Immobilienpreise in der Winterstarre?

Eigentumswohnungen und Häuser sind ein knappes Gut und die Preise steigen unaufhörlich. Aber stimmt das wirklich? 

Heute gleich wissen, wie viel Ihre Immobilie wert ist?


Expertenkommentar als Podcast - jetzt anhören!

Stagnieren die Immobilienpreise?


Der Europace-Hauspreis-Index verfolgt die Preisentwicklung am Immobilienmarkt. Dieser Index ist seit drei Monaten in einer regelrechten „Winterstarre“. Weder die Preise für Eigentumswohnungen, noch für neu gebaute Ein- und Zweifamilienhäuser bewegen sich großartig. Bei den bestehenden Ein- und Zweifamilienhäusern sind die Preise sogar leicht gesunken.

Allerdings sieht Stefan Kennerknecht aus dem Vorstand der Europace AG keinen Grund zur Panik: Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist weiterhin sehr hoch (...) Daher ist nicht davon auszugehen, dass die Preise (...) wirklich längerfristig `eingefroren` sind. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Monaten wieder einen maßvollen Preisanstieg sehen werden.


Immobilien im Umland immer teurer

Interessant ist eine Anfang April ebenfalls von der Europace AG veröffentlichte Studie über die abgewickelten Verkäufe in der Stadt, im Umland und auf dem Land. Die Transaktionen kann man als Indikator für die Attraktivität – und Verfügbarkeit - der jeweiligen Immobilienstandorte lesen. Die meisten Immobilien wechseln im Umland (45 Prozent) großer Städte ihre Besitzer, die Städte liegen mit 31 Prozent und das Land mit 24 Prozent deutlich dahinter. Zwischen 2016 und 2018 haben sich die Kaufpreise am stärksten im städtischen Umland verteuert. Die Studienverfasser interpretieren: Aufgrund von Wanderungsbewegungen aus den Städten ins Umland hätten die Preise dort stärker angezogen, während die Ballungszentren selbst preislich sogar fast stagnierten. Fazit: Immobilien im Speckgürtel werden preislich vermutlich weiter steigen. Immobilien auf dem Land haben noch großes Potenzial – ihre Stunde schlägt, wenn die Städte und Speckgürtel leergekauft sind.  

 

LAGE TRANSAKTIONEN IN PROZENT
Städte 31 %
Umland
45 %
Land 24 %

Quelle: Europace AG, 2016-2018



Im Osten schrumpfen die Preise

Allerdings kommt es wie immer beim Thema Immobilien auf die Lage an. Wer im Umland von München, Hamburg oder Berlin seine Immobilie verkaufen will, wird sich auch künftig über Höchstpreise freuen. Anders sieht es beispielsweise „in der Fläche“ in Mitteldeutschland aus, wie eine aktuelle Datenerhebung von ImmobilienScout24 für den MDR zeigt. In Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es nicht nur günstige Mieten, sondern auch preiswerte Immobilien zum Kauf. Eigentumswohnungen im Landkreis Jerichoer Land in Sachsen-Anhalt gibt es für günstige 760 Euro pro Quadratmeter, in Plauen sind es gerade einmal 20 Euro mehr. Hier sind die Durchschnittspreise für Wohnungen in den vergangenen sechs Jahren um rund neun Prozent gefallen. Wer jedoch in Leipzig, Jena und Dresden wohnt, sitzt auf einer Goldader: In diesen Boomstädten kennen die Preise nur ein Richtung - nach oben.  


Kostenloser Maklervergleich

Kostenloser Maklervergleich

Jetzt unverbindlich passende Maklervorschläge erhalten.



Interview mit Jan Hebecker, Leiter Märkte & Daten bei ImmobilienScout24

Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24, beschäftigt sich unter anderem mit Marktentwicklungen am Immobilienmarkt, Preisentwicklungen und Vorhersagen, wie sich die Märkte zukünftig entwickeln.

Play Video-Preview


Lohnt es sich derzeit, eine Immobilie zu verkaufen oder sollte man noch warten?

 

Jan Hebecker: Derzeit ist ein sehr guter Zeitpunkt, um eine Immobilie zu verkaufen. Die Preise haben in den vergangenen Jahren deutlich angezogen – zuerst in den Großstädten, dann am Stadtrand und zuletzt im Umland. Mittlerweile gibt es diese Entwicklung in ganz vielen Regionen in Deutschland.


Bestehen Preisunterschiede zwischen kleinen, mittelgroßen und großen Städten?

 

Jan Hebecker: Die gibt es ganz klar. Am stärksten sind die Preise sind in den vergangenen Jahren in den Innenstädten gestiegen – vor allem in den sieben Metropolen. Aber mittlerweile sind diese Preisentwicklungssteigerungen auch auf die mittelgroßen Städte übergegangen. Es gibt in Deutschland mittlerweile flächendeckend eine positive Preisentwicklung.


Wo werden die Immobilienpreise noch weiter steigen?

 

Jan Hebecker: Da Wohneigentum ein knappes Gut ist, wird es weiterhin Preissteigerungen geben – allerdings nicht mehr die ganz großen. Die fanden bereits in den vergangenen Jahren statt, zum Beispiel bei Eigentumswohnungen in Berlin mit 20 Prozent. Ich glaube aber, in den Groß- und Mittelstädten werden die Preise weiter steigen.


