Haftung des Vermieters

Verkettung unglücklicher Umstände

Wenn sich ein Mieter verletzt und von seinem Vermieter Schadensersatz verlangt, muss zwischen dem Mangel der Mietsache und der Verletzung ein kausaler Zusammenhang bestehen. Andernfalls haftet der Vermieter nicht.


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Unglückliche Umstände!

  1. Der Fall
  2. Frau erschrickt
  3. Das Urteil

Die Mieterin einer Doppelhaushälfte verlor auf einer Treppe, die von der Terrasse in den Garten führt, das Gleichgewicht. In letzter Minute konnte sie sich an einer Säule festhalten und so einen Sturz verhindern.

Rollo stürzt herab – Frau erschrickt

Aus der Fassung gebracht, hatte sie ein Rollo im Wohnzimmer, das aus einer Höhe von gut zwei Metern plötzlich heruntergekracht war. Darüber hatte sich die Mieterin derart erschrocken, dass sie ins Taumeln geriet. Zu diesem Riesenschreck hätte es vermutlich nicht kommen müssen, wenn der Vermieter zügiger auf die Mitteilung der Mieterin reagiert hätte. Bereits kurz nach dem Einzug hatte sie ihn wissen lassen, dass ein Rollo im Wohnzimmer schwergängig sei. Eine Reparatur war aber bis zum Zeitpunkt des Fast-Sturzes nicht erfolgt.

Bei ihrer Sturzvermeidung hatte sich die Mieterin schwer am Handgelenk verletzt. Daher verlangt sie vom Vermieter Schadensersatz in Höhe von 52.000 Euro sowie 10.000 Euro Schmerzensgeld. Begründung: Der Vermieter habe seine Pflichten verletzt, weil er das Rollo nicht sofort nach ihrer Mangelanzeige reparieren ließ.


Vermieter muss kein Schmerzensgeld zahlen

Grundsätzlich umfasst die Pflicht des Vermieters den Schutz von Leib und Leben und natürlich muss er auch angezeigte Mängel beseitigen. In diesem Fall fehlt allerdings ein adäquater Zusammenhang zwischen der Handverletzung der Mieterin und einer möglichen Pflichtverletzung des Vermieters. Daher muss er der Mieterin weder Schadensersatz noch Schmerzensgeld zahlen.

Das Gericht räumte die Möglichkeit ein, dass jemand aufgrund eines lauten Geräuschs heftig erschrickt und dadurch eine unglückliche Bewegung macht. Das sei aber ein allgemeines Lebensrisiko und könne nicht adäquat mit dem Defekt des Rollos verbunden werden. Vielmehr hätten sich mehrere unglückliche Umstände aneinandergereiht.

Hätte die Mieterin unmittelbar unter dem herunterrutschenden Rollo gestanden und sich durch eine Berührung direkt oder durch einen hierdurch ausgelösten Sturz verletzt, wäre die Sache anders zu beurteilen.

(LG Nürnberg-Fürth, Urteil v. 18.6.2018, 7 S 5872/17)


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