Sollzins

Der Begriff Sollzins gibt den Wert an, mit dem eine Darlehenssumme verzinst wird, ohne aber die Darlehensnebenkosten zu berücksichtigen. Die Angabe wird im Regelfall als jährlicher Zinssatz ausgedrückt. Eine Angabe für kürzere Zeiträume ist bei einigen Darlehensarten mit geringer Laufzeit ebenfalls möglich. Darlehensnehmer müssen ihn dabei deutlich vom Effektivzins unterscheiden.

Baufinanzierungsrechner

In Deutschland legt die Preisangabenverordnung (PAnV) fest, wie beispielsweise bei Ratenkrediten der Effektivzins berechnet wird. Der Kreditnehmer soll hierdurch die Möglichkeit bekommen, verschiedene Kreditangebote wirklich realistisch miteinander vergleichen zu können. Aber auch hier sind längst nicht alle Kosten enthalten, die beispielsweise bei einer Immobilienfinanzierung anfallen können. 

Eigenschaften des Sollzinssatzes

Der Sollzinssatz wird auf die Darlehenssumme angewendet. Er ist der eigentliche Schuldendienst. Die Rückzahlung von einem Ratenkredit wird durch ihn nicht erzeugt. Er ist sozusagen die Leihgebühr für die geliehene Summe. Das Bürgerliche Gesetzbuch definiert den Sollzins in § 489 Abs. 5. Der Sollzinssatz ist gebunden (Darlehen mit festgeschriebener Zinsbindung) oder ist ein veränderlich periodischer Prozentsatz (Darlehen mit variablem Zinssatz).

Der gebundene Nominalzinssatz für den Ratenkredit kann über die gesamte Vertragslaufzeit gelten oder mehrmals vereinbart werden (entspricht der Prolongation nach Ablauf der Zinsbindung). Preisanpassungsklauseln der Kreditinstitute können dafür sorgen, dass der vertraglich vereinbarte Sollzinssatz nachträglich geändert wird. Damit reagieren Kreditinstitute auf Zinsänderungen, die die Geld- und Kapitalmärkte betreffen und geben diese an ihre Kunden weiter. Die von der Europäischen Zentralbank berechneten Referenzzinssätze, wie EURIBOR oder LIBOR, sind anerkannt. Nach § 380 Nr. 4 BGB muss diese Vereinbarung aber für den Kunden zumutbar sein.

Bei Annuitätendarlehen wird die Berechnung der Zinszahlung monatlich für das noch verbleibende Darlehen errechnet. Die zu bezahlenden Zinsen verringern sich daher jeden Monat geringfügig nach unten.

Kreditvergleich nur mit Effektivzins aussagekräftig

Mit der Angabe des Sollzinssatzes allein lassen sich Kredite nicht vergleichen. Der Sollzins im engeren Sinne ist einer der preisbestimmenden Faktoren für den Effektivzins nach § 6 Abs. 3 der Preisangabenverordnung (PAngV). Die Gesamtkosten setzen sich aus den Zinskosten durch den Sollzins zuzüglich eventueller Kosten für Provisionen, Abschluss- oder Kontoführungsgebühren zusammen. Daraus wird der Effektivzins, auch effektiver Jahreszins genannt, errechnet, der einen brauchbaren Vergleichswert darstellt.  

Dem Kreditnehmer müssen diese Kreditkosten laut PAngV ausgewiesen werden. Dementsprechend wird dem Kunden ein Durchschnittswert präsentiert, der auf zwei Drittel aller Kunden zutrifft, sodass eine Beispielrechnung vorgenommen werden kann, die die durchschnittlichen Kreditkosten repräsentiert.

Ein zunächst als niedrig empfundener Sollzins beziehungsweise Nominalzinssatz kann in der Endabrechnung teuer werden, wenn er zusätzlich durch ein Disagio bei der Auszahlung erkauft werden musste. Ein Blick auf die Kreditnebenkosten lohnt sich immer, wenn der angebotene Sollzins als sehr attraktiv erscheint. Meist sind in solchen Krediten kontinuierlich anfallende Nebenkosten vorhanden. Deshalb muss der Effektivzinssatz beziehungsweise der effektive Jahreszins stets berücksichtigt werden.

Sollzins: Wie kommt es zu dem gegenwärtig niedrigen Zinsniveau?

