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Abgeschlossenheitsbescheinigung

Eine Abgeschlossenheitsbescheinigung benötigen Sie, um eine Immobilie in einzelne voneinander getrennte Wohneinheiten mit jeweils eigenem Zugang aufzuteilen. Ausgestellt wird die Bescheinigung durch die Baubehörde, die darüber hinaus auch für die Ausstellung der Baugenehmigung sowie für die bauaufsichtliche Abnahme zuständig ist. Nachfolgend erfahren Sie, wozu die Abgeschlossenheitsbescheinigung dient, wie und wo Sie sie beantragen, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und weitere wichtige Informationen zum Thema.

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Wozu dient eine Abgeschlossenheitsbescheinigung?


Eigentümer von Mehrfamilienhäusern benötigen die Abgeschlossenheitsbescheinigung für die Aufteilung ihrer Immobilie in Eigentumswohnungen. Innerhalb eines Gebäudes erfolgt die bauliche Trennung durch die Decken und Wände der jeweiligen Wohnung (Abgeschlossenheit). Jede als abgeschlossen geltende Wohneinheit muss über einen eigenen abschließbaren Zugang, eine Küche und ein Badezimmer verfügen.

Räume außerhalb eines abgeschlossenen Bereichs, wie z. B. Speicher- oder Kellerräume und dauerhaft markierte Garagenstellplätze, können von der Abgeschlossenheitsbescheinigung miteinbezogen werden. Voraussetzung hierfür ist, dass diese eindeutig der abgeschlossenen Wohneinheit zugeordnet werden können. Die Abgeschlossenheitsbescheinigung weist also nach, dass alle mit Nummern zu bezeichnenden Wohnungen baulich so getrennt worden sind, dass sie als eigenständige und in sich abgeschlossene Einheiten funktionieren.


Hinweis von ImmobilienScout24:

Besitzen Sie ein Mehrfamilienhaus und möchten die Wohnungen nur vermieten, ist keine Abgeschlossenheitsbescheinigung erforderlich. Dennoch bietet es sich an, eine solche Bescheinigung frühzeitig zu beantragen. Falls Sie sich doch für den Verkauf einer Wohnung entscheiden sollten, haben Sie die benötigte Genehmigung bereits.

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Welche rechtliche Bedeutung hat die Abgeschlossenheitsbescheinigung?


Die Abgeschlossenheitsbescheinigung ist eine Voraussetzung für die Eintragung von Miteigentümern in das Grundbuch. Zudem ist sie ein elementares Dokument für die Begründung von Wohnungs- und Teileigentum. Die rechtliche Grundlage für die Bescheinigung der Abgeschlossenheit bilden §§ 3 Absatz 2, 7 Absatz 4 Wohnungseigentumsgesetz (WEG) vom 15.03.1951.

Seit dem Jahr 2007 sind die einzelnen Bundesländer jedoch dazu ermächtigt, anhand einer Rechtsverordnung über die Ausstellung einer Abgeschlossenheitsbescheinigung durch öffentlich bestellte oder anerkannte Sachverständige für das Bauwesen zu entscheiden. Auf diese Weise lässt sich der Amtsweg über die Baubehörde umgehen.


Info von ImmobilienScout24:

Beachten Sie, dass die Abgeschlossenheitsbescheinigung keinerlei verbindliche Aussagen in puncto Ausmaß der baurechtlich bewilligten Nutzung des sogenannten Sondereigentums enthält. Erkundigen Sie sich dazu bei der örtlichen Bauaufsichtsbehörde.

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Wie und wo wird eine Abgeschlossenheitsbescheinigung beantragt?

Beantragt wird die Abgeschlossenheitsbescheinigung bei der örtlichen Baubehörde. Hier erfahren Sie auch, welche Unterlagen für eine Beantragung erforderlich sind.


Unterlagen für die Beantragung der Abgeschlossenheitsbescheinigung


Das benötigen Sie in der Regel für die Antragsstellung:

  • formloser Antrag (Bezeichnung des Grundstücks, Name und Anschrift des Antragsstellers, Unterschrift des Eigentümers)
  • Lageplan mitsamt aller Gebäude und Anlagen
  • aktueller Grundbuchauszug
  • Aufteilungsplan für die Abgeschlossenheit inklusive Ansicht und Grundriss des Gebäudes
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Wie viel kostet eine Abgeschlossenheitsbescheinigung?


Beachten Sie, dass für die Erstellung einer Abgeschlossenheitsbescheinigung Gebühren fällig werden. Sie variieren von Gemeinde zu Gemeinde und sind vom Umfang abhängig. In der Regel kostet eine Abgeschlossenheitsbescheinigung zwischen 29 und 160 Euro. Muss auch ein Aufteilungsplan erstellt werden, sind zusätzlich mit rund 40 Euro zu rechnen.

Was ist ein Aufteilungsplan?


Der Aufteilungsplan wird von Statikern oder Architekten erstellt (Maßstab 1:100). Er gehört zur Teilungserklärung und enthält die Grundrisse der Wohneinheiten inklusive Abstellräume, Schnitte und Gebäudeansichten.

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Was ist bei der Bauaufsicht zu beachten?


Es bestehen gewisse Anforderungen an den Eigentümer einer Immobilie, damit diese eine Abgeschlossenheitsbescheinigung erhalten kann. Wichtig ist hierbei die Definition des Wohnraums. Als Wohnung gelten alle Räume, welche die Führung eines Haushaltes ermöglichen. Dazu zählen in jedem Fall Küche und Bad bzw. ein Raum mit Wasserversorgung, Ausguss und WC. Auch wenn einzelne Räume vorübergehend oder dauerhaft für gewerbliche oder berufliche Zwecke verwendet werden, geht dadurch die Eigenschaft als Wohnung nicht verloren. Allerdings zählen etwa Praxisräume, Werkstätten und Läden nicht zu dieser Kategorie, da sich hier die Zweckbestimmung aus der Beschaffenheit der Räumlichkeiten ergibt.

Wichtig dabei:

Die Prüfung eines Antrags für eine Abgeschlossenheitsbescheinigung erfolgt nach den Regeln des Wohnungseigentumsgesetzes – eine baurechtliche Prüfung findet nicht statt. Somit bedeutet eine Abgeschlossenheitsbescheinigung nicht gleich, dass es auch eine Baugenehmigung für das entsprechende Gebäude gibt. Ein baurechtlich nicht genehmigter Zustand wird also durch diese Bescheinigung nicht legalisiert. Die Verantwortlichkeit liegt hier beim Antragsteller, weshalb vorab stets geprüft werden sollte, ob die zu Grunde liegenden Aufteilungspläne der Räumlichkeiten mit dem tatsächlich genehmigten Zustand übereinstimmen.


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