Vorsicht mit der Mietminderung

Wenn die Natur auf dem Balkon zu viel wird

Bäume, Blüten und Pollen können auch den schönsten Balkon zeitweilig unbewohnbar machen. Sie stellen aber keinen Mangel dar, wie ein Gericht nun entschied.


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Blütenpracht vorm Balkon

  1. Die Lage
  2. Die Begründung
  3. Das Urteil  

Ein Balkon ist für viele Stadtmenschen Luxus, allerdings kann er auch einigen Ärger bereiten. Zu nah wachsende Bäume versperren nicht nur die Sicht, sondern werfen auch Laub ab und verbreiten Pollen. Stehen sie in voller Blätter- und Blütenpracht, kann starker Pollenflug Allergikern die Nutzung des Balkons unmöglich machen.

Die Begründung


Ein weiterer Nachteil von dicht stehenden Bäumen ist die Verschattung. Bäume schlucken Licht und verdunkeln naheliegende Wohnungen. Genau so erging es Mietern, die 2009 in eine Wohnung im ersten Stock zogen. Schon damals war ihr Balkon von großen Bäumen umzingelt. 2014 wurde es ihnen zu dunkel,  daraufhin minderten sie ihre Miete um 20 Prozent. Das wiederum verdüsterte die Stimmung des Vermieters, zumal die Bäume in den vergangenen fünf Jahren nicht exorbitant gewachsen waren. Er klagte vor Gericht auf Zahlung der Mietrückstände.

Das Amtsgericht Köln sah keinen Grund für eine Mietminderung. Denn die Mietsache, sprich die Wohnung, zeige keinerlei Mangel. Auch waren die Bäume nicht während der Mietzeit so rasant gewachsen, dass eine bei Einzug helle Wohnung nun ihres Lichtes beraubt wäre. Darüber hinaus wies das Amtsgericht darauf hin, dass Blüten und Pollen sowie Fallobst und Laub keine Mangel darstellten; zumindest dann, wenn es vertraglich nicht anders geregelt war. Sie gehörten nun mal zu den Eigenschaften von Bäumen.

Ein Zugeständnis machte das Gericht dann doch noch: Es stellte fest, dass derartige „Umweltmängel“ durchaus nerven können und dafür sorgen, dass ein Balkon oder die Terrasse für ein paar Wochen gemieden werden müsse.



Das Urteil im Wortlaut


"Von bereits bei Abschluss des Mietvertrags vorhandenen Bäumen ausgehende Beeinträchtigungen in Form herabfallender bzw. umherfliegender Blüten, Blätter, Pollen und Früchte stellen keinen Mangel der Mietsache dar, sondern zählen zur vereinbarten (Soll-)Beschaffenheit."

(AG Köln, Urteil v. 22.02.2017, Az.: 213 C 98/15)


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