Städteranking 2019:

Berlin erstmals dynamischste Stadt Deutschlands, ostdeutsche Städte mit uneinheitlicher Entwicklung, Autostädte sacken deutlich ab




Berlin, 21. November 2019. Wo stehen die deutschen Großstädte in puncto Standortqualität, Wirtschaftskraft und Zukunftsperspektive?

WirtschaftsWoche und ImmobilienScout24 haben dafür im Städteranking 2019 alle 71 kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern unter die Lupe genommen. Im Zukunftsindex verteidigt Darmstadt den ersten Platz, München liegt erneut im Niveauranking vorn. Im Dynamikranking erobert Berlin den ersten Rang. Die Autostädte Wolfsburg und Ingolstadt rutschen deutlich ab. 30 Jahre nach dem Mauerfall finden sich Leipzig und Jena in sehr guter Verfassung. Das Ruhrgebiet bleibt wirtschaftlich schwach, während Süddeutschland weiter zulegt.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Niveauranking zeigt die Krise der deutschen Autoindustrie
  • Berlin erstmals dynamischste Stadt Deutschlands, Leipzig in Top Ten
  • Darmstadt führt weiterhin den Zukunftsindex an


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Das Niveauranking zeigt die Krise der deutschen Autoindustrie


Klassische Auto- und Industriestädte sind im Niveauranking im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgerutscht. Ingolstadt fällt von Rang 2 auf 4, Wolfsburg von 5 auf 7. Wesentlicher Grund: Ihre Steuerkraft hat sich im Vergleich zu 2012, dem Jahr der Hochkonjunktur in der Automobilindustrie, deutlich verschlechtert. Während sie im Durchschnitt über alle Städte in den letzten fünf Jahren um knapp 200 Euro je Einwohner stieg, ist sie in Wolfsburg und Ingolstadt gefallen – am deutlichsten in Wolfsburg um 176 Euro je Einwohner.

München verteidigt den ersten Platz im Niveauranking zum siebten Mal in Folge. Erlangen klettert von Platz 4 auf 2, den dritten Rang belegt erneut Stuttgart. Verbessert haben sich Frankfurt am Main (von 6 auf 5) und Hamburg, das von Platz 11 im Vorjahr wieder auf Rang 9 in die Top Ten zurückgekehrt ist. Regensburg steigt von Platz 7 auf 6 auf, Würzburg verteidigt Rang 10 sowie Ulm Platz 8. Am unteren Ende der Tabelle verharren Bremerhaven auf Rang 69 sowie die Ruhrgebietsstädte Herne auf Platz 70 und Gelsenkirchen auf dem Rang 71.



Dr. Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmobilienScout24:

„Unsere gemeinsame Datenanalyse mit dem Institut der deutschen Wirtschaft und der Wirtschaftswoche zeigt die Verschiebungen im Gefüge der Großstädte und deren teilweise starke Abhängigkeit von einzelnen Wirtschaftszweigen wie der Autoindustrie. Im Jubiläumsjahr des Mauerfalls nimmt Berlin erstmals den ersten Platz im Dynamik-Ranking ein. Auch Leipzig und Jena entwickeln sich erfreulich im Gegensatz zu den Autostandorten.“



Medical Valley:

Mittelfranken als Wachstumsmotor


Der Städtetest 2019 zeigt die Stärke von Mittelfranken. Hier ist ein neues wirtschaftliches Kraftzentrum entstanden. Erlangen (Platz 2) bekommt Unterstützung von den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth. Eine gemeinsame Stärke ergibt sich aus dem gesunden lokalen Arbeitsmarkt. Die Arbeitsplatzversorgung ist in Erlangen (Platz 11), Nürnberg (Platz 7) und Fürth (Platz 5) sehr hoch. Jeweils mehr als 70 Prozent der Erwerbsfähigen sind beschäftigt. Überdurchschnittlich viele Beschäftigte arbeiten im prosperierenden Gesundheits- und Sozialwesen, nicht umsonst ist die Region bekannt als Medical Valley.

