Gutachterausschüsse registrieren weiter Preisanstieg

Berlin: extremer Preisanstieg bei Bauland

Die Gutachterausschüsse der Großstädte Berlin und Frankfurt am Main haben ihre vorläufige Auswertung der Kaufpreise von 2016 veröffentlicht. Sie entwickelten sich anders als die Umsätze.


placeholder

Die Gutachterausschüsse von Berlin und Frankfurt haben die vorläufige Auswertung der Kauftransaktionen vom vergangenen Jahr veröffentlicht. Danach sind die Kaufpreise zwar weiter gestiegen, doch ist die Anzahl der Kauffälle zum Teil deutlich zurückgegangen.

Berlin: Weniger Käufe, aber zum Teil gestiegener Umsatz


Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin hat in seiner vorläufigen Auswertung der Kauffälle einen Rückgang der Kaufverträge in 2016 gegenüber 2015 registriert. Der Geldumsatz von Büro- und Geschäftshäusern einschließlich Einzelhandelsobjekten (-43 Prozent) sowie der von Mietwohnhäusern (-14 Prozent) ging deutlich zurück. Die Ankündigung der Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke), die Zahl der sogenannten Milieuschutzgebiete zu erhöhen, dürfte den Kauf von Mietwohnungen für Investoren nicht attraktiver machen. In diesen Gebieten bedürfen Modernisierungen und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen einer zusätzlichen Genehmigung.

Der Geldumsatz von Eigentumswohnungen stieg bei einem Anstieg der Kauffälle um fünf Prozent dagegen deutlich – um 14 Prozent. Das spiegelt den deutlichen durchschnittlichen Anstieg der Preise von Eigentumswohnungen. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern ging die Anzahl der Kauffälle um sechs Prozent zurück, der Geldumsatz sank jedoch nur um vier Prozent. Grund dafür war die Preissteigerung in diesem Bereich der sogenannten offenen Bauweise.



Deutlicher Preisanstieg bei Berliner Baugrundstücken


Deutlich fiel der Preisanstieg für unbebaute Grundstücke für den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern aus. Hier stiegen die Preise im Durchschnitt um 20 Prozent gegenüber 2015. In einigen Bereichen lag die Preissteigerung allerdings noch darüber – etwa im Bezirk Marzahn-Hellersdorf sowie in den Ortsteilen Steglitz, Zehlendorf, Lichterfelde, Köpenick, Adlershof und Grünau bei rund 30 Prozent.

Die Grundstücke in den ohnehin schon teuren Lagen im Südwesten der Stadt stiegen im Preis nur um 15 Prozent. Die absolut höchsten Kaufpreise wurden aber weiterhin in diesen Lagen ermittelt. Der Spitzenwert in Grunewald und Dahlem liegt bei 2.100 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche. Am günstigsten ist das Bauland dagegen in Bohnsdorf und Schmöckwitz, wo ein Bodenwert von 130 Euro pro Quadratmeter ermittelt wurde.

Noch deutlich stärker fiel der Preisanstieg bei Baugrundstücken für den Geschosswohnungsbau aus. In innerstädtischen Lagen wurden die Bodenrichtwerte zum Teil um mehr als 60 Prozent angehoben. In den Gebieten, die an die City angrenzen, waren es rund 30 Prozent. In den weniger verdichteten Bereichen im Bereich südlich der Torstraße  liegt der Spitzenwert bei 5.000 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche.

Die Bodenrichtwerte für innerstädtische Kerngebietslagen wie am Potsdamer Platz, am Gendarmenmarkt oder an der Friedrichstraße blieben dagegen nahezu unverändert. Der Bodenrichtwert am Pariser Platz wurde allerdings auf 60.000 Euro pro Quadratmeter angehoben und nimmt damit nun den Spitzenwert in Berlin ein.



Frankfurt am Main


Auch in Frankfurt am Main ging die Anzahl der Kauffälle 2016 mit 7.732 gegenüber 2015 mit 8.057 leicht zurück. Der Umsatz stieg dagegen von 6,4 Milliarden Euro (2015) auf 6,7 Milliarden Euro (2016) an.

Große Unterschiede gab es bei den Transaktionen von Wohnimmobilien. Beseonderen Rückgang verzeichnete der Kauf von Mehrfamilienhäusern. 2015 wurden 404 Mehrfamilienhäuser verkauft, 2016 waren es nur 315. Die Anzahl der verkauften Eigenheime ging dagegen nur leicht zurück (von 549 auf 539). Auch im größten Teilmarkt, dem von Eigentumswohnungen, zeichnet sich ein Rückgang der Kauffälle ab, obwohl dort 300 Verträge noch nicht ausgewertet wurden. In 2016 wurden deutlich weniger Neubauwohnungen (1.105 ausgewertete Fälle) als 2015 (1.691 Fälle) verkauft. Auch bei Eigentumswohnungen der Baujahre vor 1975 gingen die Kauffälle in 2016 gegenüber dem Vorjahr zurück, während nach 1974 erbaute Eigentumswohnungen etwas häufiger verkauft wurden.

Im Durchschnitt stieg der Kaufpreis von Neubauwohnungen in 2016 gegenüber 2015 um 13 Prozent auf 4.940 Euro pro Quadratmeter. Ein Grund für den starken Preisanstieg der Neubauten und der neueren Eigentumswohnungen liegt im hohen Anteil der Hochhauswohnungen. Denn die Preise liegen ab dem sechsten Obergeschoss zum Teil deutlich über dem Durchschnitt anderer Wohnungen. Aber auch die bis 1949 erbauten Eigentumswohnungen verteuerten sich 2016 mit zwölf Prozent (Durchschnitt: 4.170 Euro pro Quadratmeter) sowie die zwischen 1950 und 1974 erbauten Eigentumswohnungen um elf Prozent (2.550 Euro). Weniger ausgeprägt war der Preisanstieg mit drei Prozent bei den Eigentumswohnungen der Baujahre von 1975 bis 1999 (2.850 Euro).

Einen Preissprung gegenüber 2015 gab es 2016 bei neugebauten Reihenmittelhäusern. Der Durchschnittspreis erhöhte sich von 699.000 Euro pro Reihenmittelhaus auf 782.000 Euro. Die Preise für Reihenmittelhäuser älterer Baujahre veränderten sich dagegen deutlich weniger auffällig und gingen zum Teil (Baujahre ab 2000 ohne Neubauten) sogar etwas zurück.

Bezogen auf die Ortsteile waren die Wohnungskaufpreise mit durchschnittlich 8.890 Euro pro Quadratmeter im Westend am teuersten. Es folgten die Durchschnittspreise für das relativ zentral gelegene Neubaugebiet des Europaviertel (6.450 Euro pro Quadratmeter), von Sachsenhausen (5.470 Euro pro Quadratmeter) und der Innenstadt (4.950 Euro pro Quadratmeter). Etwas niedriger waren die Preise in Bockenheim (4.720 Euro), im Neubauquartier Riedberg (4.570 Euro) und in Rödelheim (3.970 Euro) – Ortsteile, in denen relativ viele Transaktionen stattfanden.



Diese Artikel könnten Sie interessieren: