Etwa jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Erdgas. Schon 2021 sind die Preise erheblich gestiegen. Der Krieg in der Ukraine lässt eine weitere Verteuerung befürchten. Hier erfährst du womit du rechnen musst und was du tun kannst.



Rund 55 Prozent des in Deutschland genutzten Erdgas kam 2020 aus Russland, so ein Bericht vom Mineralölunternehmen BP. Sollte das bereits diskutierte Embargo von Gas- und Öllieferungen in Deutschland tatsächlich eintreten, würden sicherlich Versorgungsengpässe auftreten und die Preise noch weiter steigen.


Wie teuer wird meine Nebenkostenabrechnung?


Ob Sanktionen kommen oder nicht: Gas wird teurer. Die Preisanalyse des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW ) rechnet beispielsweise mit jährlichen Mehrkosten von rund 600 Euro für eine 70qm -Wohnung. Doch diese Prognosen fußen noch auf der politischen und wirtschaftlichen Lage vor dem Krieg in der Ukraine. Es ist unwahrscheinlich, dass der Preisanstieg schon zu Ende ist.



Wann muss ich den erhöhten Gaspreis zahlen?


Die Heizkosten werden für die meisten Mieter:innen in der Regel jährlich mit den Nebenkosten abgerechnet. Die Vermieter:innen haben nach dem Abrechnungszeitraum allerdings noch ein Jahr Zeit für die endgültige Schlussrechnung. Die erhöhten Heizkosten des Jahres 2022 liegen spätestens am 31. Dezember 2023 bei den Mieter:innen vor.

Müssen Vermieter:innen bereits demnächst höhere Abschläge an den Versorger oder die WEG-Verwaltung zahlen, werden sie möglicherweise in diesem Jahr die Nebenkostenvorauszahlungen erhöhen.

Damit solltest du dich auch frühzeitig beschäftigen. Auch wenn diese Kosten zwar später kommen: Sie kommen auf jeden Fall! 

Energiepauschale der Bundesregierung


Zur Entlastung hat die Bundesregierung eine Energiepauschale von einmalig 300 Euro eingeführt, die jedoch versteuert werden muss. Dazu kommt ein einmaliger, steuerfreier Bonus von 100 zum Kindergeld und für Sozialhilfeempfänger.

Auch wenn der Energiekostenzuschuss bald kommt und die nächste Abrechnung noch lange dauert, solltest du das Geld beiseitelegen. Dennoch wird das nicht ausreichen. Unsere Beispielrechnung zeigt warum:


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Beispielrechnung

Besonders Familien mit einem geringen Bruttohaushaltseinkommen von 35.000 Euro pro Jahr profitieren von der Pauschale.

 

Von der an beide Eheleute ausgezahlte Energiepreispauschale in Höhe von zusammen 600 Euro wären laut den Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der WELT am Sonntag nach Steuern 457 Euro übrig. Hinzu kommen für beide Kinder jeweils 100 Euro steuerfreier Familienbonus. Das macht insgesamt 657 Euro.

 

Vorausgesetzt die Familie würde auf 70 Quadratmeter wohnen könnten Sie prognostizierte Verteuerung von rund 600 Euro abfedern.

 

Doch leben die Familie auf doppelt so viel Raum sind 1.200 Euro Mehrkosten fällig. Nach Abzug der Energiepauschale wären das noch 543 Euro Mehrkosten für Warmwasser im Jahr

 

3 Tipps wie du Geld sparen kannst


Neben der Energiepoauschale gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Kosten für Heizung und Warmwasser zu reduzieren.

