Wann sich Pendeln wirklich lohnt

Wer in der Stadt keine bezahlbare Bleibe findet, den zieht es ins Umland. Wenn Wohn- und Arbeitsort getrennt sind, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Pendeln per Bahn oder Auto. In manchen Städten lohnt sich der Umzug besonders. Entziehen Sie dem Pendeln den Stressfaktor, dann können Sie auch die angenehmen Seiten eines Wohnens im Grünen genießen.



Rechenbeispiele für

Berlin

Düsseldorf

Frankfurt

Hamburg

München  


Städte sind beliebt. Vor allem junge Menschen wollen da wohnen, wo Arbeit, Kultur und Freizeit an einem Fleck zusammenkommen. Das Problem: Wohnen in den Schwarmstädten wird immer teurer. Deshalb zieht es junge Familien weiter in die Peripherie.


Willkommen im Speckgürtel!

Die Bevölkerung im Umland von florierenden Städten wächst stärker als in den Städten selbst. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat diesen Zusammenhang in einer Studie nachgewiesen. Beispiel Berlin: Während die Bevölkerung in der Hauptstadt zwischen 1995 und 2017 um 5,6 Prozent wuchs, legte Potsdam-Mittelmark um knapp 27 Prozent zu. Selbst im Havelland ging es um 22 Prozent nach oben.


Gründe für den Wegzug aus der Stadt


„Wenn ich schon nach draußen ziehe, muss es sich für mich auch lohnen“, denken alle, die sich selbst zu einem der rund 18 Millionen Pendler in Deutschland machen. Wenn der Job dableibt, wo man herkommt, muss das Wohnen am neuen Ort umso attraktiver werden. Statt einer kleinen Wohnung im Kiez sollte es dann schon das ersehnte Häuschen im Grünen sein, mit viel Platz, stabilen Mieten und Entfaltungsmöglichkeiten für die Kinder. Es lohnt sich, ins Umland zu ziehen, wenn die Wohnkosten signifikant geringer als in der nahen Stadt sind – und wenn die Kosten und der Zeitaufwand für die Pendelstrecke überschaubar bleiben. Das Immobilienforschungsinstitut F+B hat diese Werte für 24 deutsche Großstädte ermittelt und miteinander verglichen.


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In diesen Städten lohnt sich Pendeln finanziell


Wir haben fünf besonders lohnenswerte Beispiele herausgegriffen und in folgender Tabelle abgebildet. Wer beispielsweise aus Berlin nach Ludwigsfelde zieht, kann dort durchschnittlich 27,05 Prozent günstiger wohnen als in der Hauptstadt selbst (Vergleichsgrundlage ist eine 75m2-Wohnung mit normaler Ausstattung). Die Fahrtzeit mit dem Auto ist allerdings mit ca. 49 Minuten relativ lang, wobei hier bereits Staus mit eingerechnet sind. Der öffentliche Nahverkehr für diese Verbindung (ebenfalls inklusive der üblichen Verspätungen) funktioniert jedoch gut: 26 Minuten sind Pendler hier durchschnittlich unterwegs. Abschließend sind auch noch die Kosten fürs Auto (Annahme: VW Golf 1.6 TDI, Kosten abzüglich der Entfernungspauschale für die einfache Wegstrecke) und für den öffentlichen Nahverkehr (Monatskarte ohne Ermäßigung, hochgerechnet aufs Jahr) aufgeführt.  



Arbeitsplatz in Berlin – Wohnort in Ludwigsfelde

   
Mietkostenersparnis 27,05 % 
Fahrtzeit Auto 49 Min.
Fahrtzeit ÖPNV 26 Min.
Kosten Auto 3.858 €
Kosten ÖPNV 1.206 €


Arbeitsplatz in Düsseldorf – Wohnort in Duisburg

   
Mietkostenersparnis 39,96 %
Fahrtzeit Auto 36 Min.
Fahrtzeit ÖPNV 16 Min.
Kosten Auto 5.046 €
Kosten ÖPNV 1.312 €


Arbeitsplatz in Frankfurt – Wohnort in Maintal

   
Mietkostenersparnis 27,23 %
Fahrtzeit Auto 34 Min.
Fahrtzeit ÖPNV 23 Min
Kosten Auto 5.970 €
Kosten ÖPNV 1.635 €