Ebenso wie die meisten Prozesse innerhalb der Wirtschaft wird auch der Zinssatz an den internationalen Kapital- und Hypothekenmärkten von Angebot und Nachfrage bestimmt. Vor allem große Kreditinstitute und Versicherungskonzerne, die mit Beteiligungen und Investitionen an der Börse vertreten sind, konkurrieren jeden Tag mit anderen Marktteilnehmern um günstige Zinsen zur Refinanzierung der eigenen Liquidität.

Das bedeutet konkret, dass sich auch private sowie genossenschaftlich organisierte Banken die Kreditsummen, die sie an ihre Kunden vergeben, zeitnah an den Kapitalmärkten wiederholen können. In den meisten Fällen geschieht dies durch sogenanntes Zentralbankgeld, das von den Zentralbanken der einzelnen Staaten oder von einer übergeordneten Behörde wie der Europäischen Zentralbank ausgegeben wird.

Welche Rolle spielt der Leitzins bei der Baufinanzierung?

Der Zinssatz, zu dem sich die einzelnen Kreditinstitute refinanzieren können, wird auch als Leitzins bezeichnet, da sich dieser naturgemäß auf alle anderen Zinssätze auswirkt. Gelten für die Refinanzierung der Banken also niedrige Zinssätze, so werden diese bereits nach kurzer Zeit auch an die Kunden weitergegeben – so wirkt sich ein niedriger Leitzins positiv auf die Baufinanzierung aus.

Was passiert aber mit den Zinsen für Baufinanzierungen, wenn der Leitzins wieder steigt? Tatsächlich werden Verbraucher den Anstieg schon früher zu spüren bekommen, da Banken weit vor der Änderung ihre Zinsen anheben. Grund dafür ist, dass die EZB Anpassungen des Leitzinses weit im Voraus ankündigt und sich der Markt noch vor der tatsächlichen Änderung darauf einstellt.

Europäische Zentralbank sorgt für geringe Kreditkosten

Als die Europäische Zentralbank im März 2016 ihren Leitzins auf das historische Tief von 0,00 Prozent senkte, ermöglichte das Bausparkassen, Genossenschaftsbanken, privaten Kreditinstituten und den großen, staatlich unterstützten Kreditanstalten wie der KfW folglich die günstigen Zinsen schnell an die Kunden weiterzugeben. Dabei gilt die sogenannte Fristenkongruenz, welche die Übereinstimmung der Fristen von Kapitalbindung und Kapitalüberlassung bezeichnet.

Da die meisten Kreditinstitute jedoch nicht nur Dienstleister, sondern auch börsennotiert sind, müssen sie Gewinn abwerfen und können daher lediglich einen Sollzins von unter drei bis vier Prozent anbieten. Doch selbst dieser Zinssatz ist im Vergleich eine nur selten gegebene Tiefmarke, die Verbraucher nutzen sollten, wenn sie derzeit einen Ratenkredit in Erwägung ziehen.

Zinsbindung bestimmt Zinssatz mit

Auch die Dauer der Zinsfestschreibung hat erheblichen Einfluss auf den Nominalzinssatz beziehungsweise Effektivzins: Je länger der Zeitraum für die Tilgung und damit auch die Planungssicherheit festgelegt werden, desto höher wird die Verzinsung. Bei Immobilienkrediten können Kreditnehmer zwischen flexiblen Zinsen, also einer stetigen Anpassung an die aktuellen Konditionen, sowie einem fixen effektiven Jahreszins entscheiden, der bis zum Ablauf der Zinsbindungsfrist bestehen bleibt.

Entscheidend für die Zinsbindungsfrist ist das aktuelle Zinsniveau: Niedrige Zinssätze legen eine langfristige Bindung nahe, um sich den günstigen Effektivzins zu sichern. Bei einem hohen Zinssatz hingegen sollten Kunden sich für eine kurze Zinsbindungsfrist entscheiden, um kurzfristig günstige Konditionen wahrnehmen zu können. Auch hierbei ist neben dem Nominalzins insbesondere der Effektivzins zu berücksichtigen, um die Kreditkosten in Gänze zu ermitteln.

Weitere Faktoren, die die Zinsentwicklung beeinflussen können

Neben dem allgemeinen Zinsniveau ist der Nominalzins schließlich auch abhängig von der jeweiligen Kreditform. Weil ein Immobilienkredit stets an den vorhandenen Sachwert gekoppelt ist und damit eine hohe Sicherheit aufweist, fällt dieser günstiger aus, als etwa bei einem Dispolimit. In letzterem Fall bilden lediglich die regelmäßigen Einnahmen die Grundlage für eine gewährte Überziehungslinie, der Nominalzinssatz gestaltet sich dementsprechend höher.

