Weniger Zwangsversteigerungen in 2016

Rückgang auf 31.000

Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien ist in 2016 weiter gesunken. Die niedrigen Zinsen können diese drastische Maßnahme häufig verhindern.


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Der Fachverlag Argetra aus Ratingen bei Düsseldorf hat für eine Untersuchung zur Anzahl und Entwicklung von Zwangsversteigerungen die Zwangsversteigerungstermine bei rund 500 Amtsgerichten ausgewertet.

Weshalb Immobilien zwangsversteigert werden


Ein Gläubiger hat die Möglichkeit, seine berechtigte Geldforderung in das sogenannte unbewegliche Vermögen des Schuldners – also in Grundstücke und Wohnungseigentum – zu vollstrecken. Den Ablauf über die Zwangsversteigerung regelt das Gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung (ZVG). Das Verfahren wird in der Regel beim Amtsgericht, in dessen Bezirk die Immobilie liegt, als Vollstreckungsgericht durchgeführt. Die Zwangsversteigerung auf dem Wege der Zwangsvollstreckung muss durch den Gläubiger beantragt werden. Ein Rechtspfleger prüft daraufhin, ob der Antrag ordnungsgemäß ist und die formalen Voraussetzungen für die Anordnung der Zwangsversteigerung (z. B. Vorlage eines Vollstreckungstitels, ordnungsgemäße Zustellung des Vollstreckungstitels) erfüllt sind.

In der Regel sind es Kreditinstitute, die zu dem Mittel der Zwangsvollstreckung greifen, wenn die Kreditnehmer ihrer Ratenzahlung nicht mehr nachkommen können.



Starker Rückgang der Zwangsversteigerungen


Im Jahr 2016 ist die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien in Deutschland im Vergleich zu 2015 deutlich zurückgegangen. Insgesamt seien rund 31.000 Gerichtstermine angesetzt worden, rund 7.000 oder 18 Prozent weniger als noch 2015, so Argetra. Die Summe des Wertes aller versteigerten Immobilien habe 4,85 Milliarden Euro betragen, 1,18 Milliarden Euro oder knapp 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor (6,03 Milliarden Euro).

Die Anzahl der Zwangsversteigerungen ist seit Längerem rückläufig. So wies die  Statistik des Portals „Zwangsversteigerung.de“ zuletzt für das Jahr 2007 einen Rekord mit 55.226 versteigerten Objekten auf. Seither ist jedes Jahr die Anzahl der Zwangsversteigerungen zurückgegangen.



Wo am meisten und am wenigsten Immobilien versteigert wurden


Bezogen auf die Anzahl der Haushalte fanden laut Argetra im Bundesland Sachsen-Anhalt die relativ meisten Versteigerungen statt. Dort wurden 147 Fällen pro 100.000 Haushalte registriert. Mit nur 18 Fällen pro 100.000 Haushalte war 2016 der Wert in Hamburg am geringsten. Bezogen auf die absolute Zahl der Zwangsversteigerungen lag dagegen das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 7.832 Zwangsversteigerungen an der Spitze.

Mit Ausnahme von Hamburg, wo die Anzahl der Versteigerungstermine 2016 gegenüber 2015 um über zwölf anstieg, fanden in allen Ländern weniger Termine statt. Vor allem Berlin verzeichnete mit rund einem Drittel weniger Terminen einen deutlichen Rückgang.

Unter den 40 Städten mit den meisten Terminen liegt Chemnitz an der Spitze. Es folgen Leipzig und Berlin.



Welche Objekte versteigert werden


Der Zwangsversteigerungsmarkt besteht laut Argetra zu 70 Prozent aus Wohnimmobilien. Darunter nehmen Ein- und Zweifamilienhäusern mit einem Anteil von 42 Prozent (plus 1,9 Prozent) im Vergleich zu Eigentumswohnungen (27,4 Prozent, minus 1,8 Prozent) aktuell einen hohen Stellenrang ein. Den Rest teilen sich demnach Gewerbeobjekte (21 Prozent, minus 1,6 Prozent), Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien.



Gründe für den Rückgang der Zwangsversteigerungen


Auslöser von Zwangsversteigerungen sind nach Angaben von Argetra häufig private Notlagen wie Scheidung, Tod des Partners oder Jobverlust. Aufgrund der gestiegenen Risiken für Banken bei der Finanzierung von Ein- und Zweifamilienhäusern würde bei Zinserhöhungen vor allem bei Prolongationen die Anzahl der Zwangsversteigerungen zunehmen. Auch würden die zuletzt verschärften Eigenkapitalunterlegungsvorschriften zum Teil ältere Eigentümer treffen. Bei notwendigen Renovierungen erhielten viele alleinstehende alte Menschen auch dann keinen Kredit mehr, wenn sie in nicht belasteten Immobilien lebten.


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