FDP fordert Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer

Wegfall der Grunderwerbsteuer: Hauskauf bald deutlich günstiger?

Die FDP beabsichtigt, den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung zu vergünstigen. Ein Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer soll die hohen Nebenkosten senken und Eigentum auch für Menschen mit mittlerem Einkommen und für junge Familien erschwinglich gestalten.


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Die FDP plant, die Kaufnebenkosten einer Immobilie zu senken, um jungen Familien und Personen mit geringerem Einkommen den Kauf der eigenen vier Wände zu erleichtern. Dabei haben die Freien Demokraten den größten Kostentreiber ins Visier genommen: die Grunderwerbsteuer.

Die Partei schlägt vor, dass Käufer beim Erwerb ihrer ersten Immobilie von der Grunderwerbsteuer befreit werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Wert der Immobilie 500.000 Euro nicht übersteigt und Haus oder Wohnung vom Käufer selbst bewohnt wird. Auf diese Weise wollen die Freien Demokraten jungen Familien und Haushalten mit niedrigerem Einkommen bei der Finanzierung einer eigenen Immobilie unter die Arme greifen und deren Vermögensaufbau als Alterssicherung erleichtern.

Grunderwerbsteuer erschwert Finanzierung des Eigenheims


Die FDP stützt ihre Forderungen auf die von ihr beim Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) in Auftrag gegebene Studie zur „Reform der Grunderwerbsteuer“. Diese wurde am 3. Februar 2017 veröffentlicht. In der Studie fand die IW Köln heraus, dass die Grunderwerbsteuer in hohem Maße dafür verantwortlich ist, dass sich einkommensschwächere Haushalte weniger Eigentum leisten können als noch vor einigen Jahren – und das trotz gleichbleibend niedriger Zinssätze. Die Grunderwerbsteuer beläuft sich zurzeit in Bundesländern wie Nordrhein Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein auf satte 6,5 Prozent der Gesamtkaufsumme. Bei einem Kaufpreis von 250.000 Euro gehen somit 16.250 Euro direkt in den Staatssäckel des Bundesfinanzministeriums. Zum Vergleich: Die Niederlande bitten Immobilienkäufer gerade einmal mit zwei Prozent Grunderwerbsteuer zur Kasse. Bei einer Immobilie derselben Preislage fallen hier lediglich 5.000 Euro an.



Folge: Erhöhung des Gesamtkaufpreises


Neben den erheblichen Zusatzkosten legt die Grunderwerbssteuer Häuslebauern weitere Steine in den Weg: Sie darf in der Regel nicht in Raten beim Finanzamt abgestottert, sondern muss in einer Zahlung beglichen werden. Die hohe Zahlung an den Fiskus geht nach dem Hauskauf also direkt vom angesparten Kapital ab. Und damit gerät der Traum vom Eigenheim schnell ins Wanken: Bei weniger eingebrachtem Eigenkapital steigt automatisch der Zinssatz des Darlehens. Infolgedessen erhöht sich der Gesamtkaufpreis der Immobilie. In einigen Fällen verhindern die Zusatzkosten den Immobilienkauf ganz.



Kaufnebenkosten im Überblick


Die Nebenkosten beim Hauskauf ziehen – anders als in Nachbarländern – in Deutschland seit Jahren kontinuierlich an. Zu den Nebenkosten zählen nicht nur die Grunderwerbsteuer, sondern auch der Grundbucheintrag, Notarkosten und Maklergebühren. Diese Kosten schlagen sich folgendermaßen auf den Gesamtkaufpreis der Immobilie nieder:

  • Grunderwerbsteuer: je nach Region 3,5 - 6,5 Prozent der Kaufsumme
  • Notar und Grundbucheintrag: 1,5 Prozent der Kaufsumme
  • Maklerprovision (Courtage): 3 - 6 Prozent der Kaufsumme (Verhandlungssache)

Zudem fordern viele Banken ein Startkapital von 30 Prozent der Gesamtkaufsumme. Bei einem Kaufpreis von 250.000 Euro muss der Hauskäufer also bereits 75.000 Euro Startkapital für das Darlehen, zwischen 8.750 und 16.250 Euro Grunderwerbsteuer, 3.750 Euro für Notar und Grundbucheintrag sowie 7.500 und 15.000 Euro für die Maklerprovision aufbringen. Das ergibt eine Gesamtbelastung von mindestens 95.000 Euro des Startkapitals. Für Menschen der niedrigeren Einkommensklasse eine enorme finanzielle Belastung, vor der viele kapitulieren.



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