Einkommensungleichheit

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Forscher aus Berlin und London untersuchten, ob die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren größer oder kleiner wurde. Vom Ergebnis ihrer Studie wurden sie überrascht.


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Seit Mitte der 1990er-Jahre stieg die Einkommensungleichheit zwar stark an, die realen Mieten in Deutschland entwickelten sich aber im internationalen Vergleich seit Ende der 1990er Jahre sehr moderat. Das ließ die Forscher Bernd Fitzenberger, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt-Universität in Berlin, Christian Dustmann vom Londoner University College und Markus Zimmermann aus Berlin vermuten, dass sich die finanziellen Ungleichheiten zwischen den Beziehern hoher und niedriger Einkommen nach Abzug der Wohnkosten abschwächten.

Wer gut verdient, wohnt im Eigentum

Doch die Annahme hält der Realität nicht stand. Vielmehr hat eine neue Studie der beiden Forscher gezeigt, dass die Einkommensungleichheit zwischen 1993 und 2013 zugenommen hat. Wer zum unteren Fünftel der Verdiener gehört, musste 2013 gut 30 Prozent mehr fürs Wohnen ausgeben als 1993. Während die 20 Prozent der absoluten Topverdiener ihre Wohnkosten um rund zehn Prozent senken konnten.

Die Ursache liegt auf der Hand: Wer gut oder sehr gut verdient, wohnt meist im Eigentum und konnte von den gesunkenen Hypothekenzinsen profitieren. Niedrigverdiener können sich die eigenen vier Wände nicht leisten, sie müssen vielmehr mit steigenden Mieten leben. Die Wohnkosten sind der größte Posten der Konsumausgaben eines Haushalts. Entsprechend schwierig wird es, wenn die Mietkosten steigen.

In Zahlen ausgedrückt: 40 Prozent ihres Nettoeinkommens mussten Geringverdiener 2013 für die Warmmiete aufbringen. 1993 waren es noch 27 Prozent. Bei den Bestverdienern sank die Wohnkostenbelastung dagegen: von etwa 15 Prozent des Nettoeinkommens pro Person im Jahr 1993 auf 14 Prozent im Jahr 2013. Wenn die aktuellen Daten für 2018 vorliegen, dürfte sich das Bild noch verschärfen.


Mieten zwischen 2013 und 2018 weiter gestiegen

Denn in der Zwischenzeit hat sich die Situation auf dem deutschen Mietwohnungsmarkt noch einmal deutlich zugespitzt. Daten des Analysehauses empirica lassen erkennen, dass die Mieten zwischen 2013 und 2018 deutschlandweit um 20 Prozent stiegen. Nach einer Umkehr des Trends sieht es gegenwärtig nicht aus. Das zeigt der kürzlich vorgestellte Preisspiegel des Immobilienverbands IVD. In den untersuchten 380 deutschen Städten stiegen die Mieten gegenüber 2017 für Neubauwohnungen und für bestehende Wohnungen erneut – zum Teil sogar zweistellig. Allerdings fällt der Anstieg je nach Region und Segment sehr unterschiedlich aus.


Ausblick

Wissenschaftler spekulieren natürlich nicht. Forscher Bernd Fitzenberger vermutet aber dennoch, dass die seit 2013 weiter gestiegenen Mieten bei einer Fortschreibung ihrer Studie eine weitere Verstärkung der Ungleichgewichte zeigen könnten.


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