Nachbarschaftsstreit

Heckenmaße und Schnittpflichten

Jeder Gartenfreund weiß: Ein regelmäßiger Schnitt von Hecken und Sträuchern sichert das Wohlbefinden der Pflanzen und in vielen Fällen auch des Nachbarn. Allerdings darf nicht zu jeder Jahreszeit zur Heckenschere gegriffen werden.


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Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, Hecken, Sträucher oder andere Gehölze in der Zeit von März bis September radikal zu beschneiden. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind auch in den Sommermonaten erlaubt. Diese Regelungen dienen in erster Linie dem Vogelschutz. Die schnittfreie Zeit ist dem Brutverhalten und Nesterbau der Vögel anpasst. – Wer sich nicht an das Schnittverbot hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro rechnen. Werden tatsächlich Vögel oder andere wildlebende Tiere und deren Lebensstätten beeinträchtigt, drohen sogar Geldbußen bis 50.000 Euro.

Wenn Hecken zu schnell wachsen

In den einzelnen Bundesländern sind die zulässigen Höhen und Abstände von Hecken zum Nachbargrundstück unterschiedlich geregelt. Besser ist es für Hobbygärtner zu wissen, welche Maße am eigenen Wohnort vorgeschrieben sind. Anderenfalls oder manchmal auch aus heiterem Himmel kann der Nachbar plötzlich mit seinen Forderungen hinter der Hecke vorkommen, und dann gibt es meist Ärger. Nicht selten landet solch ein Nachbarstreit vor Gericht. So geschah es auch kürzlich in Freiburg im Breisgau.

Der Kläger beharrte darauf, dass die Hecke seines Nachbarn die landesgesetzlich zulässige Maximalhöhe von 1,80 Metern nicht überschreiten dürfe – und zwar an keinem Tag im Jahr. Daher müsse der Nachbar seine Pflanzen auch im Sommer regelmäßig durch zulässige Form- oder Pflegeschnitte stutzen.  Als Alternative könne er die Hecke auch bereits vor dem 1. März so weit zurückschneiden, dass sie bis Ende September nicht höher als 1,80 Meter wachsen würde.

Der Heckenbesitzer war hingegen der Ansicht, seine Hecke dürfe nur von Anfang Oktober bis Ende Februar die zulässige Höhe nicht überschreiten, zwischen März und September sei er zum Rückschnitt nicht verpflichtet.


Landgericht sieht‘s praktisch und juristisch

Das Landgericht Freiburg schloss sich dieser Auffassung an. Das baden-württembergische Nachbarrechtsgesetz schreibe in der Vegetationsperiode keine Form- oder Pflegeschnitte vor. Einen entsprechend umfangreicheren Rückschnitt im Winter könne der Kläger ebenfalls nicht verlangen. Schließlich lasse sich nicht voraussagen, wie schnell die Hecke wachsen würde. Das Wachstum von Pflanzen hänge schließlich unter anderem von der Witterung ab und ist daher kaum vorhersehbar. Es bliebe also unklar, wie kurz die Hecke im Februar tatsächlich geschnitten werden müsse, um im September noch niedriger als 1,80 Meter zu sein. Eine entsprechende Verpflichtung sei damit überhaupt nicht vollstreckbar.

Neben rechtlichen Überlegungen hat das Landgericht sein Urteil also auch mit praktischen Erwägungen begründet. Damit wurde nicht nur ein Nachbarschaftsstreit, sondern auch ein juristisch umstrittener Sachverhalt geklärt.

(LG Freiburg, Urteil v. 07.12.2017, Az.: 3 S 171/16)



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