Weitere Anzeichen für eine steigende Attraktivität der Region lassen sich mit einem Blick auf die Dynamik des Immobilienmarkts ableiten. Bei der Entwicklung der Mietpreise auf ImmobilienScout24 platzieren sich Nürnberg (Platz 6, +28,4 Prozent seit 2014) und Fürth (Platz 12, + 24,4 Prozent seit 2014) vor Metropolen wie Frankfurt und Köln (jeweils +22 Prozent). Preissteigerungen reflektieren eine gestiegene Nachfrage – für immer mehr Menschen wird es attraktiv, in den mittelfränkischen Großstädten zu leben.



Berlin:

Dynamischste Stadt Deutschlands?


Im Dynamikranking hat sich einiges getan. Den ersten Platz erobert Berlin. 30 Jahre nach dem Mauerfall führt die Hauptstadt erstmals dieses Ranking an und ist die dynamischste Großstadt der Republik. Berlin hat vor allem am Immobilien- und Arbeitsmarkt eine außerordentliche Dynamik entfaltet. In den sechs Jahren von 2012 bis 2017 sind rund 250.000 Menschen mehr nach Berlin gezogen als abgewandert sind. Das entspricht einer mittleren Großstadt und hat die Nachfrage stark verschärft. Nirgendwo zogen die Mietpreise daher so kräftig an wie in Berlin. Auch die Preise für Eigentumswohnungen wuchsen überdurchschnittlich stark. Leipzig zeigt ebenfalls eine hohe Dynamik. 30 Jahre nach den Montagsdemonstrationen liegt die Stadt auf Rang 9 der dynamischsten Großstädte Deutschlands.

Auf dem 2. Platz landet München, gefolgt von Fürth – die Stadt hat einen Satz von Rang 11 auf 3 gemacht. Vom 9. auf den 4. Platz klettert Regensburg, Frankfurt am Main büßt einen Rang ein und liegt nun auf dem 5. Platz. Heilbronn (von 7 auf 6), Nürnberg (von 10 auf 7), Augsburg (8) sowie Würzburg (von 6 auf 10) komplettieren die Top Ten.

Tief gefallen sind die Autostädte: Ingolstadt von Rang 3 in 2018 auf Platz 39, Wolfsburg von Platz 5 auf Tabellenplatz 49. Die Schlusslichter des Dynamikrankings bilden die Ruhrgebietsstädte Hagen auf Platz 69, Duisburg auf Platz 70 sowie das niedersächsische Salzgitter auf Platz 71.




Licht und Schatten

im Osten


Wie sieht es im Osten Deutschlands 30 Jahre nach dem Mauerfall aus? Potsdam, Jena, Dresden und Leipzig entwickeln sich in Ostdeutschland besonders gut – Halle, Magdeburg und Rostock sind die Sorgenkinder. Wo liegt aber der Unterschied?

In Potsdam, Jena, Dresden und Leipzig ist die Produktivität in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen, sie weisen die höchste Zuwanderungsrate der 18- bis 25 Jährigen und eine deutlich höhere Akademikerquote auf. Ursächlich dafür ist vor allem der Zustrom an

Studierender aus ländlichen Räumen Ostdeutschlands in diese vier attraktiven Uni-Städte. Jena ragt mit einer Quote von 32,5 Prozent Akademikern an allen Beschäftigten hervor und positioniert sich damit auf dem Rang 2 aller Großstädte hinter München. Alle vier Städte verfügen über deutlich mehr Institute als der Durchschnitt der Großstädte.

Und wo läuft es nicht so gut? Halle (Saale), Magdeburg und Rostock fiel das Wachstum des BIPs je Kopf in den letzten fünf Jahren deutlich unterdurchschnittlich im Vergleich zu allen Großstädten aus. Ursächlich dafür ist die geringe Beschäftigung in Zukunftsbranchen. Der Beschäftigungsanteil fällt in diesen Städten nur rund halb so hoch aus wie im Durchschnitt.


Ruhrgebiet:

Das neue Berlin?


