Wohngeld und Mietenbericht 2016

Engpässe auf dem Wohnungsmarkt

Selbst für den Mittelstand wird Wohnraum in den Städten zunehmend unbezahlbar. Mit der angespannten Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt beschäftigt sich der „Dritte Bericht über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland“, der gemeinsam mit dem Wohngeld- und Mietenbericht 2016 kürzlich vom Bundeskabinett beschlossen wurde.


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Im Zeitraum zwischen 2012 und 2016 stiegen die Angebotsmieten im Durchschnitt um insgesamt 16 Prozent. Wobei die Wohnungsmarktlage regional sehr unterschiedlich ist. Den Universitätsstädten und wachstumsstarken, städtischen Regionen, in denen Wohnungen knapp und teuer sind, stehen strukturschwache, ländliche Regionen gegenüber. Hier stagnieren oder sinken sogar Mieten und Preise wegen des Leerstands. Die Nettokaltmiete einer vergleichbaren Wohnung unterscheidet sich beispielsweise zwischen Berlin und Berliner Umland um bis zu 12 Euro pro Quadratmeter.

Wohnungen als Geldanlage attraktiv


In Deutschland wohnen bereits heute rund 70 Prozent der Bevölkerung in Städten – Tendenz steigend. Kein Wunder, dass Wohnungen in den Ballungszentren immer begehrter und somit teurer werden. Der Bericht stellt fest, dass immer mehr und zunehmend auch Haushalte mit mittlerem Einkommen, von steigenden Mieten betroffen sind.

Die angespannte Lage am Wohnungsmarkt wird nach Angaben der Bundesregierung noch dadurch verstärkt, dass Immobilien als Geldanlage dank der anhaltend günstigen Zinsen sehr attraktiv sind. Auch ausländische Investoren fühlen sich angezogen und nutzen Wohnungen und Häuser als sichere Anlageobjekte.



Mietpreisbremse bisher eher wirkungslos


Wie die Bundesregierung kurzfristig auf Wohnungsknappheit und steigende Mieten reagieren will, verrät der Bericht nicht. Mittelfristig sollen mehr Wohnungen gebaut werden. Dazu müssten die Anstrengungen im Wohnungsbau aber noch deutlich gesteigert werden. Zwischenzeitlich sollte die Einführung der sogenannten Mietpreisbremse dabei helfen, den "Mieter vor überzogenen Aufschlägen bei der Wiedervermietung von Wohnungen zu schützen". Allerdings sieht es ganz danach aus, dass die Mietpreisbremse in ihrer bisherigen Form ihre Wirksamkeit verfehlt. Denn Mieter wissen oft gar nicht, ob ihr Vermieter gegen die Mietpreisbremse verstoße. Bisher sind Vermieter nicht verpflichtet, bei Neuvermietung die vorherige Miete preiszugeben. In Bundesländern, in denen kürzlich CDU und FDP an die Regierung kamen, wird das Gesetz bereits tüchtig „ausgebremst“.

Wohngeld regelmäßig anpassen

Das Wohngeld soll Haushalte mit geringem Einkommen bei den Wohnkosten unterstützen. Damit nicht Tausende Familien aus ihrem vertrauten Stadtteil wegziehen müssen, setzt Bundesbauministerin Barbara Hendricks im neuen Wohngeld-Bericht auf eine regelmäßige und bedarfsgerechte Anpassung des Wohngelds. Der Bericht zeigt, dass sich seit Inkrafttreten der Wohngeld-Reform Anfang 2016 die Zahl der Wohngeld-Empfänger um schätzungsweise 43 Prozent auf 660.000 Haushalte erhöht hat. So ist das durchschnittliche Wohngeld eines Zwei-Personen-Haushalts um 61 Prozent von monatlich 114 Euro auf 184 Euro gestiegen. Vor allem aber Familien mit Kindern profitieren von der Erhöhung. Barbara Hendricks sieht den Erfolg in der Regelmäßigkeit: „Ich stelle mir einen Rhythmus von zwei Jahren vor. Mieterinnen und Mieter müssen sich auf ihr Wohngeld verlassen können.“


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