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Was passiert, wenn die Zinsen steigen?

Wird die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder anheben? Wenn ja, wie weit darf sie gehen? Analysten des Flossbach von Storch Research Institute warnen vor den Folgen für die Staatshaushalte und vor Mehrkosten für Hausbauer.


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Zinsen auf Erspartes. Weiß noch jemand, wie sich das anfühlt? Seit Jahren wird der Ertrag immer kleiner. Der Leitzins liegt mittlerweile bei null. Schlecht für Sparer, aber gut für Hausbauer. Zurzeit ist die Konjunktur stark, die Inflation zieht wieder an. Damit die Inflation nicht zu sehr zunimmt, könnte es sein, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder erhöht.

Was passiert, wenn die EZB die Zinsen anhebt?

Bei der Ratssitzung am 26. April 2018 ist in dieser Richtung noch nichts passiert. Erwartet wird nun, dass die EZB frühestens auf ihrer Sitzung am 24. Oktober 2019 einen vollen Zinsschritt um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) nach oben gehen wird. Sollte es so kommen, wäre es die erste Zinserhöhung seit acht Jahren.

Doch was passiert, wenn sich der Trend fortsetzt? Experten des Flossbach von Storch Research Institutes – einer unabhängigen Denkfabrik, die sich mit ökonomischen Fragen unserer Zeit befasst – haben sich dieser Thematik angenommen. Sie untersuchten, mit welchen Folgen zu rechnen wäre, wenn die Zinsen im Jahr 2025 ein Niveau von fünf Prozent erreichten, wie im Jahr 2008. – Gleich vorneweg: Der Studie zufolge sind Zinsen, die an das Niveau aus der Zeit vor der Finanzkrise anknüpfen, nicht mehr so einfach möglich.

Die europäischen Staaten wären, so die Flossbach-Analysten, von höheren Zinsen unmittelbar betroffen. Ein Anstieg der Zinsen auf vier Prozent würde Mehrausgaben von bis zu etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr für den deutschen Haushalt bedeuten. Um höhere Zinsen zahlen zu können, müsste die Verschuldung abgebaut oder Geld an anderer Stelle eingespart werden. Doch gibt der Staat weniger aus, kann sich das schnell auf die Gesamtwirtschaft auswirken. Hat die Bevölkerung weniger Geld im Portmonee, wird sie auch weniger konsumieren. Der Absatz stagniert.


Immobilienkredite unbezahlbar

Auch Haus- und Wohnungsbesitzer, die einen Kredit bedienen, müssten mit extremen Mehrbelastungen rechnen. In der Flossbach-Studie wird eine Beispielrechnung aufgeführt, wonach ein Privathaushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.314 Euro beim derzeitigen Zinsniveau für ein Darlehen von 400.000 Euro monatlich eine Rate von 1.1667 Euro zahlt. Das entspricht etwa 35 Prozent des Haushaltseinkommens. Würden die Zinsen auf vier Prozent ansteigen, müsste der Haushalt etwa 60 Prozent seines monatlichen Nettoeinkommens für Tilgungen aufwenden. Bei fünf Prozent Zinsen wären es bereits 70 Prozent des Nettoeinkommens.


Immobilienmärkte brechen ein

Damit Hausbesitzer bei gleichbleibender Monatsrate ihre Kredite bedienen können, müssten die Hauspreise sehr stark gesenkt werden. Steigt also der Kreditzins von bisher 1,5 auf fünf Prozent an, müsste der Kaufpreis um 40 Prozent fallen. Das würde zu einem Einbruch der Immobilienmärkte führen. Sowohl die Folgen für die Staatshaushalte als auch für die Privathaushalte und Unternehmen lässt die Flossbach-Analysten zu dem Schluss kommen, dass eine spürbare Zinsanhebung so bald nicht wahrscheinlich ist. Es sei denn: Der wirtschaftliche Aufschwung setzt sich weiter fort; die höheren Wachstumsraten ließen die staatlichen Steuereinnahmen so stark steigen, dass die hohen Schulden auch bei steigenden Zinsen bedient werden könnten.


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