Seit Jahren bilden die Großstädte des Ruhrgebiets die Schlusslichter des Städterankings. 35,1 Prozent der Schulden aller Großstädte im Westen gehen auf ihr Konto. Doch trotz Strukturwandels und hoher Verschuldung gibt es Chancen für Städte im Pott: Niedrige Immobilienpreise, sehr gute Universitäten und gut ausgebaute Infrastruktur könnten das Wachstum zukünftig wieder befeuern. Die TU Dortmund und die Ruhr-Universität Bochum gewannen im Rahmen der Exzellenzstrategie des BMBF mehrere Exzellenzcluster. Es existiert mit 29 Hochschulen ein breites Bildungsangebot in Kombination mit vergleichsweise niedrigen Mieten und gut ausgebautem Öffentlichen Nahverkehr. Generell ist die Dichte des Ruhrgebiets seine große Stärke. Zudem investieren einzelne Städte in den digitalen Ausbau ihrer Infrastruktur. Bereits jetzt wirbt zum Beispiel Gelsenkirche damit, dass alle Gewerbegebiete an Glasfaser angeschlossen sind – ein Argument für die Ansiedlung digitaler Startups und junge Gründer. Ob das Ruhrgebiet die Wende hin zum florierenden Wirtschaftsstandort schafft, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Darmstadt führt weiterhin den Zukunftsindex an. Erneut auf Platz 1 des Zukunftsindex liegt Darmstadt. Das liegt insbesondere am Engagement des Chemiekonzerns Merck in der Stadt. Merck beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter in Darmstadt und engagiert sich in zahlreichen Forschungskooperationen vor Ort. Den zweiten Platz nimmt nun München ein (Vorjahr: 4), Erlangen rutscht von 2 auf 3, Stuttgart von 3 auf 4 und Jena springt von 7 auf 5. In Jena macht sich die Ansiedlungspolitik mit Forschungsinstituten offenbar bezahlt: Die Stadt sticht mit einer Akademikerquote von 32,5 Prozent aller Beschäftigten als Hoffnungsschimmer aus den weitgehend stagnierenden ostdeutschen Großstädten heraus.

Trotz Autokrise kann Ingolstadt im Zukunftsranking den 6. Rang verteidigen, Wolfsburg rutscht von 5 auf 7 ab. Karlsruhe behauptet sich auf dem 8. Platz, gefolgt von Heidelberg (von 10 auf 9) und Regensburg (von 9 auf 10).

Teilranking Immobilienmarkt

Nirgendwo zogen die Mietpreise in den vergangenen fünf Jahren so stark an wie in Berlin. Von 2014 bis 2019 stiegen sie um 37,5 Prozent (Durchschnitt der Städtetest-Großstädte: 18,9 Prozent). Auch die Preise für Berliner Eigentumswohnungen entwickeln sich sehr dynamisch und kletterten um 77,1 Prozent (Durchschnitt: 46,5 Prozent). Nur in Augsburg wuchsen die Preise für Eigentumswohnungen mit 81,0 Prozent noch mehr. Leipziger Eigentumswohnungen stehen auf Rang 3 mit einer Preissteigerung von 74,4 Prozent in fünf Jahren. Die geringsten Preissteigerungen erlebten Cottbus mit 24,3 Prozent sowie die beiden Ruhrgebietsstädte Gelsenkirchen mit 21,5 Prozent und Hagen mit 16,3 Prozent.


Was kann ich mir leisten?

Über das Städteranking

Im Auftrag von WirtschaftsWoche und ImmobilienScout24 hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln den umfangreichen Leistungscheck durchgeführt. Unter die Lupe genommen wurden die 71 deutschen kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Über 100 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit gingen in die Bewertung ein. Das Ranking setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Das Niveauranking bildet die Wirtschaftskraft der Städte ab. Es vergleicht Ist-Werte ausgewählter Kennziffern, wie etwa die aktuelle Zahl der Baugenehmigungen. Das Dynamikranking analysiert die Veränderungsraten ausgewählter Indikatoren und zeigt, welche Städte sich in den vergangenen fünf Jahren am besten entwickelt haben. So lässt sich zeigen, welche Stadt sich unabhängig von ihrer ökonomischen Ausgangslage erfreulich entwickelt. Das Zukunftsranking misst die Industrie-4.0-Kompetenz und das Zukunftspotenzial der jeweiligen Stadt. Dazu gehören Faktoren rund um Innovation, Kreativität und Digitalisierung, etwa die Breitbandversorgung oder die Anzahl der Hochschulabsolventen in den MINT-Fächern. Da die positive Entwicklung eines Standortes nicht ohne Effekte auf die Immobilienpreise bleibt, ergänzt eine umfassende Miet- und Kaufpreisanalyse von ImmobilienScout24 das Städteranking. Die ausführlichen Ergebnisse stehen unter www.wiwo.de/staedteranking zur Verfügung.


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