Fortbildungspflicht statt Sachkundenachweis für Makler: Nach langen Diskussionen müssen Immobilienmakler und Verwalter nun doch keinen Sachkundenachweis erbringen, stattdessen müssen sie nun regelmäßige Weiterbildungen absolvieren. Wir informieren Sie über die neue Weiterbildungspflicht und beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.


Was bedeutet die Weiterbildungspflicht für mich?

Ab August sind Makler und Verwalter nach dem „Gesetz zur Einführung einer Berufszulassung für gewerbliche Immobilienverwalter und Makler“ dazu verpflichtet, sich innerhalb von drei Jahren 20 Stunden weiterzubilden. Darüber hinaus müssen Verwalter eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Die Details der Fortbildungs- und Versicherungspflicht werden in der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) festgelegt. 


Die Verordnung sieht verschiedene Möglichkeiten der Weiterbildungspflicht vor: 

  • Präsenzseminare, 
  • E-Learning, 
  • betriebsinterne Weiterbildungsmöglichkeiten, 
  • andere „geeignete Formen“ der Weiterbildung. 

Hinweis von ImmobilienScout24:

Unternehmer, die in beiden Sparten tätig sind, müssen sowohl für das Tätigkeitsfeld des Immobilienmaklers als auch für die Verwaltertätigkeit Fortbildungen absolvieren – also zweimal 20 Stunden innerhalb von drei Jahren.



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Zu welchen Themen würden Sie sich weiterbilden?

Der Gesetzgeber hat für Ihre Weiterbildungsmaßnahmen keine feste Agenda definiert. Je nach persönlichem Bedarf können Sie aus verschiedenen Themenbereichen wählen. Mögliche Weiterbildungsthemen umfassen: Kundenberatung, Grundlagen des Maklergeschäfts, rechtliche Grundlagen, Wettbewerbsrecht, Verbraucherschutz, Grundlagen Immobilien und Steuern oder Finanzierung. Dabei dürfen Sie selbst entscheiden, ob Sie die 20 Stunden in einem oder mehreren Bereichen absolvieren. Da sich die Themenbereiche für Makler und Verwalter unterscheiden, verraten Sie uns doch, welche Sie interessieren würden.

Welche Informationspflichten kommen auf mich zu?

Die Verordnung sieht neue Informationspflichten vor: Verwalter und Makler sind ab August 2018 verpflichtet, ihren Auftraggebern auf Anfrage in Textform Informationen über ihre beruflichen Qualifikationen und die in den letzten drei Jahren absolvierten Weiterbildungen zukommen zu lassen. 

Aufbewahrung/Nachweis gegenüber Behörde:

  • ...Nachweise müssen gesammelt werden
  • ...ein Verweis auf entsprechende Angaben auf der Internetseite des Verwalters oder Maklers reicht aus
  • ...Aufbewahrungsfrist: 5 Jahre (Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Weiterbildungsmaßnahme durchgeführt wurde)

Zusätzliche Anforderungen an Wohnimmobilienverwalter

Angehende WEG- und Mietverwalter müssen ab 1. August 2018 wie Immobilienmakler auch eine Erlaubnis nach § 34c Gewerbeordnung beantragen. Um diese zu bekommen, müssen sie:

  • ...als zuverlässig eingestuft werden
  • ...in geordneten Vermögensverhältnissen leben
  • ...eine Berufshaftpflichtversicherung gegen Vermögensschäden vorweisen 

 

Die jährliche Deckungssumme muss mindestens 500.000 Euro betragen. Nach Inkrafttreten des Gesetzes am 1.8.2018 haben bereits tätige Wohnimmobilienverwalter bis zum 1.3.2019 Zeit, ihre Erlaubnis zu beantragen. Der erstmalige dreijährige Weiterbildungszeitraum für alle umfasst die Kalenderjahre 2018 bis 2020 (1. Januar 2018 bis 31. Dezember 2020). Also muss frühestens zum 01. Januar 2021 ein Weiterbildungsnachweis vorliegen.


Was ist mit meinen Mitarbeitern?

Die Weiterbildungspflicht gilt auch für unmittelbar bei der erlaubnispflichtigen Tätigkeit mitwirkenden beschäftigten Personen. Für Gewerbetreibende (Makler und Verwalter), die nach gewerberechtlichen Grundsätzen eine juristische oder natürliche Person sein können, reicht es dabei aus, wenn eine angemessene Zahl von vertretungsberechtigten Aufsichtspersonen die Weiterbildung absolviert.

Wichtig hierbei: Die Weiterbildungspflicht für Personen mit Ausbildungsabschluss als Immobilienkaufmann/Immobilienkauffrau oder Weiterbildungsabschluss als Geprüfter Immobilienfachwirt/Geprüfte Immobilienfachwirtin gilt erst drei Jahre nach Aufnahme ihrer Tätigkeit. Weiterhin müssen die Nachweise mindestens fünf Jahre aufbewahrt werden.


Was wurde aus dem Sachkundenachweis für Makler und Verwalter?

1. Was ist der Sachkundenachweis für Makler und Verwalter?


Der ursprünglich geplante Gesetzesentwurf zum Sachkundenachweis wurde gekippt. Die große Koalition einigte sich lediglich auf eine Fortbildungs- und Erlaubnispflicht. Der alte Gesetzentwurf sah vor, dass alle Immobilienmakler und WEG-Verwalter aktiv ihre Sachkunde nachweisen sollen, um weiter tätig bleiben zu dürfen.

Die Sachkunde sollte jeder innerhalb von 12 Monaten nach Inkrafttreten der überarbeiteten Rechtsverordnung (MaBV) mittels geeigneter Dokumente gegenüber dem örtlichen Gewerbeamt nachweisen. Start der "Übergangsfrist" sollte am 01.09.2018 sein. WEG-Verwalter sollten zusätzlich innerhalb dieser Übergangsfrist eine Gewerbeerlaubnis nach §34c Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 GewO beantragen sowie eine Berufshaftpflicht abschließen.


2. Warum gibt es den Sachkundenachweis nicht mehr bzw. warum wurde er abgeschafft?


Der alte Sachkundenachweis sollte die Möglichkeit bieten, schwarze Schafe unter den Maklern und Verwaltern schneller zu erkennen. Mithilfe des Sachkundenachweises sollten Standards zur Qualität und Güte eines Maklers oder Verwalters geschaffen werden. 

Makler konnten bislang relativ unkompliziert an eine Gewerbeerlaubnis gelangen. Eine Berufsausbildung war kein Muss und hat besonders in der Maklerbranche dazu geführt, dass ein Quereinstieg ohne besondere Fachkenntnisse möglich war. Im Hinblick auf die vielfältigen und anspruchsvollen Tätigkeiten eines Maklers waren die Einstiegsbarrieren relativ gering. 

Das Gesetz des Bundeswirtschafsministeriums wurde jedoch vom Nationalen Kontrollrat bemängelt und ging daraufhin zur Bearbeitung an das Ministerium zurück. Der Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages hat daraufhin die Vorgaben weitaus lockerer gestaltet, als vom IVD gefordert.


3. Ihre Fragen und Antworten zum Sachkundenachweis für Makler und Verwalter

Auf unserem Unternehmensblog haben wir uns ausführlich mit dem Sachkundenachweis auseinandergesetzt. Wenn Sie mehr über den ursprünglichen Gesetzesentwurf erfahren möchten, dann schauen Sie sich unseren Artikel Der Sachkundenachweis für Immobilienmakler und WEG-Verwalter - Fragen und Antworten an.