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Nach dem Gender Pay Gap jetzt auch noch eine Lücke bei Finanzthemen? Ja, leider. Aktuelle Studien zeigen: Frauen beschäftigen sich mit Finanzthemen, unter anderem der Baufinanzierung, anders als Männer – und das kostet sie mehr als nur Geld. Wir erklären, woran das liegt und was Käuferinnen konkret tun können.

41 Prozent der Männer mit Immobilienbesitz haben ihr Haus oder ihre Wohnung allein gekauft. Bei Frauen sind es gerade mal 29 Prozent. So weit, so vorhersehbar, könnte man denken. Wer jetzt reflexartig an fehlenden Mut denkt, irrt sich. Die Zahlen offenbaren keinesfalls eine Charakterschwäche, sondern eine handfeste Ungleichheit aus Einkommen, Arbeitszeit und Sozialisation. Das hat Konsequenzen, die weit über den Immobilienkauf hinausreichen. Ablesen kann man das an einer repräsentativen Befragung von mehr als 2.000 Menschen, die der Finanzvermittler „Dr. Klein“ im Mai 2026 veröffentlicht hat.



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  • Fangen wir mit den unbequemen Zahlen an: 2024 verdienten Frauen laut Statistischem Bundesamt 16 Prozent weniger als Männer. Selbst wenn man Branche, Qualifikation und Arbeitszeit angleicht, bleibt eine Lücke von sechs Prozent – das sind 1,52 Euro weniger pro Stunde für exakt denselben Job. Dazu kommt: 50,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten 2024 in Teilzeit. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der Alltag mit Kinderbetreuung und Haushalt schlicht kein anderes Modell zuließ. Frauen leisten in Deutschland 72 Milliarden Stunden unbezahlte Care-Arbeit pro Jahr – das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie hervor.

    Beim Immobilienkauf hat das Nachteile. Vor allem: weniger Eigenkapital. Die „Female Finance Studie 2026“ des Bundesverbands deutscher Banken belegt, dass Frauen monatlich im Schnitt 300 Euro weniger frei zur Verfügung haben als Männer. Über zehn Jahre summiert sich das auf 36 000 Euro. Eigenkapital ist der entscheidende Hebel für gute Finanzierungskonditionen: Wer 20 Prozent des Kaufpreises selbst mitbringt, erhält bessere Zinskonditionen und eine kleinere monatliche Rate. Wer das nicht kann, zahlt drauf – im wahrsten Sinne. „Männer verdienen im Durchschnitt oft mehr und über die Jahre hinweg kontinuierlicher. Das führt häufig zu mehr Eigenkapital, das sie dann in die Finanzierung einbringen können“, sagt Andrea Burgstaller, Spezialistin für Baufinanzierung bei Dr. Klein.

    Christine Laudenbach, Verhaltensökonomin an der Goethe-Universität Frankfurt, benennt eine der Wurzeln des Problems im ARD-Finanzjournal „50k“: „Es zeigt sich, dass auch heute noch mit Söhnen mehr über Geld gesprochen wird als mit Töchtern. Das heißt, wir werden als Frauen ganz anders auf diese Lebensrealität vorbereitet.“ Was im Elternhaus beginnt, setzt sich in der Schule fort. Eine Studie der Universität Tübingen aus dem Jahr 2025 beweist: Schülerinnen der 10. Klasse schneiden in Wissenstests zu Finanzthemen im Schnitt knapp 13 Prozent schlechter ab als ihre männlichen Mitschüler. Nicht weil sie weniger klug wären, sondern unter anderem weil wirtschaftliche Themen im Unterricht nach wie vor von männlichen Fallbeispielen dominiert werden: der Unternehmer, der Investor, der Hausbesitzer. Unternehmerinnen, Investorinnen, Hausbesitzerinnen: Fehlanzeige.

    Das Ergebnis ist messbar: Nur 21 Prozent der befragten Frauen geben in der Dr.-Klein-Studie an, sich gut mit finanziellen Themen auszukennen. Bei den Männern sind es 44 Prozent, also mehr als doppelt so viele. Dieses Wissensdefizit wirkt sich unmittelbar auf das Kaufverhalten aus: 61 Prozent der Frauen nennen Angst vor finanzieller Überforderung als Hinderungsgrund beim Immobilienkauf. Bei den Männern sind es 53 Prozent. 41 Prozent der Frauen empfinden Themen wie Zinsen und Tilgung als besonders komplex. Bei den Männern trifft das auf 28 Prozent zu. Das ist eine deutliche Lücke, die sich in Kaufentscheidungen, Kreditkonditionen und schließlich auch in den Rentenkonten niederschlägt.