Arbeitsplatz in Hamburg – Wohnort in Elmshorn

   
Mietkostenersparnis 30,09 %
Fahrtzeit Auto 49 Min.
Fahrtzeit ÖPNV 28 Min
Kosten Auto 4.650 €
Kosten ÖPNV 1.933 €


Arbeitsplatz in München – Wohnort in Dachau

   
Mietkostenersparnis 31,10 %
Fahrtzeit Auto 40 Min.
Fahrtzeit ÖPNV 15 Min.
Kosten Auto 5.706 €
Kosten ÖPNV 1.244 €


Ersparnis und Arbeitsweg: Was ist das beste Verhältnis?


Der Blick auf die Fahrzeiten zeigt deutlich: Eine gute Verkehrsanbindung ist Gold wert und sollte bei der Wohnortwahl eine große Rolle spielen. Die 19 Kilometer von Dachau nach München können dank der guten Anbindung mit der Bahn in nur 15 Minuten zurückgelegt werden. Das kann sich sehen lassen, zumal der Wohnort im Vergleich zu München durchschnittlich ein Drittel der Miete spart. Mit dem Auto ist die Strecke mit 40 Minuten gerade noch erträglich. Da wiegen die 49 Minuten von Elmshorn nach Hamburg oder Ludwigsfelde nach Berlin schon schwerer. „Kritisch wird es, wenn der einfache Arbeitsweg mehr als 45 Minuten beträgt“, erklärt Dr. Steffen Häfner, Chefarzt Verhaltensmedizin und Psychosomatik an der Deutschen Klinik für Integrative Medizin und Naturheilverfahren in Bad Elster. Dann nämlich wird der Arbeitsweg zur Geduldsprobe und Belastung.


Wann wird die Fahrtzeit zur Belastung?


Die Techniker-Krankenkasse hat untersucht, wie sich Pendeln auf die Gesundheit auswirkt. Dabei hat sich ein erstaunlicher Zusammenhang ergeben: Pendler sind statistisch gesehen seltener krankgeschrieben als Angestellte mit kurzem Arbeitsweg. Möglicherweise steckt dahinter aber auch eine statistische Verzerrung: Weil nämlich sowieso nur Menschen mit besonders guter Gesundheit Berufspendler werden, ist diese Untersuchungsgruppe insgesamt gesünder. Dafür seien Pendler häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen. Gemäß der Untersuchung „Mobilität in der Arbeitswelt“ der Techniker-Krankenkasse liegen die durch psychische Krankheiten hervorgerufenen Fehltage bei Pendlern fast elf Prozent höher als bei Arbeitnehmern ohne nennenswerte Pendlerstrecke.





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Mögliche Folgen des Pendlerlebens


Wer sich aufs Pendeln einlässt, sollte nicht nur die geringeren Wohnkosten mit den höheren Fahrtkosten und -zeiten verrechnen, sondern auch psychologische und soziale Folgen des Pendelns beachten. Wenn im Umland das Kulturangebot sehr viel schlechter ist, Freunde kaum noch besucht werden oder soziale Netzwerke in die Brüche gehen, könnte dies deutlich schwerwiegender sein als der geldwerte Vorteil. Darum gilt es, Arbeits- und Verkehrszeiten möglichst flexibel anzupassen. Zum Beispiel, indem mit dem Arbeitgeber ein Tag in der Woche Homeoffice vereinbart wird. Auch flexible Arbeitszeiten können helfen, den Verkehrsstress zu reduzieren: Eine Pendelfahrt jenseits der Rushhour kann dann regelrecht entspannend wirken.


Höhere Pendlerpauschale geplant

Im Klimapaket der Bundesregierung ist auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale enthalten. Ab Januar 2021 sollen Pendler eine höhere Pauschale von 35 statt 30 Cent in der Steuererklärung geltend machen können. Die höhere Pauschale gilt aber erst ab dem 21. Kilometer, ist also vor allem für Langstreckenpendler attraktiv. Bahnfahrten sollen durch Reduktion des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 Prozent günstiger werden, Benzin aufgrund einer CO2-Abgabe aber deutlich teurer.


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