Die Wohnung ist gefunden, nun muss der Umzug geplant werden – in Zeiten von COVID-19 geht das nur mit Umzugsunternehmen. Der Umzugsberater Johannes Wörle erklärt im Interview was man beachtet muss und spricht über Planungsfehler und Umzugskrisen.



Herr Wörle, wann sind Sie zum letzten Mal umgezogen? Wie ist es gelaufen?

Mein eigener Umzug ist schon einige Jahre her. Es ist eigentlich gut gelaufen, da ich alles geplant hatte. Nur meine eigene Zeit zum Einpacken und Aussortieren habe ich ein wenig unterschätzt. So geht es auch vielen meiner Kunden.  

Für die Wohnungssuche nehmen sich die Menschen gerne viel Zeit. Der konkrete Umzug wird dann oft zu kurzfristig angegangen.

Ja, und das macht alles tendenziell teurer, weil zum Beispiel die Umzugsfirmen nur noch wenige Kapazitäten frei haben – wie in der Urlaubszeit.

Wie früh sollte die Planung beginnen?

Wenn man neue Möbel oder eine neue Küche plant, ist unter Umständen mit Lieferzeiten von mehreren Monaten zu rechnen. Umzugsfirmen benötigen in der Regel drei bis vier Wochen Vorlaufzeit. Man braucht vielleicht auch Zeit, um rechtzeitig einen Nachmieter zu finden.


"Im eigenen Interesse sollte man seinen Helfern kein Bier anbieten. Professionellen Umzugsmitarbeitern ist der Genuss von alkoholischen Getränken ohnehin untersagt. "


Und wann beginnt das Einpacken?

Umzugskartons besorgt man sich am besten schon ein oder zwei Monate vor dem Umzug. So hat man genügend Zeit, um auszusortieren und Stück für Stück einzupacken. Damit man nicht das unangenehme Gefühl bekommt, etwas Wichtiges vergessen zu haben, empfiehlt sich die Verwendung von Checklisten.

Stichwort Aussortieren: Müssen Sie manchmal Überzeugungsarbeit leisten, damit sich Ihre Kunden von Besitz trennen?

Vielen Menschen wird erst durch die Planung des Umzugs bewusst, wieviel sie eigentlich besitzen und wovon sie vieles gar nicht mehr benötigen. Ordnung hat nicht nur einen wesentlichen Einfluss auf unsere Zeit, sondern auch auf unsere Gedanken und innere Freiheit.

Ich höre oft Aussagen wie: „Ich müsste endlich mal den Schrank ausmisten“ oder „Diese ganzen Bücher lese sie wahrscheinlich nie wieder“. Letztendlich geht dann doch das Meiste nochmal mit. Ich empfehle immer alles was seit Monaten oder Jahren in unausgepackten Kartons liegt, ungesehen wegzuwerfen. Die Sachen braucht man einfach nicht mehr.

Laut einer Umfrage der Deutschen Post aus dem Jahr 2018 nutzen nur 16 Prozent aller Deutschen einen Dienstleister für Umzüge. Anscheinend reicht den meisten ein gemieteter Transporter, ein paar Freunde, belegte Brötchen und ein Kasten Bier.  

Im eigenen Interesse sollte man kein Bier anbieten. Professionellen Umzugsmitarbeitern ist der Genuss von alkoholischen Getränken ohnehin untersagt. Ich hatte auch schon Kunden, die festgestellt haben, dass Freunde plötzlich verhindert waren, als diese erfuhren, dass die neue Wohnung im 4. Stock liegt und es keinen Aufzug gibt. Aber es sind auch viele wichtige Details und Fallstricke zu berücksichtigen, die einen Umzug schnell zur Katastrophe werden lassen.

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Sollte man Dienstleistern also mehr anvertrauen?

Ein Umzug wird generell unterschätzt und manch einer glaubt, es ginge nur darum, ein paar Kartons und Möbel von A nach B zu transportieren. Das mag bei einer kleinen Studentenwohnung noch funktionieren, aber bei einem kompletten Haushalt und über größere Strecken wird es schon schwieriger.

Ab welcher Haushaltsgröße sollte man ein Umzugsunternehmen beauftragen?  

Das hängt natürlich immer von dem Budget und der verfügbaren Zeit ab. Bei Fern- und Auslandsumzügen lohnt sich das schon bei einer kleinen Wohnung oder beim Teilumzug. Hier gibt es kostengünstige Beilademöglichkeiten. Auch bei Umzügen innerhalb einer Region macht es in der Regel ab einer Zweizimmerwohnung Sinn, ein Umzugsunternehmen zu beauftragen.