  • Monatlich Geld zurücklegen. Wenn es für dich möglich ist, leg jeden Monat was auf dein Energiekonto. Im Falle unserer Familie in der Beispielrechnung wären das rund 45 Euro im Monat.
  • Gasverbrauch senken: Größere Energiesparmaßnahmen wie eine Dämmung oder einen Fensteraustausch kannst du als Mieter:in nicht vornehmen. Doch auch in einer Mietwohnung lassen sich Heizkosten mit wenig Aufwand und kleinen Investitionen senken. Zum Beispiel mit intelligenten Heizkörperthermostaten, welche die Heizwärme automatisch drosseln, etwa nachts oder bei Abwesenheit. Damit kannst du bis zu acht Prozent Heizkosten einsparen. Eine weitere wirksame Maßnahme ist beispielsweise, ein nur kurzes und effizientes Stoßlüften, statt die Fenster lange gekippt offenzulassen. Achte auch darauf, Heizkörper stets von Möbeln oder Vorhängen freizuhalten.

  • Nebenkosten kontrollieren: Wenn das gesamte Haus von einer Gaszentralheizung versorgt wird, ist die Vermieterin oder der Vermieter Vertragspartner des Lieferanten. Die Gaskosten bezahlst du anteilig über deine Mietnebenkosten. In diesem Fall solltest du zunächst deine jährliche Heizkostenabrechnung überprüfen. Als Nutzer:in von MieterPlus kannst du das ganz einfach mit dem Nebenkostencheck machen.

    Ist der Gaspreis auf der Rechnung sehr hoch, kannst du zwar nicht selbst den Anbieter wechseln, aber du kannst Vermieterin oder Vermieter unter Umständen dazu auffordern. Das Mietrecht schreibt nämlich bei den Nebenkosten ein Wirtschaftlichkeitsgebot vor. Allerdings ist eine solche Forderung nicht einfach zu begründen und durchzusetzen. Der bessere Weg ist, zunächst das Gespräch mit der Vermieterseite zu suchen und einen Wechsel sowie am besten gleich einen konkreten Anbieter mit günstigen Gaspreisen vorzuschlagen.

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Sollte mein:e Vermieter:in eine Alternative zur Gasheizung installieren?


Das klingt erstmal gut, aber wenn dein:e Vermieter:in tatsächlich umrüsten und beispielsweise eine Wärmepumpe installieren möchte, wirst du davon leider kurz- und mittelfristig nicht profitieren.

Erstens dauert eine Umrüstung gehörig Zeit. Bis die Wärmepumpe läuft, wird der Gaszähler noch einige Runden drehen. Zweitens können die Kosten für diese Modernisierung auf die Miete umgelegt werden. Dadurch steigen zwar die Nebenkosten nicht mehr, du hast dafür aber eine höhere Kaltmiete.

Dennoch ist eine solche Umrüstung langfristig eine interessante Alternative, sei dir aber bewusst, dass es dich zunächst nicht vor einer deutlich erhöhten Nebenkostenabrechnung schützen kann.

Achtung! die eigenständige Veränderung einer Heizanlage – auch die Änderung der Einstellung – eine fristlose Kündigung rechtfertigen, da die Gefahr einer erhöhten Betriebs- und Brandgefahr für alle Bewohner besteht. So urteilte im Juni 2021 das Amtsgericht Melsungen.  

Du kannst deine Vermieterin oder deinen Vermieter aber auf einen Wechsel ansprechen und dabei auch auf die staatlichen Förderprogramme aufmerksam machen. Eine geplante Sanierung wäre der perfekte Zeitpunkt dafür. Falls du die Mietwohnung wechseln willst, wäre eine Heizung auf Basis erneuerbarer Energieträger auch ein sinnvolles Auswahlkriterium. Dann wärst du in Zukunft unabhängig von der Gaspreisentwicklung.

Warum ist der Gaspreis schon im letzten Jahr so stark gestiegen?


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Bereits im ersten 1. Halbjahr 2021 stiegen die die Gaspreise für Verbraucher:innen laut Statistischem Bundesamt (Destatis) durchschnittlich um 4,7 Prozent. Das hatte mehrere Gründe.

Die 2020 für ein halbes Jahr abgesenkte Mehrwertsteuer wurde wieder von 16 auf 19 Prozent angehoben. Zum anderen trat zum 1. Januar 2021 die CO2-Bepreisung als Teil des Klimaschutzpakets der Bundesregierung in Kraft.   

