FKK auf dem Balkon

Wenn sich der Nachbar belästigt fühlt …

Zu Hause will man sich wohlfühlen – und dazu gehört für viele auch leichtere Bekleidung. Wer allerdings nackt auf dem Balkon oder im Garten liegt, muss mit dem Protest und sogar einer Anzeige der Nachbarn rechnen.


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Das nackte Sonnenbad im eigenen Garten oder auf dem Balkon ist grundsätzlich erlaubt. Allerdings gibt es bisher keine eindeutige Rechtsprechung dazu. Nacktsonnen ist also keine Straftat, kann aber im Einzelfall durchaus als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Ist der Balkon oder Garten gut einsehbar für andere Mieter oder Spaziergänger, könnten die sich durch den Anblick Nackter berechtigt gestört fühlen. In so einem Fall liegt eine Ordnungswidrigkeit wegen Belästigung der Allgemeinheit vor.

Eine Kündigung kann sogar drohen, wenn mit dem freizügigen Sonnenbad gegen die Hausordnung verstoßen oder der Hausfrieden gestört wird. Da es aber bislang an einer gefestigten eindeutigen Rechtsprechung mangelt, ist eine Kündigung wegen Nacktsonnens auf dem Balkon recht unwahrscheinlich.

Amtsgericht weist Klage ab

Das Amtsgericht Merzig (AG Merzig) hat sich 2005 mit einem Fall beschäftigt, bei dem Vermieter ihren Mietern wegen Störung des Hausfriedens gekündigt hatten. Eine Mieterin hatte sich nackt im Garten gesonnt und geräkelt. So trugen es die Vermieter vor Gericht vor. Dieses Verhalten hätte bei Nachbarn und der Dorfgemeinschaft für Gesprächsstoff gesorgt. Vor dem Amtsgericht verlangte das Vermieter-Ehepaar die Räumung der Wohnung.

Das Amtsgericht lehnte die Kündigung ab, weil die Beschwerden von Nachbarn kamen, die nicht im Mietshaus wohnen. Daher war der Hausfrieden nicht gestört. Der Hausfrieden beziehe sich nach der Ansicht des AG Merzig nur auf die Bewohner des Gebäudes, das der Mieter bewohnt.


Nackte Haut im Winter – Nachbar klagt

Nicht nur im Sommer droht Ärger wegen zu viel Freizügigkeit. Auch wer sich nach dem Saunagang nackt im Garten abkühlt, riskiert empörte Blicke der Nachbarn oder sogar eine Klage vor Gericht. Das erlebte ein Saunaliebhaber in Dortmund, der gern nach dem Saunagang nackt in seinem Garten herumspazierte. Der wohl ohnehin streitlustige Nachbar versuchte ihm das gerichtlich verbieten zu lassen.


Landgericht für Nacktheit im Garten

Das Landgericht Dortmund gab dem Nachbarn mit sehr klaren Worten zu verstehen, dass es die Ansicht des Amtsgerichts nicht teile. Der Anblick eines nackten Mannes nebenan sei aus Sicht der Berufungsrichter absolut hinnehmbar; zumal der Garten in diesem Fall kein öffentlicher Raum sei. Das Grundstück ist von einer zwei Meter hohen Hecke umschlossen, daher sei es nicht gerechtfertigt, das Recht des Mannes einzuschränken. Der Nachbar zog daraufhin seine Klage wegen geringer Erfolgsaussichten zurück.


Und nun?

Nackt durch den eigenen Garten zu spazieren oder auf dem Balkon herumzuliegen, führt immer wieder zu Auseinandersetzungen und wirft dabei auch rechtliche Fragen auf. Dennoch mussten sich Gerichte bisher nur selten damit beschäftigen. Gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt und Toleranz sind auch hier probate Mittel, um friedlich mit- und nebeneinander zu leben.


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