Effektivzins

Als Effektivzins bezeichnet man häufig den effektiven Jahreszins beziehungsweise den effektiven Jahreszinssatz. Der Effektivzins steht damit für die jährlichen Gesamtkosten eines Darlehens und wird dementsprechend in Prozent angegeben. Anders verhält es sich bei Krediten, deren Zinssatz sowie andere preisbestimmende Aspekte sich im Laufe der Kreditauszahlung ändern können. Sie werden als anfänglicher effektiver Jahreszinssatz bezeichnet. Zu den wichtigsten bestimmenden Faktoren des Effektivzinssatzes zählen der Auszahlungskurs (Disagio), die Zinsfestschreibungsdauer, der Nominalzinssatz sowie der Tilgung.

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Welche Faktoren bestimmen den Effektivzins?

Finanzierende Institute sind nach §§ 6, 6a Preisangabenverordnung (PAngV) verpflichtet den effektiven Jahreszins und dessen Berechnungsmethode, inklusive der darin enthaltenen Kostenbestandteile, anzugeben. Dies soll dem Verbraucher ermöglichen zur Entscheidungsfindung verschiedene Kredite miteinander vergleichen können. Der Effektivzins wird vom Nominalzinssatz, dem Disagio oder Auszahlungskurs, dem Agio oder Ausgabeaufschlag, der Bearbeitungsgebühren sowie Kreditvermittlungskosten, etwaiger Prämien für Restschuldversicherungen und der Tilgung sowie der Dauer der Zinsfestschreibung bestimmt. Bei Bauspardarlehen wird noch zusätzlich die anteilige Abschlussgebühr für den Darlehensanteil und eine eventuell anfallende Darlehensgebühr mitberücksichtigt.

Berechnung des Effektivzinses

Die simpelste Methode um den Effektivzins zu berechnen, ist die Uniform-Methode. Dabei werden die Kreditkosten durch den Nettodarlehensbetrag geteilt und multipliziert mit dem Wert des Quotienten aus 24 geteilt durch die Laufzeit in Monaten plus einem zusätzlichen Monat. Um den Effektivzins in Prozent zu erhalten, muss das entstandene Produkt nun mit 100 multipliziert werden.

Berechnung des „neuen“ Effektivzinses

Die Umsetzung der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie, welche für bessere Transparenz und Vergleichbarkeit der Kreditangebote sorgen sollte, hat jedoch ihr Ziel verfehlt. Bei Baufinanzierungen laufen die Kredite in der Regel nicht bis zu ihrer vollständigen Tilgung, sondern es werden individuelle Zinsbindungen mit unterschiedlicher Laufzeit vereinbart, die anschließend prolongiert werden. Der „neue“ Effektivzins muss jedoch über die gesamte Kreditlaufzeit berechnet werden. Dafür kann das Kreditinstitut zwei unterschiedliche Zinssätze (vereinbarter Sollzinssatz oder Sollzinssatz für variable Darlehen) verwenden, da es den zukünftigen Zinssatz, nach Ende der Zinsbindung nicht wissen kann. Dieser Zinssatz kann somit sogar unter dem Nominalzins liegen. Für den Darlehensnehmer ist der Vergleich unterschiedlicher Angebote fast unmöglich und es empfiehlt sich den Effektivzins selbst zu berechnen.

Bedeutung des Effektivzinssatzes

Am wichtigsten ist der Effektivzins zum Vergleich verschiedener Kredite. Erst durch die Ermittlung aller tatsächlich anfallenden Kosten, können Kreditangebote verschiedener Banken effektiv verglichen werden. Zwar liegt der Effektivzins dadurch oft wesentlich über dem Nominalzins, jedoch zeigt er Bankkunden schwarz auf weiß, mit welchen Kosten sie in etwa zu rechnen haben. Da also nur der Effektivzins Aussage über die Kreditkosten treffen kann, ist er für die Ermittlung des besten Kreditangebotes unerlässlich. 

Vorsicht: Zusätzliche Kosten

Zwar trifft der Effektivzins eine wesentlich genauere Aussage über die tatsächliche Kostenhöhe eines Kredites, jedoch kann er nicht alle Kosten miteinbeziehen. Extrakosten wie Kontoführungsgebühren oder Gebühren für Sondertilgungen werden nicht beachtet. Auch die Kosten für eine möglicherweise nötige Kreditversicherung können bei der Berechnung des Effektivzins nicht einkalkuliert werden und sollten deswegen vor dem Abschluss eines Kreditvertrages eingehend geprüft werden.

Wodurch kommt der gegenwärtig niedrige Effektivzins zustande?

