Seit der Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV 2014) sind auf Energieausweisen Energieeffizienzklassen (A+ bis H) zu finden, die auf einem Blick zeigen sollen, ob ein bestimmtes Gebäude auf einem energetisch guten oder schlechten Stand ist. Welche Werte sonst noch auf dem Energieausweis zu finden sind und was Sie im Einzelnen bedeuten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Können Sie Ihren Energieausweis vorweisen?

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Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt zwei verschiedene Energieausweise: den Energiebedarfsausweis und den Energieverbrauchsausweis.
  • Beide Energieausweise geben zwar an, wie hoch die benötigte Energiemenge in einem Gebäude pro Jahr ist, jedoch basieren die Ergebnisse auf unterschiedlichen Berechnungen.
  • Beim Bedarfsausweis wird der Energiebedarf eines Gebäudes pro Jahr angegeben. Diese Berechnung beruht auf einer Hochrechnung verschiedener Faktoren wie technischen und baulichen Eigenschaften des Gebäudes sowie standardisierten Rahmenvoraussetzungen (durchschnittliches Heiz- und Lüftungsverhalten, klimatische Verhältnisse etc.)
  • Bei einem Verbrauchsausweis wird der durchschnittliche Energieverbrauch eines Gebäudes pro Jahr angegeben. Grundlage für die Wertermittlung ist der Energieverbrauch der vergangenen drei Jahre.
  • Ein Energieausweis ist Pflicht – spätestens beim Besichtigungstermin. Gehen Sie auf Nummer sicher und bestellen Sie jetzt Ihren Energieausweis in nur wenigen Schritten.
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Welche Angaben enthält ein Energieausweis?

Der Energieausweis erfuhr im Rahmen der Energieeinsparverordnung 2014 einige Neuerungen. So wurde für den Energieausweis eine Energieverbrauchskennwert-Tabelle (bei einem Bedarfsausweis: Energiebedarfskennwert) mit den Energieeffizienzklassen A+ bis H integriert. Dort zeigen zwei Pfeile (Primärenergiekennwert und Energiebedarfs- bzw. verbrauchswert) die jeweilige Effizienzklasse an.

Energieeffizienzklasse A+ A B C D E F G H
kWh pro m2 und Jahr < 30 < 60 < 75 < 100 < 120 < 160 < 200 < 250 > 250
A+ entspricht einem Effizienzhaus 40
A entspricht Standard der EnEV 2016
B entspricht Standard der EnEV 2014
C entspricht Gebäude, das Anforderungen der Wärmeschutzverordnung 1995 erfüllt
D
E entspricht dem Durchschnitt des deutschen Wohngebäudebestands
F wurde energetisch nicht wesentlich modernisiert
G
H kommt einem unsanierten Altbau gleich

Was gibt der Primärenergiekennwert an?

Dieser Wert gibt die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes an – also die ganze Kette von der Erkundung über Gewinnung und Lieferung bis hin zur Verarbeitung des jeweils verwendeten Energieträgers (Heizöl, Gas, Strom oder erneuerbare Energien). Das heißt: Je mehr fossile Energieträger verwendet werden, desto schlechter ist der Primärenergiekennwert. Je mehr regenerative Energieträge genutzt werden, desto besser ist der Primärenergiekennwert.

Was gibt der Energiebedarfswert an?

Dieser Wert gibt die jährlich erforderliche Menge an Energie an, die für die Sicherstellung des Warmwasserbedarfs, der notwendige Lüftung sowie der standardisierten Innentemperatur benötigt wird. Je kleiner dieser Wert ist, desto energieeffizienter ist das Gebäude.

Was gibt der Energieverbrauchswert an?

Dieser Wert gibt den jährlichen Durchschnittsenergieverbrauch eines Gebäudes auf Grundlage der Verbrauchszahlen der vergangenen drei Jahre an. Auch hier bedeutet ein kleiner Wert eine verbesserte Energieeffizienz.

Schon gewusst?

Seit Mai 2014 ausgestellte Ausweise enthalten Registriernummern. Diese dienen zur einfacheren Überprüfung durch die Behörden.

Angaben im Energieausweis nach EnEV 2014
Seite 1 Allgemeine Angaben zum Gebäude: Adresse, Baujahr, Art der Anlagentechnik, Anzahl der Wohneinheiten, Informationen zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie zur Gebäudelüftung
Seite 2 Kennwerte für den Energiebedarf
Seite 3 Kennwerte für den Energieverbrauch
Seite 4 Vorschläge zur Verbesserung der energetischen Eigenschaften der Immobilie
Seite 5 Erläuterungen zu den im Energieausweis enthaltenen Angaben sowie zu den Berechnungsverfahren
Gut zu wissen

Seite 4 enthält energetische Sanierungsempfehlungen, jedoch besteht für den Immobilieneigentümer keine Pflicht zur Umsetzung. Es ist jedoch ratsam, diese zumindest mittelfristig umzusetzen, da der Energieeffizienzstandard mit den Jahren immer weiter steigen wird und gegebenenfalls dann energetische Sanierungsmaßnahmen zwingend notwendig werden, um die Vorgaben der EnEV zu erfüllen.

