Immobilienindex - Expertenkommentar

"Viele Eigentümer überschätzen den Immobilienwert“

Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24, erläutert die jüngsten Marktentwicklungen und gibt eine Prognose für die Zukunft ab.

Rückblick auf die Preisentwicklung der vergangenen 10 Jahre


Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24.

Seit zehn Jahren veröffentlicht ImmobilienScout24 basierend auf Angebotsdaten den Immobilienpreisindex IMX. Ein Rückblick auf die Preisentwicklung in den deutschen Metropolen zeigt: Von 2007 bis 2017 ist bei den Mieten ein Anstieg um 30 Prozent zu beobachten. Während die Kaufpreise für Bestandswohnungen bis Februar 2010 rückläufig waren, setzte über die vergangenen sieben Jahre ein langanhaltender Wachstumsprozess ein. Im bundesdeutschen Durchschnitt stiegen die Preise um 70 Prozent. Die gleiche Preiserhöhung ist bei Neubauwohnungen zu erkennen. Die Preissteigerungen werden insbesondere durch die Wohnungsmärkte in Berlin, München, Hamburg, Frankfurt und Köln getragen. In diesen Städten haben sich die Preise am deutlichsten erhöht. Der Quadratmeterpreis einer 3-Zimmer-Neubauwohnung mittlerer Ausstattungsqualität betrug in Berlin im Jahr 2007 etwas mehr als 2.000 Euro. Heute, zehn Jahre später, hat sich der Quadratmeterpreis für eine vergleichbare Wohnung mit rund 3.900 Euro nahezu verdoppelt.



Preisaufschläge bei Bestandswohnungen am größten

Noch extremer sind die Preissteigerungen bei den Bestandswohnungen. In diesem Segment haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Die höchste Preissteigerung ist dabei in München zu sehen. Kaufinteressenten müssen für eine Neubauwohnung mit mittlerer Ausstattungsqualität inzwischen über 7.500 Euro pro Quadratmeter zahlen. Bei den Bestandswohnungen sind es mehr als 5.000 Euro.

Ein Ende dieser Preissteigerungen ist in keiner der Top5-Städte in Sicht. Der Grund: Sehr niedrige Zinsen fördern eine hohe Nachfrage in den Städten nach Kaufimmobilien. Viele Menschen in der Phase der Familiengründung erwerben Eigentum in zentralen innerstädtischen Lagen, um sich wiederum von steigenden Mieten unabhängig zu machen und Kapital sicher anzulegen.

Ob und wann die zu erwartende Zinswende in der europäischen Union eintritt, und ob sie zu Preiskorrekturen führt, ist aktuell nicht vorhersehbar. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass die Zinswende dem Interesse der Nachfrager am Wohnen in zentralen Lagen keinen Abbruch tun wird.


Kurzporträt von Jan Hebecker

Jan Hebecker leitet seit nunmehr über vier Jahren den Bereich Daten & Märkte bei ImmobilienScout24. Gemeinsam mit seinem Team kümmert er sich um die Aufbereitung und Analyse des täglich anfallenden Datenmeers. Mit Hilfe modernster statistischer Methoden und innovativen Technologien werden dank seiner Arbeit aus einfachen Klicks auf dem Portal wertvolle Marktinformationen. Als Marktplatz, der Angebot und Nachfrage nach Immobilien zusammen führt, dokumentiert ImmobilienScout24 Wechselwirkungen zwischen beiden in Echtzeit. Diese Daten stellt das Portal in verschiedenster Form der Öffentlichkeit zur Verfügung und leistet somit einen wertvollen Beitrag zur Transparenz im deutschen Immobilienmarkt.

Jan Hebecker studierte Geographie an der Humboldt-Universität Berlin sowie an der Johannes Guttenberg Universität zu Mainz. Erste praktische Erfahrungen konnte er als Projekt-Manager bei Daimler Real Estate sammeln. Danach arbeitete er am Lehrstuhl für kommunale und regionale Planung der Universität Giessen bevor er 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum IfS Institut für Stadtforschung & Strukturpolitik nach Berlin wechselte. Seit 2012 hilft er bei ImmobilienScout24 dabei, den wertvollen Datenschatz des Unternehmens zu heben und die darin enthaltenen Informationen nutzbar zu machen.

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