Wenn der Wellensittich einen Hitzeschlag erleidet

Hitze in der Mietwohnung: Müssen Vermieter eine Mietminderung hinnehmen?

Im Sommer wird so manche Wohnung regelrecht zur Sauna – Streit zwischen Vermietern und Mietern ist vorprogrammiert. Erfahren Sie, welche Rechte und Pflichten Vermieter haben wenn es heiß hergeht.


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Vor allem Dachgeschosswohnungen heizen sich im Sommer oft ordentlich auf. Doch wie heiß ist zu heiß? Und steht der Vermieter in der Verantwortung, das Problem zu beheben? Ein Gesetz, das die hinnehmbaren Temperaturen in einer Wohnung regelt, gibt es nicht. Doch gab es in den letzten Jahren verschiedene Gerichtsurteile zu dem Thema, die Orientierung bieten.

Gleiche Temperatur bei der Arbeit wie zu Hause?


Am Arbeitsplatz soll die Temperatur nicht mehr als 26 Grad betragen – Arbeitgeber müssen darauf achten, dass von der Raumtemperatur keine Gesundheitsgefährdung für ihre Arbeitnehmer ausgeht. Doch auch wenn es eine entsprechende Regelung für Privatwohnungen nicht gibt: Manche Gerichte sehen hiermit ebenfalls den Richtwert für die angemessene Temperatur in Wohnraum gesetzt.

Auf der Grundlage entschied beispielsweise das Amtsgericht Hamburg: Hier monierte ein Mieter, dass die Temperaturen in seiner Obergeschosswohnung im Sommer häufig über 30 Grad betrugen und auch nachts nicht unter 25 Grad sanken. Zu heiß, befand das Gericht und hielt eine Mietminderung von 20 Prozent für angemessen (Az.: 46 C 108/04). Ausschlaggebend war in dem Fall jedoch auch, dass der Wärmeschutz in der Wohnung nicht dem Stand der Technik entsprach, der zum Zeitpunkt des Baus vorgeschrieben war – es handelt sich somit bei der Hitze in der Wohnung um einen Sachmangel, der die Mietminderung rechtfertigt.



Die Gerichte widersprechen sich


Ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes Berlin legt nahe, dass Hitze in der Mietwohnung ein ausreichender Grund für eine fristlose Kündigung ist (Az.: 40/06). In dem Fall beklagte der Mieter einer Dachgeschosswohnung die äußerst sommerlichen Temperaturen von bis zu 46 Grad in seiner Wohnung. Die Hitze brachte nicht nur Wachskerzen zum Schmelzen und ließ Pflanzen eingehen – auch der Wellensittich erlitt dem Mieter zufolge einen Hitzeschlag. Das Gericht befand das als ausreichend für eine fristlose Kündigung.

Anders sah das jedoch das Landgericht Leipzig. Das wies die Klage wegen zu hoher Temperaturen in der Wohnung eines Mieters ab. Der Mieter wollte vor Gericht erwirken, dass der Vermieter Außenjalousien anbringen muss. Doch – so das Urteil – in einer Dachgeschosswohnung sei mit hohen Temperaturen zu rechnen, die der Mieter daher hinnehmen müsse (Az. 164 C 6094/04).



Sind Vermieter grundsätzlich für hohe Temperaturen haftbar?


Grundsätzlich müssen Mieter ihren Vermietern stets die Möglichkeit geben, einen Mangel zu beheben, bevor sie die Miete mindern oder gar rechtliche Schritte einleiten. Auch haben Mieter keinen Anspruch auf eine Klimaanlage oder Jalousien in der Wohnung – wollen sie diese selbst anbringen, benötigen sie die Zustimmung des Vermieters. Bei Neubauten ist darauf zu achten, dass die baurechtlichen Bestimmungen zur Klimatisierung der Räume eingehalten wurden – andernfalls liegt ein Sachmangel vor, der zur Mietminderung berechtigt. Außerdem können Gerichte Vermieter dazu verpflichten, einen angemessenen Wärmeschutz in ihren Wohnungen zu installieren.


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