Es besteht ja oft ein gewisses Misstrauen gegenüber Umzugsunternehmen. Was gibt es für Anzeichen, bei denen ich schnell das Weite beziehungsweise eine andere Umzugsfirma suchen sollte?

Bei Firmen, die mit sehr niedrigen Stundensätzen werben, sollte man vorsichtig sein. Ebenso sind Pauschalangebote ohne vorherige Besichtigung oder Volumenschätzung und Aufnahme des Leistungsumfangs häufig Mogelpackungen. Ein billiges Angebot kann einem letztlich teuer zu stehen kommen.

Was ist der Vorteil einer persönlichen Umzugsberatung?

Eine Wohnung ist so individuell wie Ihre Bewohner, daher ist auch kein Umzug wie der andere. Es gibt persönliche Befindlichkeiten und äußere Umstände, die in keiner Online-Liste aufgeführt sind. Bei anderen Entscheidungen wie Immobilien oder Finanzen verlässt man sich ja auch immer noch gerne auf persönliche Beratung und Vermittlung. Nicht nur weil es bequemer ist, sondern weil es Sicherheit gibt.


"Ab einer Zweizimmerwohnung macht es in der Regel Sinn, ein Umzugsunternehmen zu beauftragen."


Ist es üblich, professionellen Umzugsmitarbeitern Snacks und Getränke anzubieten?

Bereitstellung von Kaffee und Wasser sollten Standard sein, um die Wertschätzung für die meist hart arbeitenden Umzugshelfer auszudrücken. Bevor man Essen besorgt oder einen Imbiss zubereitet, sollte man sich am besten mit dem Teamleiter abstimmen. Nicht jeder mag Fleischwurst oder Leberkäs.

Wie viel Trinkgeld ist angemessen?

Das ist immer Ermessenssache. 10 bis 20 Euro pro Mann und Tag sind üblich. Man kann es auch insgesamt dem Teamleiter geben. Viele Kunden geben einen Teil bei Umzugsbeginn zur Motivation und den Rest bei erfolgreichem Abschluss.

Welche Besonderheiten muss ich bei einem Umzug mit einem Haustier beachten?

Idealerweise bringen Sie das Tier ein bis zwei Tage vor dem Umzug in ein Ferienquartier und holen es erst wieder, wenn die alte Ordnung hergestellt ist. Ein Transport im LKW ist nicht zulässig, den würden viele Tiere auch gar nicht überleben.

Umzüge sind anstrengend, teuer und oft geht auch noch etwas kaputt (frei nach Benjamin Franklin: „Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt.“). Was sind die positiven Seiten an einem Umzug?

Wir verlassen Gewohntes und Vertrautes mit seinen guten und schlechten Seiten. Ein Umzug bringt einen Neustart, einen neuen Lebensabschnitt mit der Chance, einiges im Leben auch zu verbessern.

Empfehlen Sie ein Einzugsritual?

Machen Sie lieber eine Auszugsparty. So kann man sich vom alten Zuhause verabschieden und mit Schwung den neuen Lebensabschnitt starten.

Die 5 Tipps vom Umzugsexperten

1. Rechtzeitig mit der konkreten Planung beginnen und Checklisten verwenden.

2. Kräftig ausmisten und entrümpeln. Was seit einem Jahr ungenutzt im Keller steht, kann weg.

3. Umzugsberatung in Anspruch nehmen. Die Vorab-Besichtigung und Beratung sind in der Regel kostenlos.

4. Richtig packen und Schäden vermeiden. Möchte man aus Kostengründen selbst   packen sollte man sich bei großen und teuren Gegenständen vorher durch Ratgeber informieren.

5. Sparen – aber an der richtigen Stelle und nicht beim Verpackungsmaterial. Es gibt auch bei privat veranlassten Umzügen Steuersparmöglichkeiten. Stichwort: haushaltsnahe Dienstleistungen.



Der Frankfurter Johannes Wörle organisiert seit 25 Jahren Umzüge. Er hält Seminare und übernimmt für Firmen und größere Organisation das komplette Relocation-Management.

Gerade Privatumzüge bergen für ihn besondere Geschichten: „Mit manchen Kunden verbringe ich viel Zeit, mache Behördengänge und übernehme alles Organisatorische bis zur Hausauflösung. Häufig sind Trennung, Scheidung oder ein Todesfall der Grund des Umzugs. Dann sind die Umziehenden dankbar, wenn ich ihnen in dieser emotionalen Lebenssituation praktische Hilfe biete.“


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