Wie viele Prozesse in der Wirtschaft, werden auch die Zinssätze auf dem Kapital- und Hypothekenmarkt von Angebot und Nachfrage bestimmt. Insbesondere Kreditinstitute, die mit Investitionen und Firmenanteilen an der Börse vertreten sind, befinden sich in einem täglichen Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um möglichst günstige Zinsen für die Refinanzierung zu erhalten. Damit ist der Ausgleich des Liquiditätsabflusses gemeint, der durch die Gewährung eines Geldkredites an den Kunden für die Bank entsteht. In der Regel muss dieser zeitnah ausgeglichen werden, um eine finanzielle Schieflage des Instituts zu verhindern.

Unter Wahrung der sogenannten Fristenkongruenz ist die Bank also dazu verpflichtet, das als Kredit vergebene Buchgeld durch die Beschaffung von Zentralbankgeld wieder einzuholen. Diese Form der Refinanzierung gilt auch als aktivische Form der Refinanzierung. Wenn die Europäische Zentralbank also, wie im März 2016 geschehen, ihren Leitzins auf ein historisches Tief von 0,00 Prozent senkt, so hat dies weitreichende Folgen für Bauherren und Kreditinstitute gleichermaßen.

Bedingt dadurch, dass sich Privatbanken und Bausparkassen über die Zentralbanken gegenwärtig zu sehr günstigen Konditionen refinanzieren können, werden diese Konditionen auch zu großen Teilen an den Verbraucher weitergegeben. Zwar erhalten Privatpersonen kein Zinsniveau von 0,00 Prozent, doch Werte von weniger als 3 Prozent gelten mittlerweile als Standard in der Branche, zumindest bei Darlehen die für Bauvorhaben genutzt werden. So ergeben sich gegenwärtig nicht nur für Verbraucher mit einem hohen Einkommen sehr gute Perspektiven für die Realisierung eines Eigenheims. Auch Menschen mit einem vergleichsweise geringen Eigenkapital können sich in der aktuellen Niedrigzinsphase attraktive Konditionen für die eigene Baufinanzierung sichern. Nicht umsonst rät ebenso der Bundesverband deutscher Banken dazu, geplante Bauvorhaben und die damit oft einhergehende Werterhaltung des eigenen Vermögens vorzugsweise früher statt später in die Hand zu nehmen – mit günstigeren Zinsen und einem derart diversifizierten Finanzierungsangebot ist in naher Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr zu rechnen.

Was ist beim Vergleich verschiedener Angebote zu beachten?

Um den Effektivzins bei Inanspruchnahme des Kredits genau berechnen zu können, benötigt der Darlehensnehmer zuvor einen möglichst ausführlichen Finanzierungsplan des eigenen Bauvorhabens. Unter Berücksichtigung von bereits genannten Faktoren wie der Art der Tilgungsverrechnung, Tilgungsfreijahren und Sondertilgungen sowie den Darlehens- und Bearbeitungsgebühren kann der Effektivzinssatz so relativ genau ermittelt werden und ermöglicht auf diese Weise den Vergleich unterschiedlich gestalteter Darlehen und Anlagen. Dabei ist zu beachten, dass der Effektivzins zwar mehr Parameter umfasst, als der Nominalzins, doch auch hier nicht alle Kosten Berücksichtigung finden.

Um einen möglichst objektiven Vergleich anstellen zu können, sollten also zusätzlich noch Wertermittlungsgebühren, Taxkosten, Bereitstellungszinsen sowie mögliche Zuschläge für Teilauszahlungen und Kontoführungsgebühren in die allgemeine Planung der Baufinanzierung einfließen. Wichtig ist hierbei zusätzlich: Auch wenn weitgehende Sicherheit über die geplante Baufinanzierung besteht, sollte sowohl der Eigenkapitalanteil, als auch die Höhe des Darlehens etwas größer ausfallen, als berechnet. Einerseits ermöglicht ein Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent der Darlehenssumme deutlich günstigere Nominalzinsen, womit auch der Effektivzins fällt. Andererseits können unvorhergesehene finanzielle Engpässe mit einer zuvor ausreichend hoch vereinbarten Darlehenssumme schnell bewältigt werden oder tauchen erst gar nicht auf, wodurch eine kostspielige Zwischenfinanzierung zu meist erheblich schlechteren Zinskonditionen vermieden werden kann.

Zudem trat am 11. Juni 2010 eine neue Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft. Sollte zum Ende der Zinsbindungsfrist Uneinigkeit über das weitere Vorgehen zwischen Darlehensnehmer und Darlehensgeber herrschen, so ist der aktuelle Zinssatz für variabel verzinsbare Darlehen dem Kreditvertrag zugrunde zu legen. Dieser liegt in vielen Fällen unter dem Zinssatz während der vereinbarten Zinsbindungsdauer, wodurch sich nicht selten auch ein Effektivzins ergibt, der niedriger als der Sollzins ausfällt.

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