Nachbarschaftstreit

Beschneiden alter Bäume

Klug beraten ist, wer Konflikte mit seinem Nachbarn konstruktiv gemeinsam löst. Anderenfalls kann ein Streit für beide Seiten teuer enden. So erlebten es Eigenheimbesitzer, die sich wegen der Beschneidung von sieben hundertjährigen Linden vor Gericht trafen.


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Wenn zwei sich streiten...

  1. Der Fall
  2. ...freut sich keiner

Die sieben Linden ragten teilweise mehrere Meter über den Zaun zum Nachbarn. Der fühlte sich dadurch in der Nutzung seines Grundstücks eingeschränkt und forderte den Lindenbesitzer per E-Mail auf, die überhängenden Äste zu entfernen. Dafür setzte er eine Frist von drei Wochen.

Der Baumbesitzer hielt die Aufforderung für ungerechtfertigt. Seine Bäume seien sehr alt und könnten bei Rückschnitten im Bereich der Kronen Schaden nehmen. Außerdem unterlägen die Linden dem Denkmalschutz. Folglich kam er der Aufforderung nicht nach. Daraufhin kündigte der Nachbar schriftlich an, die Rückschnittarbeiten selbst in Auftrag zu geben. Er setzte abermals eine Frist von drei Wochen. Als die verstrichen waren, beauftragte er ein Fachunternehmen, das die Äste zurückschneiden sollte. Nach vollbrachter Arbeit ragten die Äste noch immer um ca. 1 bis 1,5 Meter auf sein Grundstück.

Am Ende hat keiner gesiegt

Über die Beschneidung war der Baumbesitzer zutiefst empört und verlangte Schadensersatz in beträchtlicher Höhe sowie die Erstattung von Kosten für ein Gutachten und die vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten. Die Richter gaben dem Kläger recht. Da die Linden bereits sehr alt waren, hätten umfangreiche Beschneidungen vermieden werden müssen. Am Ende ist allerdings keiner der Nachbarn als klarer Sieger aus dem Prozess hervorgegangen.

Der Kläger hat nur einen Bruchteil seiner Schadenersatzforderung erhalten und muss mit verunstalteten Bäumen leben. Zudem bleibt er auf dem Großteil der Prozesskosten sitzen. Der Beklagte hat zwar nun eine gewisse Baumfreiheit, musste dafür aber zusätzlich zu den Schnittkosten eine nicht unerhebliche Summe für das Verfahren, Gutachterkosten und Schadenersatz berappen.

Das nachbarschaftliche Verhältnis dürfte auf ewig gestört sein.

(OLG Potsdam, Urteil vom 08.02.2018 – 5 U 109/16)


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