    Mit diesen vier Schritten kannst du den Rückstand aufholen:

    1. Finanzwissen aktiv aneignen


    „Finanzwissen ist kein Talent, das einem in die Wiege gelegt wird, sondern eine Frage der Erfahrung – und das ganz unabhängig vom Geschlecht“, sagt Andrea Burgstaller von Dr. Klein. Der erste Schritt ist unspektakulär: alle Einnahmen und Ausgaben erfassen, eine realistische Sparrate ableiten und Grundbegriffe der Baufinanzierung wie Beleihungswert, Tilgungssatz und Zinsbindung kennenlernen (zum Beispiel hier auf ImmoScout24). Wer das Vokabular beherrscht, verhandelt anders.

    Positiv: Laut der Dr.-Klein-Studie zieht fast die Hälfte der weiblichen Kaufinteressierten eine fachkundige Beratung in Betracht – deutlich mehr als bei Männern. Das ist in der Tat schlau: Wer mehr fragt, trifft am Ende die bessere Entscheidung.




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    2. Eigenkapital systematisch aufbauen

    Früh anfangen ist die wirksamste Strategie. Laudenbach ist da unmissverständlich: „Grundsätzlich ist es so, dass gestern anfangen besser ist als übermorgen." Wer mit 30 beginnt, monatlich 200 Euro zu sparen, hat mit 40 als reines Sparkapital 24.000 Euro beisammen – mit einem moderaten ETF-Sparplan kann es deutlich mehr werden. Es lohnt sich, denn wenn Frauen erst einmal investieren, machen sie es besser als Männer. Laut einer ING-Erhebung erzielten Frauen 2023 eine um 0,5 Prozentpunkte bessere Portfolio-Performance als Männer – weil sie seltener impulsiv handeln und weniger traden. Bereits knapp ein Drittel der Frauen (31 Prozent) besitzt Aktien, Aktienfonds oder andere Wertpapiere, 2024 waren es noch 25 Prozent. Die Kurve zeigt (glücklicherweise) nach oben.

    3. Fördermöglichkeiten kennen und nutzen

    Staatliche Förderung kann die Eigenkapitallücke spürbar verkleinern – wird aber erschreckend oft nicht ausgeschöpft. Wohn-Riester erlaubt es, gefördertes Kapital direkt für den Immobilienerwerb einzusetzen: Das angesparte Guthaben wird von Banken in der Regel als Eigenkapital anerkannt. Das KfW-Wohneigentumsprogramm stellt zinsgünstige Darlehen bis 100.000 Euro bereit – seit März 2026 übrigens doppelt so viel wie zuvor. In vielen Bundesländern kommen Landesförderprogramme mit teils erheblichen Zuschüssen hinzu.

    Was viele zu spät bemerken: Der KfW-Antrag muss gestellt sein, bevor der Kaufvertrag unterschrieben wird. Wer erst danach zur Bank geht, verliert den Förderanspruch. Eine unabhängige Beratung vor dem Notartermin zahlt sich deshalb aus.

    4. Den Kaufzeitpunkt strategisch wählen


    Warten kann sinnvoll sein, solange Eigenkapital fehlt. Aber Warten hat einen Preis: steigende Immobilienpreise, verpasste Zinsfenster, verlorene Jahre für den Vermögensaufbau. Die relevante Frage ist nicht, ob der Markt gerade günstig ist, sondern ob die eigene Finanzlage einen Kauf trägt. „Oft geht nämlich mehr als zunächst gedacht – und aus der Vision wird Wirklichkeit", sagt Burgstaller.

    Der Gender Finance Gap lässt sich nicht wegdiskutieren – er ist in Einkommensstatistiken, Rentenkonten und Immobilienkaufquoten messbar. Aber er ist auch keine Naturgewalt. Frauen, die sich früh mit ihrer Finanzlage auseinandersetzen, gezielt Eigenkapital aufbauen und verfügbare Förderung nutzen, können den Rückstand aufholen. Der erste Schritt ist oft der härteste: mit den eigenen Zahlen anfangen und nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten. Den gibt es nämlich nicht.




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