Wenn Bäume privater Grundstücksbesitzer gefällt werden dürfen

Neues Verwaltungsgericht-Urteil

Der asiatische Laubholzbockkäfer breitet sich aktuell in Gegenden Deutschlands aus. Der Staat bekämpft die Holzschädlinge mit rabiaten Methoden. Was Grundstückseigentümer hinnehmen müssen.


Breitet sich seit 2005 in Deutschland aus: der Asiatische Laubholzbockkäfer.

Durch das Verpackungsholz des Bonsai-Handels aus China und Taiwan wurde der asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) in die europäischen Länder Italien, Frankreich, Niederlanden, Österreich und Deutschland eingeschleppt. Der vier Zentimeter große Käfer (Anoplophora glabripennis) gilt als weltweit größter Holzschädling. Seine Larven breiten sich mittlerweile in allen Arten von Laubbäumen aus und bewirken, dass ein befallener Baum abstirbt. Durch die Schädlingsbekämpfung können auch Bäume privater Grundstücksbesitzer betroffen sein.

Verbreitung des asiatischen Laubholzbockkäfers in Deutschland

Seit 2005 breitet sich in Nordrhein-Westfalen eine Population der Holzschädlinge von Bornheim ausgehend in das nahegelegene Bonn aus. Seit vier Jahren tritt der Schädling auch in Süddeutschland auf. Anfang August 2012 erließ das zuständige Landratsamt von Lörrach in Baden-Württemberg eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung des gefährlichen Holzschädlings im Umkreis des Hafens von Weil am Rhein im Dreiländereck Basel-Mülhausen-Lörrach. Im April 2015 wurden bei Holzfällarbeiten im Hafengebiet erneut ALB-Spuren entdeckt, im Juni dann ebenfalls in Grenzach-Wyhlen.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erließ am 20. November 2012 eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung eines Auftretens des gefährlichen Holzschädlings in der Gemeinde Feldkirchen bei München, nachdem am 8. Oktober 2012 bei Ahornbäumen ein Befall festgestellt worden war. Ein Wäldchen zwischen den Gemeinden Haar und Feldkirchen (600 Bäume) ist im Februar 2013 komplett gerodet worden. Im September 2014 wurde ein Befall von Bäumen noch etwas weiter südlich am Münchener Stadtrand in Neubiberg festgestellt, auch hier wurden befallene Bäume sofort entfernt und eine Quarantänezone von 2,2 Kilometern eingerichtet.

Neuerdings tritt der ALB auch in Ostdeutschland auf. Seit September 2014 wurden an sechs Stellen im Nordosten Magdeburgs Exemplare des Schädlings entdeckt, woraufhin die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) ebenfalls eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung erließ, die am 5. Dezember 2014 in Kraft trat.

Verwaltungsgericht Magdeburg bestätigt Entscheidung zur Baumfällungen

Von der zuständigen Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau mit Sitz in Bernburg wurden zur Schädlingsbekämpfung Baumfällungen im Magdeburg erlassen, um den asiatischen Laubholzbockkäfer im dortigen Quarantänegebiet auszurotten und so seine Vermehrung und weitere Ausbreitung zu verhindern. Die von den Anordnungen betroffenen Bäume stehen allesamt in einem Radius von 100 Meter um zwei Ahornbäume inmitten des Stadtteils Rothensee, bei denen ein Befall mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer im 1. Halbjahr 2016 nachgewiesen worden war. Mit ihren Eilanträgen hatten sich daraufhin mehrere Grundstückseigentümer gegen die Anordnungen zum Fällen von Bäumen an das Verwaltungsgericht Magdeburg gewandt.

Das Verwaltungsgericht Magdeburg (Beschlüsse 1 B 320/16 MD, 1 B 323/16 MD und 1 B 327/16 MD vom 12.08.2016) hat die Anträge der Grundstückseigentümer abgelehnt. Die Anordnungen seien rechtlich nicht zu beanstanden. Sie beruhten auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wonach in einer Entfernung von mindestens 100 m vom Fundort sämtliche potenziellen Wirtsbäume des Käfers (u. a. Ahorn, Pappel, Birke, Weide, Rosskastanie, Hainbuche und Ulme) als befallsgefährdet anzusehen seien und der vorhandene Baumbestand in diesem Bereich um den Fundort vorsorglich zu beseitigen sei, um einer weiteren Ausbreitung des eingeschleppten Insekts entgegenzuwirken.

Die von den Grundstückseigentümern gegen die Fällungen vorgebrachten Gründe ließ das Gericht nicht gelten und führte aus, dass angesichts der Gefahr der weiteren Ausbreitung des Asiatischen Laubholzbockkäfers ein besonderes öffentliches Interesse an dem sofortigen Vollzug der Baumfällungen bestehe.

Tipp für Grundstückeigentümer

Grundstückseigentümer, deren Bäume von gefährlichen Schädlingen befallen sind, sollten möglichst schnell die zuständige Landesbehörde einschalten. Werden wie im Fall des ALB von den Experten Baumfällungen beschlossen, so ist es in der Regel wenig sinnvoll, dagegen vorzugehen. Im Gegenteil: Die erfolgreiche Bekämpfung des ALB setzt voraus, dass der Befall so früh wie möglich erkannt wird. Mit speziell ausgebildeten Suchhunden lassen sich die Käfer aufspüren. Fällungen und sachgerechte Entsorgung der Baumreste ist dann meist die einzige Methode, den Schädlingsbefall zu stoppen. Sonst droht auch der Befall benachbarter gesunder Bäume.