Strom vom Dach des Mietshauses

So profitieren Eigentümer vom neuen Gesetz

Das Mieterstromgesetz ist in Kraft getreten. Auch größere Mietshäuser können zu Stromselbstversorgern werden. Doch was bringt es Eigentümern, künftig den Strom für die Mieter selbst zu erzeugen?


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Wer durch eine Einfamilienhaus-Siedlung spaziert, trifft immer häufiger auf Selbstversorger in Sachen Strom. Photovoltaik-Anlagen erstrecken sich über ganze Dachflächen, grüßen als Aufsteller von Flachdächern herab oder ersetzen sogar als Indach-Module den kompletten Ziegelaufbau. Die Energiewende im Eigenheim ist bei vielen Hausbesitzern angekommen. Was im Kleinen gut funktioniert, könnte sich auch im größeren Rahmen bewähren.

Die Idee, durch Solaranlagen auf größeren Mietshäusern die Stromversorgung der Mieter günstig und umweltfreundlich zu sichern, ist schon länger im Gespräch. Ende Juni hat nun der Bundestag das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom, kurz: Mieterstromgesetz, verabschiedet.

Was verbirgt sich hinter dem Mieterstromgesetz?


Als Mieterstrom wird der Strom bezeichnet, der aus Solaranlagen stammt, die vom Eigentümer auf dem Dach des Wohngebäudes betrieben werden. Dieser Strom wird an die Mieter des Hauses geliefert und von ihnen verbraucht. Das Mieterstromgesetz dient dem Ausbau erneuerbarer Energien, indem es den Bau von Solaranlagen und die dezentrale Energieerzeugung fördert. Ziel ist es, den Mieter als Abnehmer von günstigem Solarstrom direkt an der Energiewende zu beteiligen.



Wie können Eigentümer vom Mieterstromgesetz profitieren?


Zur Diskussion standen zunächst zweierlei Förderungsvarianten. Die indirekte Förderung sah eine Reduzierung der EEG-Umlage vor, ähnlich dem Modell bei Einfamilienhaus-Besitzern. Diese zuvor in § 95 Nr. 2 EEG 2017 verankerte Ermächtigung soll keine Anwendung mehr finden.

Vielmehr wird eine direkte Förderung des Mieterstroms in Form eines Mieterstromzuschlages bevorzugt. Danach erhält der Anlagenbetreiber zwei verschiedene Vergütungen:

  1. den Erlös des Stromes, den er an den Mieter direkt verkauft.
    Für diesen Mieterstrom sieht der Gesetzentwurf eine Förderung vor, die sich aus der „normalen“ EEG-Vergütung abzüglich eines Abschlags in Höhe von 8,5 ct/kWh errechnet. Die Förderhöhe beträgt für die an den Mieter gelieferte Strommenge je nach Anlagengröße bis zu 3,8 ct/kWh. Der Zuschlag wird - wie für EEG-Vergütungen üblich - fest für die Dauer von 20 Jahren ab Inbetriebnahme gezahlt.
    Darüber hinaus ist der Mieterstrom von Kostenbestandteilen wie Netzentgelt, Konzessionsabgabe, Stromsteuer und sonstigen netzseitigen Umlagen befreit.
  2. die EEG-Vergütung aus der Überschusseinspeisung in das öffentliche Stromnetz.
    Der nicht vom Mieter abgenommene Strom wird ins Netz eingespeist und mit der normalen Einspeisevergütung nach dem EEG vergütet.

Die jeweilige Förderung wird es für Anlagen mit einer installierten Leistung von bis zu 100 kWh geben. Insgesamt wird die Förderung auf einen jährlichen Zubau von 500 MW begrenzt.



Mieter haben die freie Wahl


Die freie Wahl zwischen Stromanbietern soll auch durch das Mieterstromgesetz nicht geändert werden. So können Mieter selbst bestimmen, ob sie einen Mieterstromvertrag abschließen oder nicht. Der Mietvertrag muss unabhängig vom Mieterstromvertrag geschlossen und gekündigt werden können. Das Gesetz begrenzt zudem die Vertragslaufzeit für Mieterstrom auf ein Jahr.



Eigentümer als Stromanbieter haben Pflichten


Der Mieterstromvertrag muss die umfassende Versorgung der Mieter mit Strom gewährleisten, Daher müssen Eigentümer eine etwaige Versorgung mit Zusatz- und Reservestrom sicherstellen. Es müssen mit den Mietern Stromlieferverträge und mit den Netzbetreibern und den Energieversorgern Rahmenverträge abgeschlossen werden. Die Einspeisung und Abrechnung des etwaigen Überschussstroms muss ebenfalls technisch und vertraglich mit dem Netzbetreiber koordiniert werden. Der Mieterstrompreis darf maximal 90 Prozent des Grundversorgungstarifs betragen, der im jeweiligen Netzgebiet gilt.

All die regulatorischen und energiewirtschaftlichen Anforderungen dürfen nicht unterschätzt werden. Deshalb keine Solar-Module aufs Dach zu bringen, ist aber nicht die Alternative. Vielmehr können Energiedienstleister vom Immobilieneigentümer beauftragt werden, die kompetent all die zeitraubenden Aufgaben übernehmen.


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