesbank warnen seit einiger Zeit vor Preisübertreibungen. Wenn Wohnraum für Menschen mit Normal- oder Transfereinkommen nicht mehr bezahlbar ist, dann fühlen Betroffene, dass ihr Grundbedürfnis auf Wohnen in gewohnter Form und Qualität akut bedroht ist. F+B Marktforscher beschreiben in ihrem Bericht, dass diese für die heute lebende Generation neue Erfahrung zu heftigen emotionalen Reaktionen führten, bis hin zur Diskussion darüber, die großen privaten Wohnkonzerne zu enteignen.


Marktforscher fordern mehr politischen Mut


Da die Politik und auch die Wirtschaftselite eher hilflos mit dem Problem umgehen, fordern die Marktforscher mehr politischen Mut. So sollten ihrer Meinung nach Bauprojekte nicht wegen Anwohnerprotesten gestoppt werden, wie das beim Tempelhofer Feld in Berlin der Fall war. Auch würden sich für sie strengere umweltpolitische Vorgaben und die Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum ausschließen.

Sowohl an die Wohnungsunternehmen als auch an die privaten Kleinvermieter appellieren die Forscher, ihre Mietanpassungspolitik auf freiwilliger Basis zu prüfen. Die Politik könne das honorieren, indem sie einen privilegierten Zugang zu Fördermitteln und Grundstücken anbietet und von weiteren Regulierungen absieht. Darüber hinaus sollten Kapitalmarkt regulierende Maßnahmen ernsthaft erwogen werden, um sozial engagierte Unternehmen davor zu bewahren von „markt-aggressiven international agierenden Investoren“ übernommen zu werden.



Diese Artikel könnten Sie interessieren: