So gelingt die Rückkehr aus dem Homeoffice

So bereiten sich Arbeitgeber auf die Zeit der Lockerungen und die Arbeitswelt nach der Corona-Krise vor


Zur Übersicht | Veröffentlicht am 18. Mai 2020


Schrittweise werden die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus gelockert. Die bundesweiten Kontakteinschränkungen sowie Hygiene- und Abstandsregeln bleiben bestehen. Das müssen Arbeitgeber beachten
.

Anders als beispielsweise Gaststätten, Geschäfte, Schulen, Kitas oder Fitnessstudios waren reine Bürobetriebe während der vergangenen Wochen nicht generell geschlossen. Viele Unternehmen ließen aber bereits im März ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, soweit es die jeweiligen Jobs erlaubten. Mit der allgemeinen Öffnung des öffentlichen Lebens planen nun auch viele Unternehmen, ihren Tätigkeitsbereich wieder mehr in die Büros und Firmenzentralen zurückzuverlegen. Dabei müssen sie aber die besonderen Vorgaben für den Arbeitsschutz beachten, die derzeit gelten.

Neuer Arbeitsschutzstandard für Corona-Zeiten

Am 16. April 2020 hat das Bundesarbeitsministerium (BAMS) den „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard“ veröffentlicht. Es handelt sich nicht um ein Gesetz mit unmittelbarer Rechtsverbindlichkeit. Sollten aber Arbeitnehmer zu Schaden kommen, weil die Anforderungen nicht beachtet wurden, ergäben sich für den Arbeitgeber Haftungsfolgen.

Zentrale Punkte des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards im Überblick:

  1. Ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Meter soll auch am Arbeitsplatz eingehalten werden.
  2. Kontakte im Büro sollen reduziert werden, zum Beispiel durch versetzte Anwesenheitszeiten oder Pausen.
  3. Wo Kontakte unvermeidlich sind, sollen Schutzmasken getragen werden.
  4. Wer Krankheitssymptome hat, soll auf keinen Fall zur Arbeit kommen.
  5. Zusätzliche Hygienemaßnahmen, zum Beispiel durch Desinfektionsspender und häufigere Reinigung, sind notwendig.
  6. Risikogruppen sollen besonders geschützt werden. Eine feste Definition dieser Gruppe gibt es nicht; im Allgemeinen zählen Arbeitnehmer im Alter über 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen dazu.
  7. Für Büroarbeiten wird weiterhin, soweit möglich, Homeoffice empfohlen.

Das Büro auf die „neue Normalsituation“ vorbereiten

Wie lassen sich nun die Corona-Arbeitsschutzvorgaben im Betrieb praktisch umsetzen? Experten und Verbände haben dazu Ideen entwickelt, an denen sich Arbeitgeber bei der Umgestaltung ihres Büros orientieren können. Ein Beispiel ist das „6 Feet Office“-Konzept (sechs Fuß sind ungefähr 1,8 Meter) der internationalen Immobilienberatung Cushman & Wakefield, das auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Robert-Koch-Instituts (RKI) und anderer Institutionen beruht. Die Workplace-Strategen von Cushman & Wakefield schlagen unter anderem ein gut visualisiertes Wegeleitsystem zum sicheren Abstandhalten vor. Außerdem gibt es Einmal-Tischauflagen, um das Infektionsrisiko zu reduzieren.

Vom Industrieverband Büro und Arbeitswelt e. V. (IBA) kommen detaillierte Vorschläge, wie man in Gruppen- und Großraumbüros Abstände zwischen den einzelnen Arbeitsplätzen schafft, wann Abschirmungen aus Glas- oder Kunststoff notwendig sind, oder was bei gegenüberliegenden oder höhenverstellbaren Schreibtischen zu beachten ist. Empfohlen wird auch eine möglichst „papierlose“ Arbeitsweise, bei der keine Dokumente von Hand zu Hand wandern.


Perspektiven für die Zeit nach Corona

Darüber hinaus sollten Arbeitgeber jetzt schon darüber nachdenken, wie sich der Alltag im Büro zukünftig gestalten wird, wenn er nicht mehr so stark von der Corona-Epidemie geprägt ist. Eine spannende Frage ist, ob sich Homeoffice dauerhaft als Arbeitsform etablieren wird. In vielen Firmen haben Mitarbeiter in den letzten Wochen sehr erfolgreich von zu Hause aus gearbeitet und würden das gern – zumindest teilweise – fortführen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil möchte ein Recht auf Homeoffice sogar gesetzlich verankern.

Allerdings zeigten sich während der Lockdown-Zeit auch die Nachteile des „Arbeitens auf Distanz“: etwa technische Probleme bei Videokonferenzen oder ungelöste Datenschutzfragen. Manche Arbeitnehmer vermissten eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Für Eltern im Homeoffice war die Zeit vor allem wegen der gleichzeitigen häuslichen Kinderbetreuung sehr anstrengend. Und spätestens nach ein paar Wochen vermissten die meisten Heimarbeiter den direkten Kontakt zu ihren Kollegen.


Mehr Homeoffice, kleinere Büroflächen?

Sehr wahrscheinlich wird der Anteil von Mitarbeitern im Homeoffice zukünftig viel höher sein als vor der Corona-Krise. Die Beratungsfirma Eurocres Consulting beobachtet, dass große Unternehmen in Hinblick auf diese Entwicklung schon jetzt ihre Büroflächen verkleinern, auch um damit Kosten zu sparen. Kleinere Firmen, die dem Beispiel folgen, sollten allerdings bedenken, dass bei einem zukünftigen Geschäftserfolg schnell größere Büroflächen nötig werden können. Das Umstrukturieren von Büroräumen nach Corona-Vorgaben klappt auch deshalb in Deutschland gut, weil die Arbeitsschutzbestimmungen schon zuvor recht großzügige Mindestflächen vorsahen.


Das Büro als Kommunikationsort

Verändern wird sich mit großer Sicherheit die Funktion von Büros und Firmenzentralen. Sie werden weniger der Ort des täglichen Arbeitens als des qualitativen Zusammenkommens der Mitarbeiter sein – als Treffpunkt für Meetings, zum kreativen Austausch und zur Entwicklung von Gemeinschaftsgefühl und Identifikation mit dem Unternehmen. „Die Leute werden bewusst ins Büro kommen, so wie man sich um ein Lagerfeuer versammelt“, bringt es Seven Wingerter, Geschäftsführer von Eurocres auf den Punkt. Statt einer Reihe fester Mitarbeiterschreibtische sollten also eher flexible Arbeitsplätze sowie Räume für Kommunikation und Teamarbeit die Büroflächen der Zukunft prägen.


Gemeinschaftsbüros statt Homeoffice

Eine Alternative sowohl zum Arbeiten in der Firmenzentrale als auch zum Homeoffice könnten Bürogemeinschaften sein. Eine Firma mietet eine Bürofläche an und ermöglicht die Untervermietung von Arbeitsplätzen oder größeren Büroflachen zur gemeinsamen Nutzung. Sinnvoll ist dieses Modell beispielsweise im ländlichen Raum, wo Arbeitnehmer relativ weit entfernt vom Sitz des Arbeitgebers wohnen. Im Gemeinschaftsbüro sind sie weniger isoliert und haben strukturiertere Arbeitsbedingungen als im Homeoffice.


Corona: Darum wird Coworking so wichtig

Viele Angestellte haben sich inzwischen an das Homeoffice gewöhnt. Doch es gibt gute Gründe, warum in Corona Zeiten und auch danach mehr Menschen als zuvor Coworking-Büros nutzen werden.

Jetzt lesen



Wie gefällt Ihnen diese Seite?