Wie viel Wohnfläche gibt es in Europa für 200.000 Euro?

Elf Quadratmeter in London, über 200 in Debrecen

Der von Deloitte Real Estate entwickelte Property Index gibt Auskunft über die Wohnungsmärkte in Europas Ländern und Metropolen.

Die Immobilientochter der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hat die Wohnungsmärkte von Europa, Russland und Israel untersucht und miteinander verglichen. Die meisten Wohnungsmärkte sind von einem relativ schwachen Wirtschaftswachstum, aber einer lockeren Geldpolitik mit niedrigen Zinsen geprägt. In den meisten Ländern sind die Wohnungspreise 2015 gegenüber 2014 wieder gestiegen. Lediglich in Russland, Italien und Portugal gingen die Kaufpreise zurück. Große Unterschiede gibt es jedoch im Preisniveau, der Neubautätigkeit und den Preisdifferenzen zwischen den wichtigsten Städten und den Durchschnittspreisen der betreffenden Länder.

Wohnungspreise in den Ländern


In Deutschland liegt der Durchschnittskaufpreis bei 2.000 Euro pro Quadratmeter.

Die mit Abstand höchsten Durchschnittskaufpreise wurden im vergangenen Jahr im Vereinigten Königreich (rund 5000 Euro pro Quadratmeter), in Frankreich (4000 Euro/Quadratmeter), Israel (3600 Euro/Quadratmeter) und Irland (3200 Euro / Quadratmeter) verzeichnet. In Irland (plus 27 Prozent), Israel und Spanien (beide rund plus elf Prozent) wurde 2015 gegenüber 2014 der höchste Preisanstieg gemessen, während die Preise in Russland um 25 Prozent einbrachen. Deutschland liegt mit Belgien und den Niederlande mit Durchschnittspreisen um 2000 Euro pro Quadratmeter im Mittelfeld der untersuchten Länder. Mit einem durchschnittlichen Preisanstieg von 3,2 Prozent in 2015 fiel der Preisanstieg im Vergleich zum Jahr 2014 in Deutschland moderat aus. Am niedrigsten waren die durchschnittlichen Wohnungspreise im vergangenen Jahr in Russland (rund 800 Euro pro Quadratmeter) sowie in Ungarn, Portugal und Polen mit Preisen um die 1000 Euro pro Quadratmeter.

Wohnungspreise in den Metropolen

In den jeweiligen Landesmetropolen weichen die Preise zum Teil extrem vom Landesdurchschnitt ab. Mit deutlichem Abstand liegt dabei London an der Spitze der europäischen Metropolen. Für die inneren Bezirke von London wurde ein Durchschnittspreis von 18.126 Euro pro Quadratmeter registriert. In äußeren Bezirken lagen die Preise mit 8.775 Euro pro Quadratmeter deutlich darunter. Die zweitteuerste Stadt nach London ist Paris. Dort lag der Quadratmeterpreis im inneren Stadtbereich bei 10.700 Euro pro Quadratmeter. Tel Aviv belegt mit 7000 Euro pro Quadratmeter den Rang der drittteuersten Stadt. Auf Platz vier folgt München mit rund 6000 Euro pro Quadratmeter. München und Tel Aviv, aber auch Mailand und Barcelona sind Beispiele dafür, dass die Hauptstädte nicht immer auch die teuersten Städte in einem Land sind.

Zu den günstigsten Städten zählen vor allem Städte in Osteuropa. Die im Vergleich günstigste ermittelte Stadt ist Debrecen in Ungarn (997 Euro pro Quadratmeter) gefolgt von Jekaterinburg in Russland (1004 Euro pro Quadratmeter). Ausnahme ist Moskau, dort betrug der Durchschnittspreis – trotz Preisverfall um 30 Prozent gegenüber 2014 –im vergangenen Jahr 2688 Euro pro Quadratmeter. Moskau liegt 370 Prozent über dem Durchschnittspreis von Russland  und weist somit den höchsten Preisabstand einer Stadt zum Durchschnittspreis eines Landes auf. Extreme Abweichung vom jeweiligen Durchschnittskaufpreis ihres Landes weisen zudem London (3,5-fache des Vereinigten Königreichs), München (das Dreifache von Deutschland) sowie Barcelona und Paris auf (jeweils das Doppelte von Spanien bzw. Frankreich).

Wie viel Wohnfläche es für 200.000 Euro in Europas Städten gibt

Setzt man die Wohnungspreise ins Verhältnis zu einem realistischen Kaufbudget von 200.000 Euro, so ergibt sich eine Vorstellung, wie groß die entsprechende Wohnung ausfällt. Für dieses Budget ist in Zentral-London gerade mal eine Wohnfläche von elf Quadratmetern zu bekommen. Auch in Paris (19 Quadratmeter), Tel Aviv (29 Quadratmeter) und München lässt sich mit 200.000 Euro lediglich ein Mini-Studenten-Apartment erwerben. In Wien (51 Quadratmeter), Hamburg (55 Quadratmeter), Mailand (55 Quadratmeter) oder Rom (58 Quadratmeter) lässt sich immerhin für 200.000 Euro eine akzeptable Wohnfläche für ein Paar erwerben. In Lissabon (107 Quadratmeter), Rotterdam (112 Quadratmeter) oder Warschau (114 Quadratmeter) gibt es dafür bereits mehr als hundert Quadratmeter. Wer mit 200.000 Euro möglichst viel Raum für das Wohnen benötigt, der sollte nach Budapest (162 Quadratmeter), oder noch besser ins ungarische Debrecen (201 Quadratmeter) ziehen.

Erschwinglichkeit von Wohnungspreisen

Interessanterweise sind die Wohnungspreise für eine 70 Quadratmeter große Wohnung bezogen auf die Durchschnittsbruttoeinkommen in Deutschland am erschwinglichsten. In Deutschland müssen nur 3,2 durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen für den Kauf einer durchschnittlichen Wohnung aufgebracht werden. Relativ erschwinglich bezogen auf das Jahresbruttoeinkommen sind Wohnungen noch in Belgien und den Niederlanden, gefolgt von Spanien, Portugal und Österreich. Am wenigsten erschwinglich sind Wohnungen im Vereinigten Königreich, wo im Schnitt elf Jahresgehälter für den Kauf einer Wohnung eingesetzt werden müssen. In der Studie wurden allerdings nicht die Nettoeinkommen für die Messung der Erschwinglichkeit der Wohnungen herangezogen. Würde dieser realistischere Maßstab herangezogen, so würden Wohnungen in Deutschland aufgrund der hohen Sozialabgaben- und Steuerquote deutlich weniger erschwinglich erscheinen.

Folgerung für deutsche Wohnungspreise

Bezogen auf die Durchschnittswerte eines jeweiligen Landes erscheinen die Wohnungspreise im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in Deutschland nicht als überteuert. Bezogen auf einzelne Städte ergibt sich allerdings bei einer differenzierteren Betrachtung ein anderes Bild. So weichen die Preise in München extrem von den Durchschnittspreisen Deutschlands ab, auch sind Wohnungen bezogen auf die regionalen [KA1] Einkommen in München deutlich weniger erschwinglich als im deutschen Durchschnitt.