Was kosten „intelligente Stromzähler“?

Folgen des Gesetzes für Eigentümer und Vermieter

Ursprünglich sollten die Energieversorger neue Stromzähler bezahlen. Nun müssen die Eigentümer die Zähler nicht nur anbringen lassen, sondern den Einbau selbst bezahlen.

Ab 2017 werden in Deutschland schrittweise intelligente Stromzähler eingeführt. Die neue Technik ermöglicht einen umfassenden Überblick über das Verbrauchsverhalten jedes Haushalts.

Anlass und Inhalt des Gesetzesentwurfs


Die digitalen Stromzähler sollen den Stromverbrauch in Echtzeit messen.

Grundlage für den Einsatz der „intelligenten Stromzähler“ oder „Smart-Meter“ bilden zwei EU-Richtlinien: Die EU-Richtlinie zu Energieeffizienz und Energiedienstleistungen beinhaltet, dass den Verbrauchern mindestens vierteljährliche Energieverbrauchsdaten zur Verfügung stehen sollen. Zum anderen sieht die Europäische Energiebinnenmarktrichtlinie den Aufbau von Smart-Metering-Infrastrukturen in den EU-Staaten vor.

Vor allem aber drängen auch die Netzbetreiber zum Einsatz der Smart-Meter. Weil aufgrund der Energiewende der Anteil nachhaltig erzeugten Stroms aus Wind und Sonne stark schwanken kann, besteht die Gefahr, dass die Stromnetze zeitweilig an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. Um Ausfälle zu vermeiden, wird geplant, den dezentralen Verbrauch zentral in Echtzeit überwachen zu können, um die Netze und die Bereitstellung der benötigten Energie effizienter zu steuern.

Wie ein Smart-Meter funktioniert

Der digitalen Stromzähler registriert, wann und wie viel Strom verbraucht wird. Er kann Kühl- und Gefrierschränke, die Beleuchtung oder die elektrische Heizung kontrollieren und steuern. Nachts, wenn es große Stromüberschüsse gibt, könnten, so die Befürworter der Smart-Meter,  beispielsweise Gefriertruhen mit günstigem Strom versorgt werden, während tagsüber die Stromnachfrage gedrosselt würde. In Industrieunternehmen, die große Mengen elektrischer Energie benötigen, sind solche Apparaturen schon seit längerem im Einsatz.

Was das Gesetz vorsieht

Der Bundestag hat den Entwurf Ende Juni 2016 beschlossen, der Bundesrat hat ihn Anfang Juli bestätigt. Nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt wird das Gesetz nun in Kraft treten. Ab 2017 sollen große Verbraucher und Betreiber von Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik-Systemen zwischen 1 und 7 kW Kilowattstunden im Jahr einen digitalen Stromzähler ("Smart-Meter") einsetzen müssen. Ab 2020 ist der Stromzähler dann für alle Haushalte verpflichtend, die einen Jahresverbrauch von über 6000 Kilowattstunden aufweisen. Bei allen anderen Haushalten bleibt die Umstellung für den Versorger eine Option, gegen dessen Entscheidung der Verbraucher aber kein Einspruchsrecht hat.

Der Gesetzentwurf zur Digitalisierung der Energiewende sah vor, dass die Kosten für den Einbau der neuen Stromzähler vorrangig diejenigen tragen sollten, die davon in erster Linie profitieren: die Netzbetreiber und die Energieversorger. Doch kurz vor Verabschiedung wurde der Entwurf geändert: Nun müssen Eigentümer und Vermieter die Zähler nicht nur anbringen lassen, sondern den Einbau auch noch selbst bezahlen.

Kosten des Smart-Meter

Smart-Meter sind relativ teuer. Der Einbau soll für Kunden mit einem Verbrauch zwischen 3000 und 4000 kWh rund 40 Euro kosten. Die jährlichen Kosten für den Betrieb würden für typische Privathaushalte bei 20 Euro liegen – können aber auch je nach Verbrauch bei 60 Euro pro Jahr betragen. Verbraucherschützer nennen auch jährliche Kosten in Höhe von bis zu 100 Euro für Bereitstellung und Nutzung der digitalen Stromzähler. Nur etwa 20 Euro könnten die Verbraucher im Gegenzug an Stromkosten einsparen.

Datenschützer bemängeln möglichen Datenklau

Die Verbraucher müssen jedoch noch in anderer Währung zahlen: mit ihren Daten. Datenschützer befürchten über den Smart-Meter eine digitale Überwachung von Nutzern, einige sprechen sogar von digitaler Spionage durch Rückschlüsse vom Stromverbrauch auf das Fernsehverhalten. Wenn jedoch keine flexiblen Tarife genutzt werden, wird nur der Stromverbrauch übermittelt. Zudem sollen alle Daten verschlüsselt übertragen werden.

Verbraucherschützer kritisieren Zwang

Smart-Meter helfen nach Ansicht von Verbraucherschützern den Privathaushalten weder beim Sparen von Energie noch im Portemonnaie. „ Zwang ist also der falsche Weg. Verbraucher sollten selber entscheiden können, ob sie dem Einbau digitaler Stromzähler zustimmen“, sagt Ingmar Streese, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). 

Eigentümerinteressenvertreter sprechen von „Änderung in letzter Minute“

Haus & Grund kritisiert vor allem, dass entgegen den ursprünglichen Verlautbarungen nun nicht die Netzbetreiber und die Energieversorger, sondern die Eigentümer für die Kosten aufkommen müssen. Der Verband wies zudem darauf hin, dass die neuen Stromzähler für die Verbraucher keine nennenswerten Vorteile brächten, sondern in erster Linie den Netzbetreibern und den Energieversorgern Vorteile versprächen.