Bauwich

Abstand halten

Das altertümliche Wort Bauwich bezeichnet den Abstand zwischen Grundstücken, der nicht bebaut werden darf. Bauherren müssen ihn in ihrer Planung unbedingt berücksichtigen.

Bauwich ist eine Begrifflichkeit, die nicht mehr in aller Munde ist. In einigen Bundesländern wird sie jedoch noch verwendet. Für die Immobilienbewertung spielt der Bauwich eine wichtige Rolle. Er bezeichnet den Abstand zwischen mehreren Liegenschaften und Grundstücken. Diese Fläche darf nicht bebaut werden. Bevor die Immobilie gebaut wird, sollte sich der Immobiliengutachter einen Überblick in der Liegenschaftskarte verschaffen. Daraus wird auch ersichtlich, wie der Bauwich bemessen wird und welche Fläche vom neuen Bauherren auf keinen Fall bebaut werden darf.

Verschiedene Bauwich-Arten

Der Bauwich als Abstandsfläche ist für mehrere bauliche Aspekte relevant. Je nach Bauweise müssen unterschiedliche Richtlinien beachtet werden. Sowohl in der offenen Bauweise bei einzeln stehenden Häusern oder Häuserpaaren als auch an den Enden von Häusergruppen oder -reihen ist der Bauwich vorgeschrieben. Normalerweise bewegt sich der Bauwich zwischen drei und sechs Metern und wird aus der Höhe und Tiefe des betreffenden Gebäudes berechnet. Wichtig ist bei der Abmessung, dass als Bezugspunkt immer die Grundstücksgrenze gilt. Da der Bauwich jedoch heutzutage in den meisten Bundesländern in die Begrifflichkeit der Abstandsflächen fällt, werden nicht nur die Abstände zwischen den Gebäuden bzw. den Liegenschaften geregelt, sondern alle Abstände, die ein Bauherr bei der Bebauung seines Grundstückes einzuhalten hat.



Warum der Bauwich eingehalten werden muss

Der Bauwich hat nicht etwa zum Ziel, einem Bauherrn wertvolle Nutzfläche zu nehmen. Zum einen ist der Bauwich wegen des Brandschutzes wichtig, zum anderen geht es dabei um den individuellen Lichtbedarf des Nachbarn. Stehen zwei Gebäude zu nahe aneinander und wurde der Abstand zum Grundstück/Gebäude des Nachbarn nicht eingehalten, dann wird die Sicht des Nachbarn stark beeinträchtigt. Wer sich nicht an diese Richtlinien hält, der verstößt gegen bundesdeutsches Baurecht. Der Gutachter hat seinen Auftraggeber also aufzuklären, wie viel Platz ihm für den Bau zur Verfügung steht. Der Bauwich ist jedoch nicht in allen Bundesländern gleich. Die Regelung unterliegt den einzelnen Ländern, weshalb es auch verschiedene Abstände beim Bau eines Gebäudes einzuhalten gilt. 
Der Bauwich bezieht sich immer auf den seitlichen Abstand, der zwischen zwei Gebäuden zwingend vorherrschen muss. Der durch den Bauwich geregelte Abstand zweier Liegenschaften zueinander wirkt sich nicht nur positiv auf die Beleuchtungsbedürfnisse aus, auch die Belüftung erfährt durch die Einhaltung des Abstandes eine positive Veränderung.

Die Bebauungsdichte bestimmt den Bauwich

Der vorgeschriebene Bauwich eines jeden Bundeslandes ist in den jeweiligen landesrechtlichen Bauordnungen festgeschrieben. Da die deutschen Bundesländer unterschiedliche natürliche Beschaffenheiten aufweisen, unterschiedlichen Witterungen ausgesetzt sind und ihre Infrastrukturen stark variieren können, muss der Bauwich stets individuell geregelt werden. Je nach Bebauungs- und Bevölkerungsdichte kann der Bauwich weiter oder enger angesetzt werden. Da der Bauwich auch einen Sozialabstand bedeutet, ist er in Regionen mit hoher Bevölkerungs- und Baudichte unbedingt einzuhalten. Durch zu enge Bauweise könnte die Sozialverträglichkeit gefährdet und das Privatleben der Immobilienbewohner eingeschränkt werden. Ähnliches gilt auch für Bauten auf Industriegeländen. Um die Gefahr übergreifender Brände gering zu halten, ist der Bauwich in diesen Gebieten möglichst groß zu halten, um Betriebe und Arbeiter zu schützen.

Ausnahmen

Es gibt einige wenige Bebauungen, die trotz der Bauwich-Regelung möglich sind. Kleine Gartenhäuschen und Garagen dürfen in den meisten Bundesländern trotz Abstandsregelungen erbaut werden. Weiterhin kann zwischen den Besitzern von Grundstücken eine Abstandsflächen-Übernahmeerklärung geschlossen werden. Diese kann den einvernehmlichen Beschluss festhalten, dass der bauende Nachbar beim Bau auf das Nachbargrundstück zugreifen und dieses nutzen darf. Da dieses Vorgehen den Bauwich einschränkt, bedarf es der Zustimmung des eingeengten Nachbarn. Angewendet wird dies beispielsweise bei gemeinschaftlich genutzten Bauwerken wie größeren Garagen, Schwimmbädern und ähnlichen Gebäuden.