Lexikon Baufinanzierung
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Wertermittlungsgebühren

Wertermittlungsgebühren stellen die Kosten dar, die ein Gutachter für die Ermittlung des Wertes einer Immobilie verlangt. Bis zum Jahr 2007 war die Erstellung eines Wertermittlungsgutachtens obligatorisch, um eine Immobilie über eine Bank zu finanzieren.

Am 24.04.2007 wurde vom Landgericht Stuttgart entschieden, dass die Bank diese Schätzungen im eigenen Geschäftsinteresse wahrnimmt, diese außerdem eine gesetzliche Pflicht sind und daher nicht dem Kunden aufgelastet werden dürfen (AZ: 20 O 9/07). Dieses Urteil wurde kurz danach in der Berufung vom Oberlandesgericht Stuttgart und am 05. November 2009 auch vom Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigt (AZ: I U 17/09). Damit sparen Verbraucher nun bis zu 0,5 Prozent der Darlehenssumme – dies war ein durchaus üblicher Anteil. Das können je nach Fall durchaus mehrere Hundert bis etliche tausend Euro sein. Im Übrigen gilt diese Regelung nicht nur für Hauseigentümer, sondern für jede Art von Darlehensvertrag.

Verdeckte Kosten bei Wertermittlungsgebühren

Vor der neuen rechtlichen Regelung im Jahr 2007 waren die Kosten dem Darlehensnehmer nicht sofort offensichtlich. Die Bank zog sie nämlich sofort von dem gewährten Darlehen ab. Vermerkt waren diese Kosten im Vertrag unter verschiedenen Bezeichnungen wie beispielsweise „Schätzkosten“ – und wurden dementsprechend oft übersehen. Nach der neuen Regelung zu den Wertermittlungsgebühren sollen auch die oft horrend hohen Bearbeitungsgebühren stärker reglementiert werden. Wer trotz neuer Regelung bereits Wertermittlungsgebühren bezahlt hat, kann sein Geld unter Umständen zurückfordern. Die jeweilige Verbraucherzentrale verschickt bei  Bedarf entsprechende Musterbriefe. Allerdings ist die Verjährungsfrist für Altfälle nicht restlos gesichert. Die Frist beträgt nach Kenntnisnahme drei Jahre, andernfalls zehn Jahre. Zahlungen, die vor dem 1. Januar 2007 erfolgten, müssen daher im Einzelfall geklärt werden. Falls sich die Bank mit diesem gern vorgeschobenen Argument weigert, bleibt Verbrauchern nur der Weg zum Anwalt.

Wertermittlungsgebühren aktuell

Mittlerweile ist es in der Bundesrepublik durchaus üblich, dass sich die beteiligten Vertragsparteien vor Abschluss des Darlehensantrages auf eine individuell-praktikable Übereinkunft einigen. Veranschlagen Bausparkassen und Kreditinstitute, die die entsprechende Immobilie finanzieren, trotz der neuen Gesetzgebung entsprechende Kosten, so ist diese Praxis heutzutage als eindeutig rechtswidrig zu werten. Anders als im rein mathematischen Bereich spielt die Schätzung bei der Wertermittlungsgebühr eine wichtige Rolle. Der Wert ist keine schlicht mathematisch zu ermittelnde Größe. Unterschiedliche Gutachter werden somit oftmals zu verschiedenen Ergebnissen gelangen. Experten sprechen daher von einer anzunehmenden Genauigkeit von etwa ± 10 Prozent.  

Die Grundstücksbewertung

Die sogenannte Wertermittlungsgebühr fällt, wie bereits oben erwähnt, für die Bewertung eines Grundstückes an. Veraltet wird diese Bewertung auch Güterabschätzung genannt. Die Grundstücksbewertung ist damit ein rechtlich geregeltes Verfahren, dass sowohl auf bebaute als auch unbebaute Grundstücke angewendet wird. Hierbei kommen fundierte juristische, betriebswirtschaftliche sowie bautechnische Kenntnisse zum Einsatz, um den Verkehrswert für eben jene bebauten beziehungsweise unbebauten Grundstücke festzulegen. Dies geschieht an einem bestimmten Verkehrswert während des alltäglichen Geschäftsverkehrs. Zweck der Grundstücksbewertung ist beispielsweise:

  • der Verkauf des Grundstückes
  • Ermittlung des sogenannten Zugewinns im Falle einer Scheidung
  • die Grundbesitzwertfeststellung

 

International kommen bei der Grundstücksbewertung unter anderem die sogenannte Discounted Cash-Flow-Methode (kurz: DCF), der Appraisal Approach sowie die Monte-Carlo-Simulation zur Anwendung.