Nachbarschaftsstreit wegen Thujenhecke

Bundesgerichtshof beendet Zoff um Heckenhöhe

Wenn es um das Wohlbefinden im Eigenheim geht, hört bei vielen der Spaß auf. Im vorliegenden Fall entzündete sich ein saftiger Nachbarschaftsstreit an der Höhe einer Thujenhecke. Bis vor den Bundesgerichtshof zogen die Streitparteien.


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Ein simpler Nachbarschaftsstreit mauserte sich zum ausgewachsenen Rechtsstreit, der erst durch den Bundesgerichtshof geklärt werden konnte. Gegenstand des Unmuts: eine Thujenhecke. Diese ließ die Besitzerin über Jahre hinweg auf sechs Meter Höhe wuchern. Das passte ihrem Nachbarn jedoch gar nicht. Er verlangte den Rückschnitt auf eine Höhe von wenigen Metern, doch die Thujenliebhaberin weigerte sich. Daraufhin flatterte ihr eine Klage ins Haus. Beide Parteien fochten durch drei Instanzen den Streit aus. Am 2. Juni 2017 entschieden die Richter des Bundesgerichtshofs (V ZR 230/16) schließlich: Die Hecke muss ab.

Freie Sicht versus Verjährung – der Fall wandert vor den Bundesgerichtshof


Die streitenden Nachbarn besitzen aneinandergrenzende Grundstücke in Bayern, die an einem Hang liegen. Das Grundstück des Klägers ist höher gelegen als das seiner Nachbarin. Zwischen den Grundstücken liegt eine etwa 1,25 hohe Geländestufe, an der sich eine Mauer erstreckt. An der Geländestufe entlang pflanzte die Beklagte ihre Thujenhecke. Etwa im Jahr 2010 griff sie das letzte Mal zur Heckenschere und stutzte das Gewächs auf eine Höhe von 2,90 Meter. Seitdem wuchern die Thujen ungebändigt. Heute messen sie eine Höhe von stolzen sechs Metern. Viel zu hoch, befand der Nachbar und forderte die Heckeneigentümerin auf, die Thujen zweimal im Jahr auf eine Höhe von zwei Metern gemessen ab der Oberkante der Mauer zurückzuschneiden. Die Beklagte lehnte das jedoch mit dem Argument ab, ihr Nachbar erhebe seine Einwände zu spät. Der fünfjährige Anspruch auf Rückschnitt sei bereits verjährt.



Das Urteil des BGHs: Unterschiedliches Geländeniveau als Zünglein an der Waage


Jetzt setzte der Bundesgerichtshof einen Schlusspunkt hinter den Nachbarschaftszoff um die Thujenhecke. Die Karlsruher Richter stellten fest, dass Grundstückseigentümer nach Artikel 47 Absatz 1 des Bayerischen Ausführungsgesetztes zum Bürgerlichen Gesetzbuch (BayAGBGB) prinzipiell verlangen können, wuchernde Pflanzen wie Bäume, Sträucher und Hecken, die in einer geringeren Entfernung als zwei Meter von der Grundstücksgrenze stehen, auf einer maximalen Höhe von zwei Meter zu halten. Dabei sei die Höhe der Pflanzen von der Stelle aus zu messen, an der diese aus dem Boden austreten.

Doch in diesem Fall spielt die Hanglage der Grundstücke eine besondere Rolle, wie der BGH urteilte: „Das gilt aber nicht, wenn die Pflanzen auf einem Grundstück stehen, das tiefer als das Nachbargrundstück liegt. In diesem Fall ist eine Beeinträchtigung des höher gelegenen Grundstücks erst möglich, wenn die Pflanzen dessen Höhenniveau erreichen. Die zulässige Pflanzenwuchshöhe ist deshalb nicht von der Austrittstelle der Pflanzen, sondern von dem Bodenniveau des höher gelegenen Grundstücks aus zu bestimmen.“

Aus diesem Grund sei die fünfjährige Verjährung des Heckenrückschnitts auch noch nicht eingetreten. Denn: Der Anspruch auf Rückschnitt sei nach Ansicht der Karlsruher Richter erst dann entstanden, als die Thujenhecke zuletzt eine Höhe von zwei Metern – gemessen von der ca. ein Meter hohen Geländestufe und damit eine Höhe von drei Metern – überschritten hat. Das wäre frühestens 2009 der Fall gewesen. Der Kläger hatte sein Anliegen demnach noch rechtzeitig vor Eintreten der Verjährung vorgebracht. Seine Nachbarin muss nun die Heckenschere wieder herauskramen.


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