Rentiert es sich, noch mit dem Verkauf zu warten?

 

Jan Hebecker: Nein. In dem Moment, in dem man den Bedarf hat, ein Objekt zu verkaufen, sollte man es auch tun. In Großstädten und Mittelstädten, die bisher nicht so stark von diesem Wachstum profitiert haben, lohnt es sich nach meiner Einschätzung, noch etwas zu warten. Natürlich nur dann, wenn man nicht den Druck hat, seine Immobilie verkaufen zu müssen.


Wo sollte man jetzt langsam in die Gänge kommen, um einen Preisverfall zu vermeiden?

 

Jan Hebecker: Ich gehe generell nicht von einem Preisverfall bei Immobilien aus. Manche Regionen mit schwacher Nachfrage profitieren derzeit von dem sehr positiven Markt. Das sind zum Teil Räume auf dem Land, im Umland von Mittelstädten oder Mittelstädte selbst, in denen der Markt bisher nicht so prosperierend war. Bei den aktuell sehr guten Finanzierungskonditionen wollen mehr Menschen eine Immobilie kaufen. Wer seine Immobilie verkaufen will, sollte es jetzt tun – aber vorher ausreichend Zeit in die Preisfindung investieren.


Wirkt sich der demographische Wandel auf die Immobilienpreise aus?

 

Jan Hebecker: Definitiv. Derzeit profitieren die Großstädte von Zuzügen, darum steigen dort auch die Preise. Momentan sieht es so aus als würden in zehn bis 15 Jahren die Unterschiede zwischen stark wachsenden Regionen und solchen mit stagnierenden oder rückläufigen Bevölkerungszahlen zunehmen. Das wird sich auf die Preise im Immobilienmarkt auswirken.


Gibt es einen Trend zurück aufs Land?

 

Jan Hebecker: Ja, den gibt es, allerdings ist er nicht besonders stark ausgeprägt. Ob er noch zunehmen wird, kann man derzeit nicht einschätzen. Auf dem Land ziehen die Preise dadurch zwar auch an, allerdings nicht so stark wie in den Großstädten.



Kostenlose
Immobilienbewertung

Beim Verkauf einer Wohnung oder eines Hauses ist es oftmals schwer, den richtigen Preis zu erzielen. Eine Wertermittlung kann Sicherheit geben.

Immobilienbewertung starten

Heute schon den passenden
Makler finden

Für einen schnellen Verkauf zum Top-Preis nutzen Sie unser Netzwerk aus geprüften Immobilien-Experten und vergleichen Sie kostenlos 3 passende Makler aus Ihrer Region.

Passende Makler vergleichen

Ist der Boom bald vorbei?

Fast zeitgleich zu den Protesten gegen den „Mietenwahnsinn“ in Berlin erschien eine Studie des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts Empirica mit dem programmatischen Titel „Don´t panic!“ Ja, warum denn eigentlich nicht, fragt man sich anhand der hohen Immobilienpreise? Ganz einfach: Weil die Bautätigkeit endlich ein Niveau erreicht habe, das sich anschickt, die Nachfragelücken zu überbrücken. Innerhalb von zehn Jahren wurde diese fast verdoppelt.

Die sogenannte „Fertigstellungslücke“, also die Differenz zwischen benötigten und gebauten Wohneinheiten, hat sich von jährlich 175.000 Wohneinheiten in den vergangenen vier Jahren auf „nur“ 50.000 Wohneinheiten reduziert. In den heiß umworbenen Top-7-Städten wurde auch mehr gebaut, sodass die Lücke hier von 51.000 fehlenden Einheiten jährlich auf 7.000 Wohneinheiten schrumpfte. „Gemessen am Bedarf zusätzlicher Wohnungen bauen wir mittlerweile also fast ausreichend viel“, schreiben die Verfasser der Studie. „Fast ausreichend viel“ klingt aber immer noch ein wenig beschönigend.


Neun Prozent mehr Baugenehmigungen im Januar

Tatsächlich haben die Baugenehmigungen im Januar 2019 um neun Prozent zugelegt – im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2018. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen von 27.100 erteilten Genehmigungen, darunter 13.600 Mehrfamilien- und 7.000 Einfamilienhäuser. Wer heute seine Immobilie verkaufen will, sollte sich aber nicht vor dem schnellen Preisverfall fürchten. Im vergangenen Jahr wurden nämlich deutlich weniger Genehmigungen erteilt als im Jahr davor.  



Jan Hebecker, Leiter Märkte & Daten bei ImmobilienScout24: „Selbst wenn mittlerweile ausreichend gebaut wird, haben wir einen erheblichen Nachholbedarf in den Städten, der den Markt noch einige Jahre in Gang halten wird. Aber die Mietpreise werden nicht mehr so extrem steigen wie in den Vorjahren. Die Kaufpreise sind von diesem neuen Trend erst einmal nicht betroffen.“



Kostenloser Ratgeber für den Verkauf mit einem professionellen Makler
  • Nützliche Praxistipps für den erfolgreichen Hausverkauf
  • Checkliste Aufgabenspektrum eines Maklers & Verkaufsunterlagen
  • Alles zum Thema Maklervertrag & Maklerwahl
  • Inklusive aktueller Markt- und Preisentwicklung
Jetzt den kostenlosen Ratgeber anfordern!
Wie gefällt Ihnen diese Seite?