Schließlich kann der Nominalzins auch von der individuellen Bonität des Kreditnehmers abhängen, sollte dieser sich für ein entsprechendes Angebot mit einem bonitätsabhängigen Nominalzinssatz entscheiden.

Wer profitiert am meisten von den Zinskonditionen?

Gegenwärtig profitieren vor allem junge Familien, Freiberufler und Arbeitnehmer mit einem vergleichsweise geringen Einkommen von den aktuellen Zinskonditionen für einen Ratenkredit. Einerseits können Annuitätendarlehen und Bausparverträge mit langen Zinsbindungsfristen gegenwärtig zu einem niedrigen Effektivzins abgeschlossen werden. Andererseits sorgen die niedrigen Zinsen auch für eine Diversifikation auf dem Markt für Darlehen, Bausparverträge und Sofortkredite.

Das hat zur Folge, dass der Kunde bei vielen Kreditgebern aus einem großen Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten für alle möglichen Belange wählen kann. Flexible Tilgungsraten und Auszahlungsintervalle, Möglichkeiten für Sondertilgungen, aber auch für vorteilhaft verzinste Anschlussfinanzierungen werden nicht selten auch ohne zusätzliche Bearbeitungsgebühren angeboten. Damit gestaltet sich auch der Effektivzins als niedriger, sodass historisch niedrige Kreditkosten entstehen.

Welche Vorteile hat der niedrige Leitzins für die Baufinanzierung?

Das niedrige Zinsniveau hat für Kreditnehmer also gleich mehrere Vorteile, die ineinandergreifen. Es ist daher kein Zufall, dass auch der Bundesverband deutscher Banken gegenwärtig dazu rät, eine bereits geplante Baufinanzierung noch in Angriff zu nehmen, bevor die Zinsen wieder ansteigen. Zwar sollte auch hier noch eine gut durchdachte Planung stattfinden, doch insbesondere derjenige, der ein Bauvorhaben zur Werterhaltung verfolgt, ist gut beraten, den aktuell niedrigen Leitzins für die Baufinanzierung zu nutzen und die zahlreichen Angebote auf dem Markt miteinander zu vergleichen. 

Wie lassen sich Angebote schnell miteinander vergleichen?

Für den Vergleich unterschiedlicher Kreditangebote ist zunächst der Effektivzins zu ermitteln. Dieser berücksichtigt im Gegensatz zum Nominalzinssatz auch die Kreditnebenkosten, die durch Bereitstellungszinsen, Bearbeitungsgebühren und andere, oft unterschätzte Belastungen während der gesamten Laufzeit entstehen können.

Effektivzins der unterschiedlichen Angebote vergleichen

Per Gesetz sind Kreditinstitute grundsätzlich jedoch dazu verpflichtet, in ihren Vertragsangeboten neben dem Nominalzins auch den Effektivzins anzugeben. Der Verbraucher sollte demnach vor allem die Kreditinstitute in seiner Region konsultieren und unverbindliche Beratungsgespräche bei mehreren Anbietern wahrnehmen, um viele verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten und Effektivzinssätze vergleichen zu können.

Ratenkredit-Finanzierung rechnerisch im Detail ermitteln

Wer darüber hinaus noch andere Aspekte einer Baufinanzierung im Detail erörtern möchte, kann auf einen der zahlreichen Baufinanzierungsrechner von ImmobilienScout24 zurückgreifen. Neben einem Haushaltsrechner und Tilgungsrechner können hier auch das in die Finanzierung einfließende Eigenkapital mit dem Eigenkapitalrechner oder monatliche Belastungen kalkuliert werden.

Das frühzeitige Ausloten des eigenen finanziellen Spielraums ermöglicht bei dem jeweiligen Kreditgeber eine Verhandlung auf Augenhöhe. Deshalb ist es stets von Vorteil, alle relevanten Aspekte für den geplanten Ratenkredit zu berücksichtigen, immer unter der Berücksichtigung der Unterscheidung von effektivem Jahreszins und Nominalzins.


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Vergleichen lohnt sich. Das gilt insbesondere für die Finanzierung einer Immobilie.