Rückgang der Baugenehmigungen

Geht dem Wohnungsbau die Puste aus?

Die Anzahl der genehmigten Wohnungen in Deutschland ist in den ersten drei Quartalen 2017 gegenüber dem gleichen Zeitraum 2016 um sieben Prozent zurückgegangen. Jetzt ist der Gesetzgeber aufgerufen, dem Trend entgegenzuwirken.


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In diesem Jahr wurden in den ersten neun Monaten deutlich weniger Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Laut statistischem Bundesamt gab es 20.000 Baubewilligungen weniger. Rückläufig waren insbesondere die Zahlen für Einfamilienhäuser, sie sanken um 5,7 Prozent.  Bei Wohnungen in Wohnheimen –  hierzu zählen auch Flüchtlingsunterkünfte –  gingen die Genehmigungen sogar um 40,9 Prozent zurück. Einzig die Zahl der genehmigten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern steuerte gegen den Strom. Sie lag mit einer Erhöhung um 0,9 Prozent im Plus.

Handwerkermangel und Investorenpoker


Ein Mangel an Genehmigungen kann nicht als Ursache ausgemacht werden. Das geht aus einer Studie der Förderbank KfW hervor. Vielmehr sei mit 600.000 Zusagen in den vergangenen Jahren ein Überhang entstanden, ds Problem liege also eher in der Umsetzung. Der anhaltende Immobilienboom bringe Baufirmen und Handwerker an den Rand ihrer Kapazitäten. Aber auch ein weiterer Aspekt zeigt Wirkung: Gerade in Großstädten holen Investoren verstärkt Baugenehmigungen auf Vorrat ein. Statt ihre Projekte umzusetzen, warten sie auf weiter steigende Mieten und Immobilienpreise.



Reformen und wirksame Steueranreize


Doch auch Bauvorschriften und ein hohes Maß an Bürokratie verhindern, dass Bauvorhaben zügig umgesetzt werden. Daher fordern sowohl der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GDW als auch die Immobilienwirtschaft Reformen und wirksame Steueranreize. So fordert GDW-Präsident Axel Gedaschko mehr bezahlbare Grundstücke und eine konsequente Prüfung der mehr als 20.000 Bauvorschriften und Anforderungen. Die neue Bundesregierung müsse eine standardisierte Bauweise fördern und eine bundesweit gültige Bauzulassung für diese Gebäude schaffen.

Der Präsident des ZIA (Zentraler Immobilien Ausschuss) Dr. Andreas Mattner sieht ebenfalls die Vielzahl von Bauvorschriften kritisch:  „1990 gab es in Deutschland rund 5.000 Bauvorschriften, heute sind es über 20.000. Wenn wir das Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen pro Jahr wirklich und ernsthaft verfolgen wollen, müssen wir diesen Bürokratiewahnsinn stoppen und das bestehende Umfeld vereinfachen.“

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