Größte Treiber des aktuellen Gaspreises sind jedoch die Beschaffungskosten. Zwischen September 2020 bis September 2021 kletterte der Preis an der Europäischen Energiebörse von knapp 8 Euro auf rund 44 Euro pro Megawattstunde Gas und erreichte damit ein Rekordhoch.

Verantwortlich dafür sind eine Reihe von Faktoren:

  • Wirtschaftlicher Aufschwung: Die wegen der Corona-Krise gebremste Wirtschaft läuft wieder an. Damit steigt weltweit die Nachfrage nach Energie.
  • Geringe Bestände: Der Winter 2020/2021 war in vielen Regionen der Welt lang und kalt, die Speicher sind teils leer. Auch Ausfälle und Wartungsarbeiten an der europäischen Gas-Infrastruktur sowie das Auslaufen der Erdgasförderung in den Niederlanden spielen eine Rolle.
  • Konkurrenz: Insbesondere verflüssigtes Erdgas aus den USA geht nach Asien statt Europa, weil dort höhere Preise erzielt werden.
  • Spekulation: Nach Einschätzung von Expert:innen haben einige Gasversorger mit dem Einkauf zu lange gewartet, weil sie auf sinkende Preise spekulierten.

Die Zusammensetzung des Gaspreises



Um die aktuelle Gaspreisentwicklung besser zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, aus welchen Komponenten sich der Gaspreis zusammensetzt:

  • 41 Prozent Beschaffungskosten: Den größten Teil davon wendet der Gasanbieter für den Einkauf am Großhandelsmarkt auf. Auch die Vertriebskosten und die Gewinnmarge sind in diesem Kostenblock enthalten.
  • 24 bis 26 Prozent Netzentgelte: Etwa ein Viertel des Gaspreises gibt der Anbieter an den Netzbetreiber weiter, der das Gas zu den Kund:innen leitet, in Häusern und Wohnungen Zähler einrichtet und den Verbrauch misst.
  • 33 bis 35 Prozent Steuern und Abgaben: Rund ein Drittel des Gaspreises geht an den Staat. Dazu gehören die auf den Nettopreis berechnete Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die Erdgassteuer von 0,55 Cent pro Kilowattstunde, eine Konzessionsabgabe an die Kommunen sowie die CO2-Abgabe von rund fünf Cent pro Kilowattstunde.

FAQs

​Warum steigen die Gaspreise so stark?

Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Kosten für Erdgas gestiegen und zum anderen aber auch die Steuern. Seit dem 1. Januar 2021 ist beispielsweise eine CO2-Abgabe von rund fünf Cent pro Kilowattstunde fällig.

​Wie werden sich die Gaspreise in Zukunft entwickeln?

Die derzeitigen Preiserhöhung für Gas auf dem Weltmarkt werden sich erst im Jahr 2022 in der Nebenkostenabrechnung niederschlagen. Russland liefert über 50 % des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Durch den Konflikt in der Ukraine und Sanktionen gegen Russland ist eine sehr dynamische Lage entstanden, die sich sicherlich auch auf die nächste Nebenkostenabrechnung niederschlagen wird.

Was umfasst die Energiepauschale der Bundesregierung?

Zur Entlastung hat die Bundesregierung eine Energiepauschale von einmalig 300 Euro eingeführt, die jedoch versteuert werden muss. Dazu kommt ein einmaliger, steuerfreier Bonus von 100 zum Kindergeld und für Sozialhilfeempfänger.

Was kann ich gegen die hohen Gaspreise tun?

Mit einer Gasetagenheizung kann man auch als Mieter:in einen Gasversorger frei wählen. Das ist nicht immer möglich. Definitiv solltest du die Energiepauschale der Bundesregierung auch dafür sparen wofür sie gedacht ist: Für die nächste Nebenkostenabrechnung. Ansonsten kannst du die Nebenkostenabrechnung überprüfen und so den Verbrauch zu senken.

Die hier enthaltenen Informationen sind unverbindliche Auskünfte (Irrtum vorbehalten).



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