Gefährliche Heizungen

Sind Heizkessel tickende Zeitbomben?

Hunderttausende Heizungen in Deutschland weisen gefährliche Mängel auf und müssten eigentlich sofort abgeschaltet werden, warnte FOCUS-Online jüngst in einem Artikel. Schornsteinfeger wollen das so nicht stehen lassen.


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Mit der Überschrift „Gefährliche Heizungen? Wenn Journalisten Zahlen durcheinanderbringen“ widersprechen Schornsteinfeger in der „Deutschen Handwerks Zeitung“ der Behauptung eines FOCUS-Online Redakteurs, 650.000 Gas- und Ölheizungen in Deutschland stünden vor der Abschaltung.

FOCUS sorgt für Aufruhr

In dem FOCUS-Online Artikel stellt der Redakteur fest, dass viele Hausbesitzer die Sanierung oder Erneuerung ihrer Heizung vor sich herschieben und nur das Nötigste tun. Weiterhin ist zu lesen, dass Schornsteinfeger dem Kunden eine Wartung durch einen Fachbetrieb empfehlen, wenn technische Mängel vorliegen. Das werde dann nach einer gewissen Zeit nachgeprüft. Passiert in der Zwischenzeit nichts, komme die Baubehörde ins Spiel. Aber auch danach scheine außer der Androhung eines Zwangsgeldes nichts zu passieren.

Alexis Gula, Sprecher des Bundesverbands der Schornsteinfeger, sieht die Sache so: Der Redakteur habe vollkommen vergessen, dass in den allermeisten Fällen gar nichts geahndet werden muss, weil die Mängel ja behoben werden. So sind es nicht 650.000 Gas- und Ölheizungen, die kurz vor einer Abschaltung stehen, sondern diese Anzahl werde angemahnt, dann werden sie gewartet, repariert und im schlimmsten Fall sofort außer Betrieb gesetzt.


Mängel gefunden – Mängel beseitigt

Als Mangel gibt Gula an, dass in einigen Fällen Hausbesitzer nicht rechtzeitig die Wartung durch einen Heizungsfachbetrieb veranlassen. Wenn eine Wartung nach den gesetzlichen Vorgaben nötig ist, meldet sich der Schornsteinfeger von sich aus bei den Heizungsbesitzern. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten der Schornsteinfeger fallen immer wieder Mängel auf, auch gefährliche. All diese Mängel teilt der Schornsteinfeger seinen Kunden mit und setzt dann eine angemessene Frist, die Mängel von einem Fachmann beheben zu lassen.

Nach Aussage der Schornsteinfeger versäumen nur wenige Hausbesitzer diese Fristen. Dann gibt der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger das Versäumnis an die Baubehörde weiter. Die mahnt die Mängelbeseitigung an und die Anlage wird – wenn gar nichts wirkt – stilllegt. Der Bundesverband der Schornsteinfeger stellt zu den Mängeln, die die Mitarbeiter der Branche feststellen, jährlich eine statistische Auswertung zusammen. Und genau diese Auswertung sei im FOCUS-Online Beitrag falsch interpretiert worden.


70 Prozent der Heizungsanlagen sind energetisch ineffizient

Richtig ist, dass fast 70 Prozent der Heizungsanlagen in puncto Energieeffizienz veraltet sind. Hier liege es in der Hand der Heizungsbesitzer etwas zu tun, mahnt der Schornsteinfegermeister. Die im FOCUS-Online Beitrag dargestellte Gefahr von Kohlenmonoxid-Unfällen sei allerdings schwierig nachvollziehbar, da „für eine lebensbedrohliche CO-Vergiftung neben hohen Kohlenmonoxidgehalten im Abgas weitere Umstände hinzukommen müssen, die zu einem Abgasaustritt in Aufenthaltsräume führen“. Und der Verband schreibt in seiner Stellungnahme: „Die vom Focus inszenierte Todesgefahr bei Öl- und Gasfeuerstätten stellt sich gemäß des Zahlenwerkes des Schornsteinfegerhandwerks, das dem Focus zur Berichterstattung zugestellt wurde, so in der Realität nicht dar."


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