Nachbarhaus angebohrt

Streit in der Reihenhaussiedlung

Mancher Eigentümer erlebt eine böse Überraschung, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt. So auch Besitzer eines Reihenmittelhauses bei München.


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Was dürfen Nachbarn sich erlauben?

  1. Der Fall
  2. Wie entschied das Gericht?

Die Heimkehrer trauten ihren Augen nicht. Ihre Nachbarn hatten ohne Vorwarnung geschweige denn Zustimmung eine Holztrennwand zwischen den beiden Terrassen errichtet. Es kommt aber noch besser: Die Trennwand hing – über Bohrlöcher und Dübel befestigt – an ihrer Wohnzimmeraußenwand im ersten Stock. Das war dann doch zu viel, zumal auch schon seit Monaten die schwere Metallleiter der Nachbarn in ihrer Dachrinne lehnte.

Wie entschied das Gericht?


Sie verklagten die Nachbarn vor dem Amtsgericht München. Für das Gericht war schnell klar, die Kläger können von ihren Nachbarn verlangen, Eingriffe in die Bausubstanz ihrer Wohnzimmeraußenwand zu unterlassen. Bohrlöcher in der Außenwand des Hauses würden das Eigentum der Kläger beeinträchtigen. Es bestehe die Gefahr, dass Wasser in die Wohnzimmerwand eindringe und/oder Frostschäden entstünden. Die beklagten Nachbarn schienen sich ihrer Verfehlung bewusst. Noch während des laufenden Gerichtsverfahrens beseitigten sie die Befestigung der Sichtschutzwand am Haus der Nachbarn und verfüllten die Dübellöcher.

Blieb noch die umstrittene Leiter. Die Kläger verlangten die dauerhafte Entfernung. Das schwere Metallungetüm lehnte auf Höhe des Dachflächenfensters der Kläger und ermöglichte einen Einblick in den Wohn- und Schlafraum. Hier weigerten sich die Nachbarn, da die Leiter zu hundert Prozent auf ihrem Grundstück stehen würde. Doch auch in diesem Punkt entschied das Amtsgericht München im Sinne der Kläger. Das Eigentumsrecht beinhalte auch die Ausschlussfunktion;  das bedeutet, jeder Nichtberechtigte kann von der Nutzung des Eigentums abgehalten werden. Durch Anlehnen der Leiter an die Dachrinne der Nachbarn würden die Beklagten die Dachkante der Nachbarn nutzen, so das Gericht. – Der mögliche Blick ins Schlafzimmer der Kläger schien den Richter nicht zu kümmern. Zumindest findet sich dazu keine Aussage.

 

(Amtsgericht München, Urteil vom 12.01.2017 - 233 C 29540/15)


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