Bedarfsausweis vs. Verbrauchsausweis: Die wesentlichen Unterschiede

Möchte ein Eigentümer seine Immobilie verkaufen, verpachten oder vermieten, muss er dem Interessenten spätestens beim Besichtigungstermin einen Energieausweis vorlegen. In den meisten Fällen besteht Wahlfreiheit zwischen dem Energiebedarfsausweis und Energieverbrauchsausweis. Doch worin genau unterscheiden sich die beiden verschiedenen Arten von Energieausweisen eigentlich?

Der erste wesentliche Unterschied liegt im Berechnungsverfahren. Während bei einem Verbrauchsausweis der Energieverbrauch auf Grundlage des tatsächlichen Energieverbrauchs der vergangenen drei Jahre ermittelt wird, wird bei dem Bedarfsausweis der Energieverbrauch anhand der allgemeinen Immobilienangaben (Baujahr, Gesamtwohnfläche, Anzahl der Wohneinheiten etc.), der technischen Heizungs- und Gebäudedaten, der standardisierten Grundbedingungen (klimatische Verhältnisse, individuelles Nutzerverhalten etc.) und der Energieverluste hochgerechnet.

Der zweite große Unterschied liegt im Ermittlungsaufwand des Energiekennwerts. Der Verbrauchausweis berechnet den Energieverbrauch mittels tatsächlicher Daten, die sich aus den aus dem Nutzerverhalten der letzten drei Jahre ergeben haben. Bei dem Bedarfsausweis erfolgt die Berechnung weitaus komplexer: Hier liegen keine konkreten Informationen zum Energiebedarf vor, sondern es muss eine Hochrechnung anhand des Stands der technischen Anlagen und baulichen Eigenschaften des Gebäudes sowie statistischer Werte zu Klimaverhältnissen und Nutzerverhalten vorgenommen werden.

Der dritte Unterschied ist finanzieller Natur. Da der Aufwand für die Erstellung eines Energiebedarfsausweis weitaus höher ist als für einen Energieverbrauchsausweis, liegen auch die Kosten deutlich höher. Der Verbrauchausweis ist in der Regel schon unter 100 Euro zu bekommen. Der Bedarfsausweis hingegen kann Immobilieneigentümer bis zu 500 Euro kosten.

Tipp

In diesem Artikel erfahren Sie , wann Sie einen Bedarfsausweis und wann einen Verbrauchsausweis benötigen.

Die verschiedenen Energieausweise richtig lesen – darauf müssen Sie achten

Die beiden verschiedenen Energieausweise unterscheiden sich vor allem in ihrer Berechnung hinsichtlich der jährlich benötigten Energiemenge für ein Gebäude. Bei einem Verbrauchsausweis resultiert der Energieverbrauchswert vor allem aus dem Nutzerverhalten im Gebäude.

Sollte also in einer Immobilie beispielsweise überdurchschnittlich viel geheizt und häufig warm geduscht worden sein, ist dementsprechend auch der Energieverbrauch höher. Dies äußert sich letztlich in einer schlechteren Energieeffizienz im Verbrauchsausweis wider. Dieser Wert sagt jedoch weniger darüber aus, wie der eigentliche technische und bauliche Stand des Gebäudes hinsichtlich seiner Energieeffizienz ist.

Würde für dasselbe Gebäude beispielsweise ein Bedarfsausweis erstellt werden, ist mit aller Wahrscheinlichkeit mit einem teils deutlich anderen Ergebnis zu rechnen – in diesem Beispiel mit einem niedrigeren Wert.

Kennen Sie sich mit dem Energieausweis aus?
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  • fragezeichen
    Wie lange ist ein Energieausweis gültig?

  • Zur Antwort

Verbrauchsausweis: So können Sie die Heizkosten berechnen

Mit den Angaben in einem Energieausweis lassen sich die geschätzten Heizkosten im Voraus für ein ganzes Jahr berechnen. Die angewendete Formel lautet wie folgt:

Wohnfläche in m2 x 1,2 x Energieverbrauchskennwert in kWh x Energiekosten je kWh in €

Hinweis

Der Faktor 1,2 in dient in der Formel zur Berücksichtigung sonst unbeheizter Flächen wie beispielsweise Keller- oder Flurräume.

Beispielrechnung

Wohnfläche 95 m2
Faktor 1,2
Energieverbrauchskennwert 10.000 kWh
Energiekosten je kWh (hier: Gas) 0,08 €
Heizkosten eines Jahres: 95 m2 x 1,2 x 10000 kWh x 0,08 € 912,00 €
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